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Braut, Gäste und Hochzeitsmahl stehen und fuhr auf Nimmer- wiederkehr nach seinem Schloß zurück.

Daß diese Geschichte nicht wahr ist, erhellt aus dem Umstande, daß es erst fingerlange und doch schon befiederte Täubchen nicht giebt die ganz jungen sind ja doch noch völlig nackt. Mag ihr Erfinder in der Zoologie auch wenig bewandert sein, so kennt er die Art, in der unsere höheren Töchter häufig zu reflectiren pflegen, desto besser. Der Mangel an folgerichtigem Denken, den man zuweilen bei ihnen antrifft, ist geradezu erstaunlich. Aeußerte doch vor gar nicht langer Zeit eine junge Dame, als sie mir ihren neuen, mit Colibris garnirten Hm zeigte:Ach, ich liebe die Vögel so sehr, daß ich mir am liebsten jedes Toilettenstück mit ihnen decoriren lassen möchte."

Wahrlich, ein wunderliches Raisonnement!

Eine mir bekannte junge Frau rief in einem L-eebade ihre kleinen Töchter herbei, um sie auf ein Schwalbennest aufmerksam zu machen, das hoch oben in einer Ecke der Hoielveranda klebte.Nein, dieser reizende Anblick!" jubelte sic.Diese jungen Vögelchen mit ihren grünblau schillernden Köpfchen! Wie sie der Mutter die gelben Schnäbelchen ent­gegensperren ! Entzückend! Daß nur ja Niemand d e lieben Thierchen stört das würde mir zu leid thun." Und dann, im selben Akhem fuhr sie fort:Wißt Ihr was, Kinder für den Winter sollt Ihr Mützen, Kragen und Muffs aus Schwalben haben und ich selbst werde beim nächsten Masken­ball als Schwalbe mit einem richtigen Schwalbennest auf dem Kopf erscheinen."

Und wie wollen Sie sich besagtes Nest verschaffen?" fragte ein zufällig anwesender Herr mit ironischem Lächeln.

Nun, mein Gott, ich lasse mir eins von irgend einem Dache herunternehmen."

So, so! Ich glaubte, Sie hätten ein künstliches im Sinn, da Sie doch zuvor äußerten, daß es Ihnen leid thun würde, wenn mau diese Vögel hier störte"

Die Dame maß den Sprecher, betroffen von dem eigen- thümlichen Ton seiner Worte, mit unsicherem Blick. Allmälig aber mußte sie doch wohl verstehen, denn sie wurde roth, fand aber trotzdem keine geistreichere Erwiderung als:Nun ja, ich will ja doch auch nicht gerade dieses Nest haben."

Läßt sich die naive Grausamkeit dieser Vogelfreundin wohl treffender characterisiren, als sie selbst es mit ihren eigenen Worten that?

Ja, ja, die zarten Frauen mit ihren weichen, empfind­samen Herzen.

Ich sehe Sie im Geist die Köpfe schütteln, verehrte Freundinnen, Sie denken, daß Sie eine solche Antwort wie jene junge Frau nicht gegeben haben würden. Aber doch weiß ich ganz genau, was Sie im gleichen Falle zu Ihrer Entschuldigung angeführt hätten.Ach, es werden ja von den Händlern jährlich so viele Tausende von Schwalben ge- tödtet und ausgestopft warum soll ich nicht einige von ihnen für mich verwenden?" So oder ähnlich würde Ihre Antwort gelautet haben.Kaufe ich sie nicht, so kaufen sie Andere." ' Nicht wahr, ich habe recht! Bekanntlich besteht die Allgemeinheit aber nur aus Einzelnen, und wenn demnach eine Jede----Wie?

Da eifern Sie nun gegen die Viviiection, gründen Vereine zur Abschaffung derselben, sammeln Unterschriften zu Petitionen, um diesermenschenunwürdigen Barbarei" mit allen Mitteln entgegenzutreten ja, warum lassen Sie die ganze Summe Ihres thatkräftigen Mitleids nicht den armen Vögeln zu gute kommen. Die Vivisection dient den höchsten und edelsten Zwecken indem sie der Wissenschaft die Ur­sachen qualvoller Krankheiten offenbart, an denen schmerzen­geplagte Menschenkinder hinsiechen, gewährt sie ihr die Mittel, dieselben zu heilen der Massenmord der Vögel aber dient nur der weiblichen Luxus- und Putzsucht. Und dann wie wenige Opfer fordert im Grunde jene und wie ungezählte

diese! Statistischen Berichten zufolge sollen in den letzten 25 bis 30 Jahren mehr denn 8000 Millionen ausländischer Vögel für Toilettenbedürfnisse getödtet sein. Die Colibris unter Anderem, behauptet man, wären dem Aussterben nahe, so daß man jetzt daran ginge, unsere einheimische Vogelwelt zu Hilfe zu nehmen. Die kleinen Sänger in Wald und Flur werden vorerst wohl noch geschont, dafür aber sind unter den nicht singenden Vögeln bereits die entsetzlichsten Verwüstungen angerichtet. Wie traurig klingt es nicht, wenn man liest, daß z. B. die Schwalben, wenn sie heimwärts oder in die Ferne ziehen, in ungeheuren Mengen durch Electricität gemordet werden! In Korsika und Nordafrika, wo es Sta­tionen giebt, auf denen sie erfahrungsgemäß zu rasten pflegen, spannen die Händler electrische Drähte aus, auf welchen die kleinen, vom weiten Flug ermüdeten Geschöpfe sich nieder- lassen, um bei der Berührung mit denselben tobt zu Boden zu fallen. Wenn das nicht ein Frevel ist, so giebt's wahr­lich nichts, das diesen Namen verdient.

Uns Deutschen gerade ist die Freude an der Natur und die Liebe zu ihren Geschöpfen angeboren, wir jubeln dem Frühling mit seinem Lerchenschlag, dem anbrechenden Morgen mit den Tausenden sich erhebenden Vogelstimmen entgegen, wir gerathen beim Anblick eines Vogelnestes in Entzücken, unser Herz schwillt in Mitleid, wenn wir zur Winterszeit die kleinen Vögelein darben und frieren sehen und dennoch dennoch zerstören wir, was wir lieben und bewundern. Welch' ein Widerspruch!Streuet den Vögeln Futter!" Gedenket der hungernden Vögel!" und Anderes liest man allerorten, wenn Schnee die Erde bedeckt. Auf öffentlichen Plätzen, auf Dächern und Fensterbrettern wird er fortgefegt und statt dessen zerbröckeltes Brod und Getreide hingeschüttet, damit die Thierchen nicht dem Hungertode verfallen warum offenbart sich dies Mitleid nicht nur zum Schutz gegen die Grausamkeit der Natur, sondern auch gegen die in unserem eigenen Herzen?

Wir Frauen wollen uns anmuthig und geschmackvoll kleiden gewiß, Niemand wird uns das verübeln aber warum müssen wir dies auf Kosten von Legionen unschuldiger Wesen thun, die ebenso wie wir das Daseinsrecht genießen? Ist eine künstliche Blume, ein Band, eine Spange nicht auch schön? Jedes Culturbedürfniß sollte in einer Weise befriedigt werden, die allgemeinen Nutzen und nicht Schaden stiftet die Fabrikation von Bändern, Blumen u. s. w. setzt zahllose fleißige Hände in Thätigkeit und giebt Menschen Brod, lassen wir uns doch an diesen Dingen genügen, wenn wir uns putzen wollen. Kaufen wir diese, so können wir uns dem tröstlichen Bewußtsein überlassen, Gutes zu schaffen, während wir, wenn wir unsere Hüte mit Vogelleichen bestecken, uns sagen müssen, daß wir an einem Vernichtungswerk mithelfen.

Darum, deutsche Frauen, fort mit den Vögeln von Euren Hüten, Fächern und sonstigem Putz! Legt man sie Euch vor, weist sie mit Entrüstung zurück. Kaust Niemand die traurige Waare, an der Blut und Modergeruch klebt, so wird auch Niemand sie mehr feilbietrn und die kleinen Sänger in den Lüften, die ungestört sich des goldenen Sonnenlichtes freuen dürfen, werden Euch ein Danklied singen.

L^unrovistifches.

Boshaft. Dichter:Ganz unerklärlich! Ich finde mein der Redaction emgereichtes dramatisches Gedicht wieder nicht in der Zeitung!" Freund:Hast Du schon unter der RubrikUnglücksfälle und Verbrechen" nachgesehen?"

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Vorsichtig.Herr Hauptmann, wie viele Visiten­karten darf ich Ihnen dieses Mal anfertigen?"®° wenig wie möglich! Ich trage nach den großen Manövern entweder einen anderen Titel oder einen Cylinder!"

Redaktion: 8L Scheyde. Druck und Verlag der Brühl'schen llniversitats-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) m «'eßen.