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M ußt Du verpflichtet fein, so sei's dem Ehrenmann, Denn schwer ist danken dem, den man nicht ehren kann.
Friedrich Rückert.
Glück, erlangt durch Kampf und Schmerzen,
Ist ein rasch erlosch'ner Blitz;
Was Entsagung giebt dem Herzen,
Bleibt für alle Zeit Besitz. Hieronymus Lorch.
Die schönsten Augen.
Novelle von Larl Teschner.
(Fortsetzung.)
Der draußen harrende Diener führte sie zum Frauenpalaste zurück. Es war ihr, als ob jeder einzelne Mann der Palastwache ihr die Chamade ansehe. Mechanisch stieg sie die Stufen hinan zu ihren Gemächern. Es war offenbar Alles bestimmt und vorbereitet. Sie war wutherfüllt. Dieser Potentat, der sich in England vor ihr fast gedemüihigt hatte, wagte es nun, nachdem er sein Opfer in Händen hatte, sie verächtlich hinauszuwerfen! Es war kein Zweifel in ihr: er betrachtete Bella als gekauft! Am liebsten hätte sie diese, um sich an ihm zu rächen, gleich wieder mitgenommen, aber sie wollte sich doch ihren Judaslohn sichern, sie wollte wieder vornehm leben können. Was lag ihr an dem deutschen Mädchen? Mochte sie doch Sclavin dieses Gewaltherrn werden!
Miß Briggs trat ihr entgegen.
„Wo ist Bella?" fragte die Lady mit heiserem, gedämpftem Tone. ' u
//Ich sah ste oben schreiben," antwortete die Dienerin, die ihre Gebieterin verwundert betrachtete. „Ich glaube, sie hatte geweint." '
//Packe sofort meine Koffer, und schnell!" gebot die Lady m demselben Tone. „Melde ihr nichts! Geh' nicht hinauf, oder ich entlasse Dich auf der Stelle!"
Brummig und voll Erstaunen gehorchte Briggs. In kaum zehn Minuten hatte sie unter den Augen Miladys i öte Sachen kraus in die Koffer geworfen.
„Jetzt ruf die Neva!" befahl Lady Agnes.
Letztere kam sofort und — die Lady mußte boshaft lächeln, weil ersichtlich auch diese bereits instruirt war — lie brachte vier Dienerinnen mit sich.
„Lassen Sie diese Koffer hinunter tragen!" sagte die Lady rauh.
Hurtig faßten die lebendigen stummen Maschinen an und erfüllten den Befehl. Lady Agnes ging zuletzt. Sie lauschte einige Momente in der Vorhalle nach oben und war beruhigt bei der Wahrnehmung, daß Bella nichts von ihrer stuchtartigen Entfernung bemerkte.
Bella Kranzler, ahnungslos über die Vorgänge, schrieb an ihren Vater, nicht trübselig und hoffnungslos, nichts von ‘ ^er ^oth und ihrem sclavischen Dienste, sondern ermuthigend, fast heiter. Sie schilderte ihre Reiseeindrücke mit lebhaften Farben und versprach am Schluffe, bald weitere Nachrichten geben zu wollen, — von wo aus, das vermochte sie allerdings nicht zu sagen, da dies ganz von dem künftigen Aufenthalte ihrer Gebieterin abhängig sei. Nachdem sie ihren Brief couvertirt hatte, trug sie denselben hinab, um ihn mit der nächsten Correspondenz der Lady Agnes befördern zu lassen.
Zu ihrem Erstaunen fand sie die Zimmer leer, weder von ihrer Herrin, noch von Miß Briggs ein Spur! Sie i burcf) die ganze Zimmerflucht, horchte, ging wieder zurück und wurde von einer maßlosen Unruhe ergriffen. Da erschien endlich die Aufseherin.
„Wo ist Lady Agnes?" fragte Bella athemlos.
„Fort," antwortete Neva.
„Fort — was heißt das?"
„Abgereist, sammt ihrer Dienerin."
Bella erbleichte und wankte zurück.
„Fort ist sie ohne mich mitzunehmen . . ." sagte ste tonlos, gebrochen, und es war ihr, als müsse sie, wie von einem betäubenden Schlage getroffen, umsinken: doch ste übersah die ganze ihr drohende Gefahr und raffte alle ihre Kraft zusammen.
„Lange kann es nicht sein, daß sie fort ist," sprach sie entschlossen. „Ich will ihr rasch nach! Ich werde ste ein- holen. Bitte, bitte, liebe Neva, helfen Sie mir, schnell meine Sachen einpacken, und dann nur einen Träger * eile zu Fuß fort!" a ‘ o '
j ^^Die Aufseherin betrachtete sie mitleidig, ohne sich zu
„Wehalb sehen Sie mich so an? Weshalb zögern Sie?" rief Bella angstvoll. „Schnell, schnell - sonst hole ich die Lady nicht ein! Und was begänne ich hier allein? Ich wäre ganz hilflos und verlassen!"
„Armes Kind!" flüsterte Neva, halb vor sich/ doch


