LIS

seine Küsse, falsch sein Herz. Eine trügerische Fata Mor- gana am Wüstensaum.

Hatte sie eine unfreiwillige Bewegung gemacht? Er­schreckt fuhr das Brautpaar auseinander.

In der Hecke hat etwas geraschelt, man konnte es deutlich hören," meinte Alma ängstlich.Gewiß ein Eich­hörnchen oder gar eine Fledermaus. Wie ich mich-fürchte."

Es ist nichts," beruhigte er sie.Vielleicht ein Vogel, der verspätet zum Neste zurückkehrt."

Nein, nein, schon wieder rührte es sich, ich sehe etwas ganz Schwarzes in der Nähe," schrie Alma und sprang aus der Laube.

Einen Augenblick blieb Walter allein. Was war es, das ihn wie mit magnetischen Ketten an diese Stelle band? Ahnte er, daß er nur die Hand auszustrecken brauchte, um einen dunklen Kopf zu berühren, eine schmale, eiskalte Hand zu fassen? Er zögerte. Doch da rief Alma, daß sie sich im dunklen Garten ängstige, so viele Strolche trieben sich in der Gegend umher, er möge doch kommen, und wenn auch widerstrebend, er ging.

Taumelnd erhob sich Therese von ihren Knieen. Lebte sie wirklich noch? Warum war nicht ihr Herz unter diesem Schlag gebrochen? Nicht einmal wohlthuende Betäubung hatte die Natur mitleidig für sie gehabt. Ganz klar konnte sie denken, mit haarscharfer Deutlichkeit sich an Alles erinnern. Sie fühlte, wußte ganz genau, daß er ihre große, allgewaltige Liebe hingegeben um dieses Kindes willen, das sich vor Fledermäusen fürchtete in seiner Nähe.

Was war das für ein Lärm? Kam er nicht vom Schloß her? Richtig, da donnerte das Viergespann über die Brücke, hielt vor der Rampe und die Dienerschaft brachte ihrem ein­ziehenden neuen Herrn ein Hoch dar, der Alte oben hörte nichts mehr von alledem.Hurra! Hurra! Nochmals Hoch!"

Im Staub der einsamen Landstraße stehend, konnte sie die Stimmen deutlich unterscheiden. Nun rief auch Busse mit, der treue Busse, der sie in der letzten Zeit stets so eigen angesehen, als ob er ihr etwas zu sagen hätte.

Und morgen, wenn sich die Pforten des Erbbegräbnisses geschlossen, wenn sie dort oben ihre letzte Pflicht erfüllt, dann sollte sie ein neues Leben beginnen. Ein neues Leben, in welches sie sich selbst und solche Erinnerungen mit hinein nahm. Schrill knarrte die Gartenthür und die Bürgermeister­familie schlug den Heimweg an. Alma hing an des Bräu­tigams Arm, und ihr weißes Kleid streifte fast die dunkle Gestalt, die sich scheu hinter einem schützenden Baumstumpf verbarg.

Im Doctorhaus standen die Fenster offen, tanzende Mückcnschwärme umkreisten die brennende Lampe, kein Tabaks­rauch vertrieb sie heute.

Geschäftig eilte Fräulein Minchen hin und her, sorgsam legte sie ihr gutes, schwarzseidenes Kleid heraus und bürstete des Bruders Cylinder, Alles zum morgigen Begräbniß, das frühzeitig schon beginnen sollte.

Sie hatte rothgeweinte Augen und seufzte jedesmal laut, wenn ihr besorgter Blick den alten Doctor streifte, der wie an Leib und Seele gebrochen in seinem Sorgenstuhl saß.

Ein Stück Herz begrabe ich mit ihm," hatte er gesagt und damit alle Trostgründe der Schwester abgewehrt.

Fräulein Minchen war an das Fenster getreten, um die grünen Luftflügel für die Nacht einzuhängen. Ziemlich kühl erwiderte sie des vorübergehenden Brautpaares Gruß.

Da gehen sie hin," grollte sie,und denken nicht daran, daß die arme Therese auch ein Herz hat, das sich durch Worte und Blicke bethören ließ.Ich kann ihr nicht vor Augen treten, das Schicksal war stärker als ich." Solch' ein Schauspieler, ob er meint, daß man diesen wohlfeilen Entschuldigungen glaubte. Wie fest sich Alma an seinen Arm hängt, keinen Schritt geht sie wohl allein mehr über die Straße. Auf solch' einen unsicheren Bräutigam wäre man in meiner Jugend nicht stolz gewesen!"

Das alte Fräulein schlug klirrend den letzten Fenfter- lügel zu. Sie mochte den Doctor, der nach einem flüchtigen Abschied auf der Rathhaustreppe gesenkten Hauptes nun dem Hause zuschritt, nicht noch einmal sehen.

(Schluß folgt.)

GeHneinnütziges.

Aus Vierzig: Gins! Vierzig Pfund reines Fleisch, beste Stücke der Pampas-Rinder, sind erforderlich, um ein einziges Pfund des echten Liebigs Fleisch-Extract zu bereiten. Dieser Thatsache solle namentlich die junge Hausfrau stets eingedenk sein, die beim Würzen der Speisen mit dem Extract manchmal geneigt ist, des Guten zu viel zu thun. Schon eine ganz geringe Zuthat verbessert wesentlich den Geschmack der Suppen und Saucen, des Gemüses, der Ragouts, der Salate. Dungelgelb, nicht braun sei die Bouillon aus dem Extract. Ebenso: Wer aus dem Fleisch-Pepton der Compagnie Liebig, dieser für Kranke und Magenleidende so sehr geeig­neten leicht verdaulichen Nahrung, Speisen herstellt, der sollte stets die in den Gebrauchsanweisungen und Kochbüchelchen der Gesellschaft vorgeschriebenen Mengen genau beachten.

* * #

Graham- oder Weizenschrotbrod. 1 Kg. Weizen­schrotmehl, 250 Gramm gewöhnliches Weizenmehl und 40 bis 50 Gramm Preßhefe, zwei Eßlöffel Salz. Die Hefe wird in lauem Wasser aufgelöst und zum Aufgehen warm gestellt. Während dem wird das Weizenmehl mit heißem Wasser an­gerührt und gut vermengt. Nun gibt man das andere Mehl nebst Hefe hierzu und macht einen steifen, ja nicht flüssigen Teig. Man formt denselben in 1 bis 2 längliche oder- runde Brode, läßt diese an einem warmen Orte 1 bis 2 Stunden aufgehen und bäckt sie auf einem mit Mehl ab­gestäubten Bleche bei mäßiger Hitze so lange, bis an einer hineingestochenen Stecknadel kein Teig mehr kleben bleibt und das Brod hochgelb aussieht. Um eine schöne Kruste zu erzielen, bestreicht man es mit Wasser und schiebt es noch einmal in den Ofen zurück.

* * *

Mehlspeise aus altbackener Semmel. Man schneidet die altbackene Semmel in Würfel, röstet diese in Butter gold­braun und dünstet auf 4 Semmeln 12 geschälte und ebenfalls würfelig geschnittene Aepfel in Butter und Zucker halbweich. 6 Eidotter werden nun mit 100 Gramm Zucker,/s Liter Milch und etwas Citronenschale verquirlt, Aepfel und Weiß- brodwürfel, wie auch noch 100 Gramm gereinigte Corinth en hinzugethan, der feste Eiweißschnee durch die Masse gezogen und die Mehlspeise in vorgerichteter Form eine gute Stunde gebacken, um mit einer guten Frucht- oder Weinsauce servirt zu werden.

0 *

Bratwürste mit Pusfbohueu. 1 Pfd. große, weiße, trockene Bohnen werden in schwach gesalzenem Wasser weich gekocht,- ein leichtes gelbes Einbrennen von Fett und Mehl mit den ganzen oder zu Brei durchgetriebenen Bohnen ver­mischt, gesalzen, gepfeffert und angerichtet. Dieses Gericht muß ziemlich dick sein. Statt gebraten kann man die Würste auch bloS abgesotten dazu geben.

*

Nierensuppe. Man nimmt für 50 Pfg. 'Rindsnieren, kocht sie mit reichlich Waffer, Salz, etwas Wurzelzeug, einem Lorbeerblatt, einigen Gewürzkörnern weich, macht eine nicht zu braune Einbrenne von Butter, Fett und drei guten Löffeln Mehl, füllt sie mit der fertigen Brühe auf und schneidet die weichgekochten Nieren in Scheiben in die Suppe.

* * *

Irish Stew. Man nimmt 11/a Pfund Hammelfleisch, schneidet es in Stücke, pfeffert und salzt es, dann schält man