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irbnut Dir ein Freund feine Geheimnisse, so verschließe sie in äWL Dein Herz und gieb dem Freunde den Schlüssel dazu.

Soll sich's Gefühl erkannter Pflicht In Deiner Seele nicht verwirren, So laß von Deinem Feind Dich nicht, Doch auch von Freunden nicht beirren. G. W.

Das Kind der Tänzerin.

Roman aus den, amerikanischen Leben von Joseph Treumann.

(Fortsetzung.)

28. Capitel.

Aus Pollys Aufzeichnungen.

Wir blickten einander ratbloS an. Sie luar vor allen Anderen ans der Kirche geeilt, hatte zu Hause ihren Brant- anzug abgelegt und war dann geflohen. Wohin?

Ich rang meine Hände.Sie ist geflohen, ohne ein Wort zu hinterlassen!" rief ich. Was wird in dieser harten Welt aus ihr werden, aus ihr, die nie gelernt hat, mit ihrer Hände Arbeit ihr tägliches Brod zu verdienen!"

Hat Niemand sie das Haus verlassen sehen?" fragte Sir Gervase.

Nein," antwortete die Haushälterin,wir gaben nicht Acht darauf, da wir nichts von den Vorgängen in der Kirche gehört hatten und daher nicht wissen konnten, daß sic Gründe hatte, sich auf diese Weise zu entfernen."

Sie ist vielleicht noch im Hause," meinte Sir Gervase, ,,es ist kaum denkbar, daß sie entflohen sein sollte, ohne irgend einem Menschen ein Wort davon zu sagen."

Wir durchsuchten das Haus vom Doch bis zum Keller, sanden Ethel aber nicht. Allenthalben herrschte die größte Verwirrung. In der luxuriösen Bibliothek lag Godfrey Greylock kalt und tobt. Einige wenige Hochzeitsgäste hatten die Leiche nach dem Hause begleitet/ sie entfernten sich in­dessen in kurzer Zeit. Miß Pamela hatte sich in ihren Gemächern eingeschlossen und ließ dort ihrem Jammer freien Lauf. Die Dienerschaft erinnerte in ihrer rathlosen Be- stnrznng an eine H»er-e erschrockener Schafe.

Sir Gervase allein war ruhig und gefaßt.

Bleiben Sie vorläufig bei der alten Hopkins," sagte

er zu mir;sie wird Ihres Beistandes bedürfen. Ich selbst begebe mich nach der Stadt, um mich nach Miß Greylock umzusehen. Vielleicht bringe ich sie mit mir zurück."

Er nannte Nan bei ihrem alten Namen; ich hielt dies für ein gutes Zeichen.

Sie muß aufgesuuden werden/, fügte er hinzu,und zwar auf der Stelle!"

Golt segne ihn für diese Worte!" flüsterte mir die Haushälterin in's Ohr.

Er machte sich allein auf der Weg. Mit Hülfe der Dienstboten räumten wir das Hoäizeitsfrühstück, das von Niemandem berührt worden war, aus dem Weg und ver­schlossen und verdunkelten das ganze Haus. Als der Leichen- besorger sich mit seinen Gehülfen einstellte, zog ich mich nach dem Zimmer der Haushälterin zurück, um dort die Rückkehr des Baronets abzuwarten.

Eine Stunde verging. Das Schweigen und die Finsterniß, welche im ganzen Hause herrschten, lasteten wie Blei auf meinem Herzen. Wohin mochte Ethel Greylock, wie man sie noch immer nannte, gegangen sein? Ob es dem Baronet gelingen würde, sie zu finden? Wenn nicht, so muß ich mich selbst der Nachforschung unterziehen. Es schien, als ob es stets meine Aufgabe fein sollte, die arme Nan zu suchen.

Wie sehr auch Sir Gervase die Unglückliche bemitleiden mochte, die ein und derselbe Augenblick ihres Namens, ihrer Verwandschaft und ihres Vermögens beraubt hatte, so war doch nicht daran zu denken, daß das alte Verhältniß zwischen den Beiden je wieder hergestellt werden könnte. Von einerHeirath würde fickerlich keine Rede mehr sein. Er war ein Engländer und ein Greylock, mit sämmt- lichem seinen Rang und Stande eigenthümlichen Voruitheilen. Nein! Nan hatte ihren hochgeborenen Bräutigam sicherlich für immer verloren.

Und dennoch, sofern ihr künfiiges Lebensglück in Be­tracht kommt," seufzte ich vor mich hin,war es besser, daß Hannah Johnson fünf Minuten vor der Ceremonie sprach, als wenn sie es fünf Minuten nachher gethan hätte."

Eine Thür ging hinter mir auf; als ich mich umblickte, sah ich Hannah Johnson selbst, die wie ein Dämon in das Zimmer hereingrinste.

Sie hatte erwartet, di- Haushälterin zu finden; als sie mich, eine Fremde, in dem Gemach derselben erblickte, trat sie einen Schritt zurück, und ihr Gesichtsausdruck ver­änderte sich.

Wer sind Sie?" fragte sie,

Ich stand auf.