LormerSta- de» IS. Rai.

1897.

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Fata Morgana.

Novelle von Sp. Rens.

wußte ihm Dank für diese Zurückhaltung, obgleich ihr Herz aus banger Sehnsucht nach ihm schmerzlich klopfte.

Heute sollte der neue Herr einziehen- festtäglich geputzt harrte unten die Dienerschaft seiner Ankunft. Der stille Todte dort oben brauchte ja Niemand mehr.

Noch einmal schritt Therese abschiednehmend durch alle Gemächer des lieben, alten Hauses, das ihr so lange eine Heimath gewesen, in dem sich die sorgenden Mutteraugen auch für immer geschloffen. An manchem Fenster blieb sie stehen und schaute hinaus aus den im Abendwinv rauschenden Park, manchem Bild an den Wänden winkte sie wie einem alten Bekannten mit den Augen den letzten Gruß zu.

Nun war sie in ihr Wohnzimmer getreten. Sorgsam verschloß sie dort die Schränke, fügte die Schlüssel zum großen Bund, mit welchem zugleich sie auch ihre Herrschaft in die Hände des neuen Herrn zurücklegte.

Sinnend, als zöge die Vergangenheit noch einmal ganz an ihrer Seele vorüber, blickte sie umher. Jenes Nahüschchen dort hatte immer die fleißige Mutter benutzt, und m dieser Sophaecke würde Onkel Doctor nie mehr mit seiner Pfetse sitzen.

Unwillig hob sie den Kopf. Wer kann sie in dieser Stunde stiller Weihe stören! , ,

Die alte Wartefrau war's, die ihrer Mission tm Schloß enthoben, bevor sie in die Stadt zu den verhe.ratheten Kindern zog, kam sich zu verabschieden.

Therese, in ihrer sanften Rührung war heute sUgang- licher als sonst, und so fragte sie freundlich, wie die Alle nun zu leben gedenke. . . , .

Ach, gnädige Frau waren ja immer ,o gut und sen- gebig, haben meine schwachen Dienste wett über Gebichr befahlt," sagte diese unter unzählbaren Handküssen.N" den Jahren, welche Gott sei es geklagt, ich den armen Herrn Baron pflegen mußte, konnte ich mtr em kleines Sümmchen ersparen. Biel ist es ja nicht, aber der Schwieger­sohn hat auch sein Auskommen, mit) eine alte Frau, die mit einem Fuß schon im Grabe steht, braucht auch tncht mehr, als ein bischen Essen." e , .

Die Thränen übermannten sie, sie trocknete sic ab, und dadurch verdeckte sie das schadensrohe Lächeln, das um ihren eingefallenen Mund zuckte.

Es ist mit dem guten, gnädigen Herrn doch recht schnell gegangen," begann sie nach einer Weile von Neuem. Wer hätte vor einer Woche noch gedacht, daß wir so bald eine Leiche würden im Hause haben. Und wie es doch in der Welt bunt zugeht. Hochzeit und Begräbuiß fallen oft zu­sammen. Der Eine weint, der Andere lacht. Von einem

in schönes Alter ist des Lebens Krone;

Nur dem, der sie verdient, wird sie zum Lohne!

Wer lange trug des Daseins schwere Bürde

Und alt sein Haupt noch ausrecht hält mit Würde, Siebt dadurch Zeugniß, daß er seinem Leben Bon Jugend aus den rechten Halt gegeben. Bodenstedt.

(Fortsetzung.)

VI.

Noch ehe die Sterbeglocken es laut verkündet, wußte man überall im Städtchen, daß der Baron ausgelitten.

In des Jugendsreundes treuen Armen war er ver­schieden, während Therese auf den Knieen liegend, die er­kaltenden Hände in Thränen badete.

Nun lag er zwischen Todtenkränzen von Rosen und weißen Lilien, aufgebahrt in der stillen, buchenumrauschten Ahnenhalle, der letzte seines alten Stammes, der einem entfernten, unbekannten Seitensproß endlich Platz gemach.

Therese, wie eine dankbare Tochter dem treuesten der Väter nachtrauernd, stand doch mit einer gewissen, heiteren Ruhe an seinem Sarge. . f

Warum sollte man dem Dulder nicht die schmerzlose Sülle gönnen, die ihn jetzt umgab. Hoch erhaben über alle Erdenqual lächelte er so friedlich, und sein letzter Hauch war ein Segenswunsch für sie gewesen.

Warum Onkel Docior und Tante Machen sie nur so mitleidig betrachteten, so seltsame Blicke miteinander wechselten, mitten im Flüstergespräch stockten, sobald sie sich uaqete. Die Guten, sie trugen wohl Sorge um sie des Schicksals wegen, fürchteten, daß ihr das Scheiden von der Heimaths- stätte schwer falle. Ach, Keiner von Ihnen Allen ahnte ja das heimliche Glück, das ihr eine Waffe geworden war gegen jeden drohenden Schmerz.

Sie hatte Walter so lange, drei Tage nicht gesehen, seine geliebte Gestalt, seine helfende Hand sogar am Sterbe­bett des Onkels vermißt. Verbot sein Zartgefühl ihm sich der Geliebten, die doch vor der Welt als eine trauernde Wittwe an der Bahre des Gatten stand, zu nahen? Sie