G-ineinnntzig-s

Rcdaction: 8. Schehda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in (Stege«.

Die jungen Saaten im Garten haben mitunter sehr durch Erdflöhe zu leiden. Hauptsächlich sind es die Kohlarten, Rettich, Radieschen u. s. w., die von denselben befallen werden. Man sieht plötzlich, daß einige Pflanzen Löcher bekommen haben, als wären sie mit starken Nadeln durchstochen. Das Nebel greift von Tag zu Tag mehr um sich. Es sind verschiedene Mittel zur Abwehr des lästigen Jnsects empfohlen, wie Bestreuen der Pflanzen mit Tabak­staub, Holzasche, Ruß, Jnsectenpnlver u. s. w. Am besten neben diesen Mitteln hat sich aber stets bewährt, wenn die jungen Pflänzchen in ihrer Entwickelung durch guten Boden, Düngen, und in trockenen Zeiten durch reichliches Bewässern möglichst gefördert worden. Wachsen die Pflanzen schnell heran, so können sie den Angriffen des Ungeziefers besser widerstehen.

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Die Düngung deS Rasens mit Chilisalpeter. Fast in allen Blumengärten trifft man Rasenflächen, die nach Stick­stoff hungern. Nur im Frühjahre ist der Rasen grün, im Sommer ist er gelb trotz reichlichen Wässerns, weil es ihm an Stickstoffnahrung fehlt. Will man während des ganzen Sommers einen üppigen, dicht bestandenen gesättigt grünen Gartenrasen sich erhalten, so ist die Verwendung von Chili­salpeter ganz unvermeidlich. Es empfiehlt sich, dem Rasen im Frühjahre eine Düngung von zehn Gramm Chilisalpeter pro Quadratmeter und diese Düngung alle drei Wochen (un­mittelbar nach dem Schnitte) zu wiederholen. Den Salpeter streut man gleichmäßig aus, jedoch hat man darauf zu achten, daß er nicht mit nassem (beregnetem oder bethautem) Rasen in Berührung kommt. Man streue den Salpeter nicht am Morgen, sondern zur Mittagsstunde, wenn der Thau abge­trocknet ist, aus. Bringt man ihn auf nassen Rasen, so muß man nach dem Ausstreuen mit Wasser gießen. Ein starkes durchdringendes Gießen des Rasens nach geschehener Düngung ist überhaupt sehr zu empfehlen.

Also möge man hinfüro, wenn schlechte Luft int Zimmer herrscht, nicht durch Räuchern und Parfümerien seine Nase auf Kosten der Lunge betrügen, sondern stets die wahre Lungenspeise, des Menschen Lebenselixir, die reine, frische Außen­luft durch weit geöffnete Fenster hereinlassen I Wohlbehagen, Gesundheit und Lebensfrijche wird der Lohn sein!

Lange lebet der Luftfreund!

Räuchern als schlimmstes Verbeffentngsmittel" der Zimmerlust.

Von Dr. Hans Fröhlich.

------- (Nachdruck verboten.)

Wenn das Menschenkindlein zur Welt gekommen, so ist seine erste und wichtigste Thätigkeit das Athmen, welches meist durch Schreien zu einer wahren Athemgymnaftik gesteigert wird; und während seiner ganzen Lebenszeitbis zum letzten Athem- zuge" bildet die Luft das eigentliche Lebenselement des Menschen. Ohne jegliche Nahrung haben Leute schon monatelang sich erhalten, aber ohne Luft nie länger als wenige Minuten. Aus all diesem geht hervor, wie unentbehrlich die Luft zum Leben ist. Aber die zum Athmen benutzte Luft ist an Güte sehr verschieden. Am besten ist immer die Luft draußen in der freien Natur, weniger die Binnenluft unserer Wohnzimmer, namentlich in der kälteren Jahreszeit, wenn wenig Ventilation, wenig Lufterneuerung von außen stattfindet. Denn nicht nur die Menschen verderben dann die Luft durch ihre Athmungsgifte und Ausdünstungen, sondern auch das Heizen und die Be­leuchtung. Dabeifist die Luft um so gesundheitschädlicher, je größer das Mißverhältniß zwischen dem Rauminhalt eines Zimmers und der Zahl der Insassen ist. Auf dem Dampfer Londonderrh" wurden im Jahre 1848 während eines Sturmes 200 Personen in den unteren Schiffsraum gebracht, wo auf die Person etwa 4 Quadratfuß Lust kamen. Als die Leute wieder herausgelassen werden sollten, fand man 72 Erstickte vor! Bei uns zu Lande kommen so auffällige Wirkungen zwar nicht vor, da die Luftverderbniß so hohe Grade nicht erreicht. Wohl aber ist die Luft in nicht ventilirten Zimmern doch so schlecht, daß sich eine gesundheitschädliche Wirkung in schleichender Weise durch chronische Leiden geltend macht. Daher auch die enorme Zunahme aller Lungenleiden. Viele Personen bemerken auch die schlechte Luft in einem Zimmer, wenn sie von draußen eintreten, vermittelst desjenigen Organs, welches uns in dieser Hinsicht gleichsam als Wächter der Gesundheit verliehen ist, nämlich der Nase. Entsetzt rufen sie dann beim Eintritt in das Zimmer aus:Ist das hier aber eine schlechte Luft!" Und was geschieht nun sehr oft? Statt sofort die Fenster weit aufzureißen und in Hülle und Fülle diejenige Luft hereinzulaffen, welche man soeben draußen als frisch und j rein empfand, sucht man nur sein beleidigtes Geruchsorgan zu beruhigen oder vielmehr zu täuschen, indem man z. B. Räucher­kerzchen oder Räucherlämpchen anzündet oder Parfüm verspritzt. Dadurch ist doch aber, wie Jeder einsehen muß, die Luft nicht reiner und besser geworden, sondern es ist nur der üble Geruch durch einen wohlriechenden stärkeren, auf das Geruchsorgan intensiver einwirkenden anderen unbemerkbar gemacht worden. Die vorherigen Bestandtheile der Luft aber, viel giftige Kohlen­säure und wenig gesunder Sauerstoff, sind dieselben geblieben. Und das nennt man danndie Luft verbessern"! Dr. Mendel­sohn sagt hierüber:Wissen möchte ich, wer das Räuchern erfunden hat. Vermnthlich College Eisenbart- denn es hat verteufelte Aehnlichkeit mit dessen schmerzlosen Zahnoperationen: im Augenblick, wo er den Zahn zog, verabfolgte er dem Patienten eine kräftige Ohrfeige, damit der Kranke nur den Schmerz von dieser, nicht von dem Ausreißen des Zahnes verspürte. Gerade so ist es mit den Räucherungen, auch hier wird der Teufel mit Beelzebub ausgetrieben. Sie verbessern I die schlechte Lust nicht, denn verbessern kann man schlechte Luft nur dadurch, daß man sie durch neue ersetzt, sondern hoben in der That nur den einen Nutzen, einen so abscheulichen I Gestank zu verbreiten, daß man gezwungen ist, die Fenster auszureißen." Ja, wenn das letztere nur immer geschehen I würde, dann hätte das Räuchern wirklich hygienischen Nutzen. I Auch die Gesundheitspredigerin Miß Nightingale stimmt dem bei, indem sie sagt:Die besten Räucherkerzchen sind die, welche einen solchen Gestank verbreiten, daß man nothgedrungen alle Fenster aussperren muß."

Literarisches

Von der illustrirten Ausgabe von W. Heimbnrgs gesammelt«« Romanen «Nd Novellen, von welcher die Verlagshandlung von Ernst Keils Nachfolger in Leipzig soeben eine die neuesten Romane der gefeierten Erzählerin enthaltende neue Folge in 35 Lieferungen zum Preise von nur 40 Pfennig veranstaltet, liegen uns die Lieferungen 6 bis 10 vor, welche den Schluß des RomansMamsell Unnütz" bringen, der wegen spannender Führung und glücklicher Lösung zu den besten Erzählungen der Verfasserin gehört, sowie die erste Hälfte des Romans Um fremde Schuld". Es ist ein Ichroman die Heldin, ein junges Mädchen, eine Offizierstochter aus vornehmer Familie, erzählt ihre Lebensschicksale: die heißgeliebte Mutter hat als Wittwe einem reichen Stadtrath ihre Hand gereicht, nur um der Tochter willen, um für sie zu sorgen und bei ihren häufigen Erkrankungen pflegen zu können. Ein Verwandter des Stadtraths, ein junger, nichtssagender Lebemann, wird der zudringliche Liebhaber der Heldin; aber wir sehen bereits in einem andern aus der Fremde heimgekehrten Verwandten den Retter, der das arme Mädchen aus traurigen Verhältnissen erlösen wird. Der Character der Erzählerin zeichnet sich mit festen Umrissen in ihren Berichten ab und eine beträchtliche Zahl anderer Characterköpfe, die gute Base, die originelle alte Gräfin, der Stadtrath selbst mit seiner heuchlerischen Jovialität zeugen von scharfer Auffassung und lebendiger Wiedergabe. Die zahlreichen Illustrationen, welche von den Malern W. Claudius und H. G. Jentzsch mit feinem, künstlerischem Empfinden entworfen worden sind, gereichen der Sammlung zur ganz besonderen Zierde.