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Thust Du zu viel studiren, So wirst Du Justitiar, Und mit dem Avanciren Jst's damit völlig gar. Es kann's zu was nur bringen In Deutschland der Jurist, Wenn in jurist'schen Dingen Er auch nicht Fachmann ist.
Im „Zollfach" zum Director Wird der Jurist creirt, Der Zöllner bleibt Jnspector, Weil er das Fach studirt. Der Fachmann, der darf rathen, Beschließen der Jurist, Weil frei er von dem Schaden Von Fachmanns Wissen ist.
Der schönste Stand auf Erden Ist des Juristen Stand, Nur er darf etwas werden Im deutschen Vaterland. Zum Chef wird stets erkoren In Deutschland ein Jurist; Er ist dazu erkoren. Weil er kein Fachmann ist.
Es ist darob nur Logik, Daß er die Schul' regiert, Weil ihn die Pädagogik Nicht sonderlich geniert. Es kann die Schul' nur leiten In Deutschland ein Jurist, Weil er des Blicks, des weiten, Allein theilhaftig ist.
Die Kunst der „Ingenieure" Hat niemals er capirt, Er ist es d'rum, man höre, Der Bahnen projectirt; Denn Bahnen zu traciren Versteht nur der Jurist, Weil er im Nivelliren Durchaus nicht Fachmann ist.
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Nur ec erkennt die Wahrheit, Er ist darin geübt, Weil seines Geistes Klarheit Fachwissen nicht getrübt. Es ist allein gescheidte In Deutschland der Jurist, Weil ihm des Blickes Weite Ja angeboren ist.
Im „Landwirthschaftsvereine" Ist stets er Präsident, Weil er die Mutterschweine Nicht von den Ebern kennt. Es köret auch die Stiere In Deutschland der Jurist, . Weil in Bezug auf Thiere Er ja nicht Fachmann ist.
Ob Hoch-, ob Niederwaldung, Von ihm wird's decretirt, Weil auch die „Forstverwaltung" Er niemals hat studirt. Im Wald die Umtriebszeiten Bestimmet der Jurist, Weil darin auch bescheiden Sein sachlich Wissen ist.
So ist's in jeden, Zweige — Bis auf das Militär, Wenn das nichts taugt im Reiche, So kommt das davon her, Daß an der Spitz' nicht stehet In Deutschland ein Jurist, Der nicht zu viel verstehet Und der nicht Fachmann ist.
Willst Du d'rum avanciren Im deutschen Vaterland, Mußt Jura Du studiren, Das ist der schönste Stand. Der Fachmann hat zu denken, Zu leiten der Jurist; Den Staat kann er nur lenken, Weil er nicht Fachmann ist.
Doch will ich Dir noch rathen- Darsst nicht zu fleißig sein. Sonst impsst Du Dir den Schaden Zu vielen Wissens ein. Es gilt nur für gescheidte In Deutschland der Junst, Wenn er des Blickes Weite In „vollem Maß" genießt.
In der „Gesundheitspflege" Er an der Spitze steht, Dieweil er allewege Davon nicht viel versteht. Sie leiten kann alleine In Deutschland ein Jurist, Weil er in der Hygieine Richt sachverständig ist.
Im „Steuerfach" ist's Satzung, Daß der Jurist befiehlt, Weil Steuern er und Schatzung Als Zahler nur gefühlt. Es leitet das Kataster In Deutschland der Jurist, Weil er des Wissens Laster Mit Vorsicht nur genießt.
Ein sathrisches Gedicht borstigster An enthält düs „Fachblatt des Vereins deutscher Ingenieure". Wir wollen !>as Poem, das den Weg durch die Presse nimmt, unfern Lesern seines urwüchsigen Humors wegen nicht vorenthalten. Jeder Vernünftige wird ja den wahren Kern aus den offen- !'undigen Uebertreibungen des satyrischen Dichters heraur- chälen und sich wohl selbst sagen, daß hier gewisse Zustande n vergrößertem Maßstabe gezeigt werden, um sie deutlicher erkennbar zu machen.
Das Gedicht lautet:
Hedicht,
«»geschrieben »uS dem Büdinger Stadt-Anzeiger v»m 2. August 1896 (Nr. 61).
Mit Recht gelten allgemein warme Füße als Haupterfordermß der Gesundheit, während kalte Füße das erste Alarmsignal vieler Erkrankungen bilden. Darnach hat sich besonders bte hier in Betracht kommende Altersklasse zu richten. Warme wollene Strümpfe, Filz- oder Pelzschuhe und sogar eme Wärmflasche, sowohl am Tage wie in der Nacht, sind hier durchaus angebracht. Gehen Greise bei kaltem Wetter aus, so sollen sie die Ueberkleider schon in der warmen Stube anziehen, damit sie sich noch genügend mit Wärme vollsaugen.
„Essen und Trinken erhält Leib und Seele. Diese alte Volksweisheit haben namentlich die Senioren der Menschheit zu beachten. Sie müssen zu bestimmten Tageszeiten die Mahlzeiten innehalten, auch wenn sie kemen Appetit, geschweige denn Hunger haben. Und zwar sindihnen fünf Mahlzeiten anzurathen: erstes und zweites Frühstück, Mittagessen, Vesper- und Abendbrod. Da sie jedesmal nur wenig zu genießen pflegen, müssen sie eben dem Magen öfters etwas anbieien. Aber welche Nahrungsmittel sind ihnen am zu- träg ichsten? Zunächst müssen gänzlich ausgeschlossen werden alle zähen und harten Sveffen. Da das Gebiß der Greise doch in der Regel mehr ooer weniger Lücken ausweist, so können solche Speisen nur ganz unvollkommen zerkleinert werden und es entstehen dann gefährliche Magenbeschwerden. Die Menge der Nahrung sei nie groß, weil der Magen nicht mehr so viel bewältigen kann, aber der Gehalt sei möglichst concentrirt und nahrhaft. Daher werden Fleischspeisen, namentlich im Winter, wo der Leibesofen mehr geheizt werden muß, eine Hauptrolle spielen. Besonders passend für altere Leute ist Kalbfleisch als Eingemachtes oder Hachs, als Fri- candeau oder gefüllte Kalbsbrust. Zu vermeiden sind solche Fleischspeisen, welche mit viel Sahne, Rahm oder picanter Sauce, mit Oel, Trüffeln und anderen schwer verdaulichen Zuthaten versehen sind. Fische bilden sür die Semorentafel eine milde, angenehme Speise; nur dürfen sie nicht marimrt, geräuchert oder mit Aspik, Sulz, Mayonnaisen zubereitet sein. Sehr schädlich ist harter, magerer und alter, scharf riechender Käse, der geradezu als Gift wirken kann. Hulsen- früchte passen nur bedingungsweise, wenn ste nämlich frisch (grün) sind oder wenn sie, als trockene Früchte von Schalen und Hülsen befreit, breiig (als Purree) oder schwach gesäuert genossen werden. Von den Brodsorten eignet sich am besten Weizcnbrod, weniger dagegen Roggenbrod. Sehr zu empfehlen ist Zwieback, in Cacao, Thee oder Kaffee eingeiaucht. „ Vor diesen drei Getränken, namentlich vor Kaffee, werden ältere Leute oft gewarm, weil sie dadurch zu sehr aufgeregt würden. Dies ist aber keineswegs so schlimm, wenn man genügend Milch dazu gießt und den Genuß derselben nicht übertreibt. Als der Dichter-Philosoph Fontenelle gefragt wurde, ob Kaffee nicht ein Gift sei, antwortete er: „Jawohl, Kaffee ist em Gift, aber ein sehr langsames. Ich nehme es schon seit achtzig Jahren." Ein oder zwei Taffen dieser Getränke werden im Winter dem leicht frierenden Alten stets eme wohl- thuende Wärme und Anregung verleihen. Bier möchte ich nur denjenigen Greisen erlauben, welche schon seit Jahrzehnten gewohnt sind, zu bestimmter Stunde entweder am Stammtisch oder zu Hause ihr Schöpplein zu trinken. Das beste und passendste Getränk sür ältere Personen ist und bleibt eben der Wein. „Der Wein ist die Milch der Alten," sagt mit Recht das Sprüchwort, womit es ausdrücken will, daß der Wein sür das vorgeschrittene Lebensalter ebenso unentbehrlich ist, wie die Milch sür den Säugling. Jedoch darf der Wein nicht zu stark und auch nicht „gepanscht" sein, sondern muß reiner Naturwein sein.
Der Moselwein macht Greise jung Und fesselt die Begeisterung.
Wie in Allem, so müssen die werthen Alten natürlich auch im Weingenuß mäßig sein. „So man viel davon trinkt, bringt er Herzeleid," sagt Sirach.
(Schluß folgt.)
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei (Pietsch & Scheydch


