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land zurückgewiesen hatte, legte sie ihr lächelnd um den schneeigen Hals.

Wie herrlich das Alles!" sagte Bella leise, und ihre Hände wühlten spielend in den seinen Stoffen, während Neva sich schon wieder still entfernt hatte.

Die Stunden vergingen rasch. Bella ging in die Wirthschaftsräume, sah den flink hantirenden Sclavinnen zu und plauderte dies und das mit der Aufseherin. Abends, allein in ihren luftigen Gemächern, hörte sie aus der Ferne das brausende, tosende Getöse des Volkes, welches die nächt­liche Feier des Durgafestes beging. Dann wurde es still, sie ging zur Ruhe und versank bald in wirre Träume, die mit einem schrecklichen endeten. Es war ihr, als ob ein Mann, mit ganz dunklem Gesicht, mit gezücktem Dolch auf sie eindringe. Mit einem Schrei erwachte sie. Der goldene Tag schlich bereits in ihr Schlafgemach, sie schüttelte das Grauen des Traumes von sich ab und beschäftigte sich mit heiteren Zukunftsgedanken. Später machte sie sorgfältig Toilette. Die Stunde der Entscheidung war ja nahe! Aber vergeblich wartete sie der Rajah kam nicht. Es verging der ganze Tag. Sie mochte mit der Aufseherin, die sehr ernst und einsilbig war, nicht über ihre Erwartungen sprechen, fühlte sich bedrückt und litt unter der Einsamkeit. Als aber der Abend herannahte und der Rajah sich noch immer nicht gezeigt hatte, vermochte sie ihre Angst nicht mehr zu bemeistern. Es war, als ob ein unholder Geist durch die weiten Räume schliche. Ihr schrecklicher Traum wurde ihr wieder gegenwärtig. Die Aufseherin kam, um zu fragen, ob sie etwas wünsche.

Es ist mir so einsam," sagte Bella.Bleiben Sie doch ein wenig in meiner Gesellschaft! Der Rajah wollte heute kommen . . ."

Neva schaute ihr mit sonderbarem, traurigem Ausdrucke ins Gesicht. Dann erwiderte sie mit einer wie von Leid und Furcht erstickten Stimme:

Der Rajah Gora konnte nicht kommen kann nicht mehr kommen . . ."

Bella blickte sie verständnißlos an.

Ist er krank?" fragte sie.

Er ist tobt," antwortete die Aufseherin,in letzter Nacht gestorben."

Bella wollte laut aufschreien, doch der Laut kam ihr nicht aus der Kehle, die Zunge klebte ihr am Gaumen. Sie taumelte auf einen Divan und starrte wie entsetzt auf Neva.

Nun heißt der Rajah Dholib," fügte Neva hinzu.

Bella erinnerte sich des finster aussehenden Prinzen, der sie beim Kommen so feindselig gemustert hatte.

'£) mein Gott!" stammelte sie.Wie ist nur dieser Tod so rasch gekommen?"

Die Aufseherin zuckte die Achseln.

Das weiß nur der Leibarzt," antwortete sie leise, sich scheu umsehend.Sie sagen, es sei Cholera gewesen. Darum wird der Tode schnell in Asche verwandelt. Morgen früh wird er im Palasthofe verbrannt. Preisen Sie den Himmel, daß Sie noch nicht seine Gemahlin geworden waren, man könnte Ihnen zumuthen, sich als seine Wittwe lebend in die Flammen zu stürzen, um, wie die heiligen indischen Bücher besagen, fünfunddreißig Millionen Jahre mit ihm im Paradiese zu sein. Sich freiwillig zu opfern, würde Ihnen hier Niemand wehren."

Pfui!" schrie Bella auf.Jeder vernünftige Mensch wird solche Barbarei verdammen! Ich weiß es aus dem Munde des Verewigten, daß er dagegen war."

Neva nickte zustimmend.

Eben darum hatte er so viele Feinde, selbst unter seiner nächsten Umgebung. Die Brahminen haßten ihn."

(Schluß folgt.)

Das Mxenkleeblatt.

Von Anna Seyffert.

(Schluß.)

Helma war eine kühne, geübte Schwimmerin, Alles an dem jchönen Mädchen kraftvoll, eigenartig! Wie sie jetzt mit spielender Anstrengung die silberumsäumten Wogen theilte, da löste sich allgemach der Sturm und Zwiespalt in ihrer Brust.

O, Du herrliches, großartiges Meer, welche Wonne bereitest Du mir! Dir allein vertraue ich es an: ich liebe ihn, ich liebe ihn! Aber mein Stolz läßt es nicht zu, daß ich mich vor ihm beuge, nein, ankämpfen will ich gegen seine Macht bis zum letzten Athemzuge! Wie sagte er damals in dem Coups, als ich meinen Kopf zum Fenster hinausbeugte und streckenlang dem Sturm preisgab trotz Staegers Gegen­vorstellungen ?Sie sind ein großes, verzogenes Kind, wenn ich längere Zeit in Ihrer Nähe weilte, würde ich es mir zur Aufgabe machen, Sie zum Gehorsam zu zwingen!"

Die strengen, in überlegenem Ton gesprochenen Worte entfesselten einen bösen Trotz in Helma, dem hauptsächlich wohl dasNixenkleeblatt" seinen Ursprung dankte. Und immer wieder, obgleich sie Staeger seitdem lieben gelernt, ihm sogar beipflichten mußte, bäumte sich Alles in ihr auf gegen seineSchulmeisterei". Hätte er wenigstens einmal um Verzeihung gebeten durch Wort oder Blick im Gegen­teil ! War sein Wesen auch weicher geworden, so strahlte ihr doch aus seinen grauen Augen stets etwas kritisch Prüfendes entgegen.

Wie diese Gedanken sie peinigten, sie hinaustrieben in die Einsamkeit, weiter, immer weiter! Längst schon hatte sie die letzte Barriöre überholt und noch immer trieb unvermin­derte Spannkraft sie vorwärts. Sie war so ganz mit sich selbst beschäftigt, daß sie nicht die Warnungszeichen vom Strande her vernahm. Dieser gleichmäßige Verbrauch an übermäßig vorhandener Kraft bereitete ihr unendliches Be- hagen.

Die Wogenberge thürmten sich höher, aufjubelnd ließ sie dieselben über sich Hinwegrollen. Jetzt aber kamen mehrere sich jäh überstürzende Wellen, Helma mußte sich ernstlich an­strengen, um nickt mit fortgeriffen zu werden.

Ah der Athem war ihr ja förmlich vergangen, nun mochte es Zeit zum Umkehren sein!

Zurück also als sie sich wandte und in beträchtlicher Ferne wie einen schmalen, weißen Streifen den Strand er­blickte, wurde ihr ein wenig bange. Sie hätte laut um Hilfe rufen können, aber dann kamEr" viellcichr, um sich mit spöttisch-mitleidigem Blick an ihrer Hilflosigkeit zu weiden, siegroßmüthig" zu retten! Nimmermehr!

Jndeß galt es nun, gegen die Strömung zu arbeiten. Das war gar nicht so leicht, zudem ihre Muskelkraft zum Theil verbraucht war. Aber mmhig schwamm sie vorwärts. Jener Morgen erstand wieder vor ihrem Geist, wo sie so trotzig und herausfordernd den Männern ewige Feindschaft geschworen, nur um den beunruhigenden Herzenssymptomen ein festes Bollwerk entgegen zu richten. Und in der That, der Ring hatte ihr immer wieder neuen Muth verliehen in dem Kampf gegen die Liebe Helma strich gewohnheits­gemäß mit dem Daumen gegen den Ringfinger an und nun durchbebte sie ein ernster Schreck die kleine Schlange war verschwunden.

So lächerlich es klingen mag, sie dachte einen Augen­blick daran, unterzutauchen, um den silbernen Reif auf dem sandigen Grunde zu suchen. Oder verwirrten sich ihre Ge­danken bereits? Eine leichte Schwäche wandelte sie an. Es war ihr plötzlich, als streckten sich aus den grünlichen, sonnenüberstrahlten Wogen unzählige weiße Hände empor, die alle nach dem Ringlein haschten, um sich zu schütze» gegen die Liebe---