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(Fortsetzung solgt.)
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wieder von seiner früheren Neugierde ergriffen.
„Es ist ja ein Durchgang zum Corridor, wie drüben " — sie wies mit einer kurzen Bewegung ihres " ' ” ■ „und von
Abwehr jeglicher Vertraulichkeit.
„Wie kommen Sie von dort her?" fragte der Assessor,
Mühe mache."
Winterliche Gesundheitspflege für ältere Leute.
Von Dr. Hans Fröhlich.
------ (Nachdruck verboten.)
fernt waren, zur Hälfte verborgen.
„Sie sind es, Fräulein Tietjens?" fragte der Assessor, der sich rasch gefaßt hatte. „Wir haben Sie vermißt."
„Wirklich?" Es war kein Hohn in der Art, wie sie eine Wort sprach, nur eine vollendete Gleichgültigkeit,
an dieser Stelle erblickt. Das Schlafzimmer Frau Inas war es nicht, das lag nach hinten hinaus, wenn auch noch im Vorderflügel des Hauses. Eine ungekannte Neugierde ergriff ihn, das Herrschergesühl des zukünftigen Hausherrn vielleicht, der seinen Besitz möchte kennen lernen. Er that ein paar Schritte auf die Portiöre zu und überlegte, ob es indiskret von ihm sei, wenn er einen Blick in den Nebenraum werfe, als etwas Ueberraschendes geschah, das ihn fast erschreckte.
Von anderer Hand, von dem anderen, unbekannten Raum aus wurde die Portsre plötzlich geöffnet, ein mattes, gelbliches Licht schimmerte durch den Spalt, und . aus diesem Dämmerschein hervor trat eine Frauengestalt ins Zimmer, die den schweren Stoff unmittelbar hinter sich wieder zusammenfallen ließ.
Es war nicht die Erwartete, Ersehnte, nicht Ina Henninger. Eine größere Figur von starkem Knochenbau, ein älteres Gesicht. Um die Schläfen legte sich graues, gewelltes, noch dichtes Haar, die schwarzen Augen, die einen seltsamen Gegensatz dazu bildeten, lagen tief in ihren Höhlen. Die Gesichtsfarbe war gelblich, nur auf den stark hervortretenden Backenknochen, auf Nase und Kinn zeigte sich ein röthlicher Schimmer. Sie trug ein graues, altmodisches Gewand, ein kurzes, schwarzes Mäntelchen hing um die Schultern, die Hände waren in seidenen Handschuhen, von denen die Finger ent-
auch," — jiv iunx> ui» nnv* m-ov.. ■~-—- Kopfes auf das erleuchtete Nebengemach, — meinem Zimmer her ist dieser Weg sogar der nähere.
O lieb', so lang Du lieben kannst! O lieb', so lang Du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Wo Du an Gräbern stehst und klagst!
Und hüte Deine Zunge wohl, Bald ist ein böses Wort gesagt! O Gott, es war nicht bös gemeint, Der andre aber geht und klagt.
Dann kniest Du nieder an der Gruft, Und birgst die Augen trüb und naß, __ Sie seh'n den Andxrn nimmermehr — Jn's lange feuchte Kirchhofsgras.
Darum sorget in Liebe für eure theuren Alten, heget und pfleget sie, behütet ihre Gesundheit vor allen Fährlichkeiten, namentlich vor denen der winterlichen ^ahreszeir!
Da bei alten Leuten die Wärmeerzeugung des Körpers nicht mehr so regelrecht von statten geht, so ist für eine recht warme Bekleidung Sorge zu tragen. Am besten erfüllen diesen Zweck wollene Stoffe. Besonders zur Unterkleidung sollten sie ausschließlich gewählt werden. Bei sehr strenger Kälte sind auch mit Watte gefütterte Kleider zu empfehlen - jedoch sei darauf aufmerksam gemacht, daß die Watte tn lange getragenen Kleidern sich zusammendrückt und dann aus Mangel an Porosität ihren Zweck des Warmhaltens fast ganz verliert. Solche Kleidungsstücke müssen also wieder aufgelockert oder frisch gefüttert werden. Für die Nacht ist sehr zweckmäßig ein recht langes Hemd, welches auch die unteren Gliedmaßen einhüllt, und wenn es nöthig ist, eine bequeme Nachtjacke, welche aber nirgends drücken darf. Ueber- haupt soll die Kleidung nicht eng oder einschnürend sem- denn da die Muskeln und Gefäße der Alten nicht mehr so elastisch sind, können schwere Kreislaufstörungen entstehen.
Sie gab keine Antwort, sondern ging leidenschaftslosen Art auf die Portiere zu, dahinter verborgenen Schnur und öffnete Zuge die geschloffenen Vorhänge. Mit Schreckens wich der Assessor ein paar Schritte zurück.
Ein ergreifendes, unheimliches Bild hatte sich ihm enthüllt. Es war ein ganz kleines Gemach, in das er hineinsah, einer von jenen Räumen, die sich nur noch in diesen alten Häusern mittelalterlicher Städte finden, und deren Zweck dem Menschen von heute kaum erklärbar ist. Zu klein scheinbar für irgend welche Benutzung, liegen diese Gemächer neben und zwischen den größeren Zimmern, oft ohne Fenster, in ewige Dunkelheit gehüllt, Hier freilich war Licht, das von einer kunstvoll geschmiedeten, laternenähnlichen Ampel aus- strehlte, die von der Decke herabhing und mit dunkelgelben Glasscheiben umkleidet war. Der gelbe Schein fiel auf eine dichte Masse von Pflanzengrün, auf ernste, blüthenlose Gewächse, auf Palmen, Lorbeer und Lebensbäume, dre den Raum zum größten Theil füllten. In ihrer Mitte aber erhob sich eine kräftige, einfach geformte, schwarze Marmorsäule, die eine überlebensgroße Männerbüste aus weißem Marmor trug.
„Aber ich habe noch niemals diese Portiöre geöffnet gesehen. Ich habe keine Ahnung, was für ein Raum sich hier befindet und was er enthält." ,
„Wollen Sie ihn kennen lernen?" Sie stellte die Frage in derselben monotonen, etwas müden Art, wie sie alles Vorhergegangene gesprochen hatte- kein eigenes Interesse schien ihre Brust zu bewegen, im Dienst für Andere schien sie verlernt zu haben, selbst zu fühlen.
„Gern, wenn ich darf, und wenn
Der „Sprachgewaltige" Jacob Grimm hielt im Jahve 1859 nach dem Tode seines zweiten Jchs, des Bruders Wll- helm, in der König!. Akademie der Wissenschaften zu Berlin eine Rede zum Lobe des Alters, in welcher der Funfundstebzrg- jährige sagte: „Es liegt ein Widerspruch darin, daß, wahrend alle Menschen alt zu werden wünschen, sie doch nicht alt sein wollen." Weiter veranschaulichte er die beim Lebensmüden im letzten Augenblicke wieder aufflackernde Lebenslust durch die äsopische Fabel von jenem Greise, der tn den Wald ging, Holz zu fällen, aber bann, von seiner schweren Bürde überwältigt, diese zu Boden warf und den Tod herbeirief. Als der Tod schnell nahte, hatte der Greis mchs zu bitten , als daß er ihm die Last wieder auf die Schulter helfe. „Keinen Alten," so fügt Grimm hinzu, „gibt es, der nicht noch ein Jahr zu leben gedächte." Es bietet eben auch das Alter noch genug Annehmlichkeiten, wie der Spätherbst und Winter, welche Jahreszeiten zwar nicht die Freuden des heiteren Frühlings und des prächtigen Sommers besitzen, aber doch ihre eigenen, gereiften, köstlichen Reize haben. Freilich gehört dazu vor allem, daß man mit doppelt verfchärfter Achtsamkeit von dem Körper und Geist alle gesundheitschädl'chen Einflüsse fernhalte. Dies ist eine wichtige Aufgabe der Greise selbst und der liebenden Angehörigen. Die Sorgfalt und Fürsorge, welche mau i en Alten widmet, kann stets als ein Maaßltab für die Herzens- . güte, Humanität und Cultur der Menschen angesehen werden.
Jene Völker, welche dieser Tugenden ganz entbehrten, ent- ' * ledigten sich der altersschwachen Personen sogar durch gewaltsamen Tod. So ließen die Fitschi-Jnsulaner m emem gewissen Alter sich lebendig begraben. Wer aber irgendwie auf Humanität Anspruch erheben will, der wird stets die schönen Worte Freiligraths vor Augen haben!


