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muthig seines Weges weiter, und bald war seine Gestalt hinter den Bäumen verschwunden.

Iris blickte dem harten Manne mit zusammengepreßten Zähnen und funkelnden Augen nach.Welch' ein Mann!" murmelte sie vor sich hin-ein schwer zu besiegender Feind- wisse indessen, Du Mensch mit dem steinernen Herzen, daß ich hart mit Dir um Roberts Erbe zu kämpfen ent­schlossen bin!" Dann nahm sie das Kind und hinkte die Allee hinab.

Draußen vor der Pforte wartete der Wagen, der sie vom Bahnhof von Blackport hierher gebracht hatte- in ihm saß Hannah ungeduldig und erwartungsvoll.Nun, Madame, wie ging es?!" rief sie, sobald sie ihrer Gebieterin an­sichtig wurde.

Er hat sein Testament gemacht und das Kind enterbt," sagte Iris trocken.

Testamente sind leicht abzuändern, Madame- oft werden sie ganz und gar zerstört."

Sehr wahr, Hannah - ich soll in einem Gasthof in der Stadt warten, bis er sich die Sache überlegt hat. Morgen will er wieder mit mir reden."

Da ist schon ein Punkt gewonnen. Und wie hat sich das Mädchen benommen?"

Wie ein Engel- ohne sie hätte er mich gar nicht an­gehört."

Hannah half ihrer Herrin in den Wagen steigen und nahm die kleine Ethel Grehlock sodann auf den Schooß.

Fahren sie nach Pooles Gasthof!" rief Iris dem Rosfelenker zu, und im nächsten Augenblick befand sie sich auf dem Weg nach Blackport.

11. Capitel.

In der Rosen-Villa.

Das alte Städtchen hatte sich in den letzten sechs Jahren sehr wenig verändert- es war entschieden kein Ort des Fortschrittes. Die starken Strömungen des Lebens schienen sein Weichbild nie zu erreichen. Nur ein neues Hotel, weiß angestrichen, mit grünen Jalusien, das einige Sommergäste barg, war auf einer Anhöhe am Ende des Strandes errichtet worden.

Die schäbige Miethskutsche, in der Iris und deren Be­gleiterinnen saßen, rasselte an diesem Gebäude vorüber, bog in die Hauptstraße ein und machte vorPooles Inn" Halt. Augenscheinlich war dieser alte Gasthof nicht gesonnen, sich von seinem neuen Rivalen auf der Anhöhe ausstechen zu lassen. Seine nicht mit Teppichen belegten Fußböden waren an diesem hellen Junitage so weiß wie der Schaum der Wellen, die sich am Strande brachen. Das Schenkzimmer und die Hauptgänge glänzten vor Sauberkeit. Gerüche, die wohl den größten Feinschmecker entzückt hätten, drangen aus der Küche, in welcher jede Topf, jede Schüssel, jeder Kessel spiegelblank gescheuert waren. Namentlich in Bezug auf Küche und Tisch vermochte das neue Hotel nicht mit dem alten zu concurriren, denn Mercy Poole war eine Haus- wirthin von den vielseitigsten Talenten und wußte Gerichte zu bereiten, die einen französischen Koch eifersüchtig gemacht hätten. Als Mrs. Iris Grehlock mit ihrer Dienerin und dem Kinde das Haus betraten, erblickte sie einen Mann mit gerötheter Nase und wässerigen Augen, der, auf einen Stock gelehnt und laut pustend, den Hausflur herab auf sie zukam- es war der alte Jke Poole.Sind Sie der Herr dieses Hauses?" fragte Iris.

Er hielt an, um die Frage in Erwägung zu ziehen, blickte die Fragerin nachdenklich an und schüttelte dann seinen benebelten Kopf.Ach nein! Mercy ist Herr im Hause - ich habe ausgespielt, Madame," antwortete er endlich -sie hat jetzt die Herrschaft über Alles, ausgenommen meinen Grog. Der Henker hole mich, wenn ich den aufgebe! Mercy ist ein braves Mädel, allein sie hat den Kopf voll Ideen- es ist nichts anzusangen mit Weibern, die mit Ideen vollgepropft sind. Wünschen Sie Mercy zu sehen?"

Ja, ich bitte darum."

Jke Poole klopfte nun mehrmals mit dem Stock auf den blankgescheuerten Fußboden. Aus dieses Signal öffnete sich eine Thür am Ende des Hausflures, und Mercy Poole erschien in all' ihrer zigeunerhaften Schönheit, mit hoch er­hobenen Kopf, um die sich die Flechten ihres rabenschwarzen Haares wie ein Nest von Schlangen wanden, während die Aermel ihres Kleides über ihren prächtigen broncefarbenen Armen aufgerollt waren.Was ist's?" fragte sie kurz.

Iris erklärte in kurzen Worten, daß sie für sich selbst, ihr Kind und ihre Dienerin bis zum folgenden Tage ein Quartier wünsche.Wir find von Herrn Godfrey Grehlock von Grehlock Woods hierher geschickt worden," sagte sie- haben Sie die Güte, uns paffende Zimmer anzuweisen."

Jke Poole stützte sich auf feinen Stock, als wollte er sich zum Kampfe mit einer Idee rüsten- übermäßige Be­kanntschaft mit der Rumflasche hatte den alten Gastwirth so schwach im Kopf gemacht.Grehlock Woods?" sagte er. Ja, ja, er ist vom Ausland zurückgekehrt- Sie sind wohl eine Verwandte der Familie?"

Ich bin Robert Greylocks Wittwe," antwortete Iris.

Jke stierte sie mit dummen Blicken an und sagte dann: Die Wittwe des armen, jungen Bob, der sich vor sechs Jahren in den <salzgruben jenseit der Marschen erschoß? Meiner Treu'! Und das kleine Mädchen hier ist wohl seine Tochter?"

Dieses kleine Mädchen ist Robert Grehlocks Tochter", erwiderte Iris mit Würde.

Jkes wässerige Augen blickten mit Verwunderung auf die Gäste.Wie kommt es aber, daß der alte Herr Sie hierher schickt, anstatt Sie bei sich in der Villa zu behalten? Er ist wohl noch immer sehr unwirsch? He, Mercy! Gieb Bob's Wittwe das Beste, was das Haus zu liefern vermag, das beste Zimmer, die besten Speisen, von Allem das Beste," rief er,ausgenommen meinen Grog!"

Mercy Poole warf einen raschen, forschenden Blick auf die hübsche, lahme Frau in Wittwenkleidern, auf das Kind an ihrer Seite und auf Hannah Johnsohn.

Folgen Sie mir!" sagte sie dann kurz und führte ihre Gäste die Treppe hinauf nach einem reinlichen und sauberen Frontzimmer, das mit einem altmodischen Himmel­bett, einer messingbeschlagenen Commode, einem massiven, runden Tisch und verschiedenen Rohrstühlen möblirt war. Neben diesem Zimmer befand sich ein zweites, kleineres. Ueberall herrschte die größte Reinlichkeit - nirgends war ein Stäubchen zu erblicken. Die frische Eeebrise und die milde Junisonne kamen zu den offenen Fenstern herein. Vom nahen Strande her ließ sich das Murmeln der Wellen deutlich vernehmen.

Schicken Sie uns das Essen sobald wie möglich heraus, sagte Iris, indem sie auf einen Stuhl sank-ich bin ganz erschöpft und hungrig- liefern Sie uns das Beste, wie der komische Alte drunten sagte. Auch ein Glas guten Weines wäre mir erwünscht."

Mercy stand auf der Schwelle des Zimmers- ihr dunkler Kopf berührte fast die Spitze der Thür- sie nickte bejahend und wandte sich um- plötzlich aber, wie von einer unwiderstehlichen Eingebung angetrieben- kehrte sie zurück, stürzte auf die kleine Ethel und bedeckte das Kind nut wiloen, leidenschaftlichen Küssen.

Robert Greylocks Kind! Einen Augenblick schien >hr Herz brechen zu wollen- sie bebte und zitterte an allen Gliedern. Der Anblick der goldenen Locken und der Veilchen- augen zauberte ihr das Bild ihres blonden Geliebten wieder vor die Seele.Ich habe mich lange darnach gesehnt, sem Kind zu sehen," sagte Mercy heiser- ich habe auch gewünsch / die Frau zu sehen, die er heirathete - es freut mich, W Sie hierher kamen."

Ah!" sagte Iris-Sie haben also meinen Mann gekannt?"

Mercy schob das Kind von sich und warf der Mutter