Dienstag beit 9. März
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chweige! Wenn Du nicht gesprochen, Kannst Du sagen, was Dir paßt; Wenn das Schweigen Du gebrochen, Fällt Dir jedes Wort zur Last.
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Das Haus der Schatten.
Roman von Robert Kohlrausch.
(Fortsetzung.)
Es war noch in der Morgenfrühe, als ihr der hüfreiche Gedanke kam, doch sie wußte, daß sie dort oben zuseder Stunde willkommen war. Ein Paar Mal schon, leit der Geliebte sie verlassen hatte, war sie trostsuchend m den Giebel hinausgestiegen, und wunderbar gehoben, mit dem Gefühl, als hätte sie aus einer himmlischen Quelle trinken dürfen, war sie jedesmal zurückgekehrt. Und heule galt e» noch Wichtigeres, Größeres, als di- Liebesnoth eines einsamen Frauenherzens. Einen Genossen zum Feldzug gegen die Sünde wollte sie werben, — Busenius würde ihr den Beistand nicht versagen. ~.
Rasch entschlossen eilte sie die Treppen hinan. Die Fenster des alten Hauses waren weit geöffnet für einen sonnigen Frühlingstag, und eine reine, kräftige Luft s rom von allen Seiten auf ihn ein. Ein gelber Schmetterling taumelte vor dem blauen Viereck eines Fensters vorüber, das den Blick in die weite Himmelsferne erschloß, und als sie einen Augenblick daran stehen blieb, sah sie die Lerchen, wie kleine, dunkle, sonnevergoldete Punkte, im hellen Licht über den grünenden Feldern schweben und horte ihrLieo, vom sanften Winde weitergetragen, zu sich heruberklmgen. Ihre Brust hob sich in Hoffnung und Muth beim Anblick dieses heiteren Bildes, beim Athmen dieser lebenerweckenden Lust, und ohne noch einmal stehen zu bleiben, stieg sie ,oyer hinauf, zu Busenius' Zimmer empor.
Ec öffnete ihr selbst auf ihr hastiges Klopsen und hielt ihr die ausgestreckten Hände entgegen. „Das ist W1*', atz Sie kommen," sagte er, „ich hatte das Gefühls daß wser heilere Morgen mir etwas recht Willkommenes bringen mutz e, und da ist es ja schon." .
„Dann will ich nur wieder gehen," sagte sie mit einem anmuthigen, etwas verlegenen Lächeln. „Denn ich glaube nicht, daß ich Jhncn noch länger willkommen bin, wenn Ote
gehört haben, was mich zu Ihnen führt, ^ch wollte ^hren Rath erbitten und Ihnen häßliche, böse Dinge erzählen.
„Es ist nichts an sich gut oder böse, unser Denken erst macht es dazu. Sie kennen Hamlets Wort, und er hat recht. Wenn man von einem hohen Berge hinunter sieht, ist auch ein wüthender Fluß, der Häuser uud Menschen mit sich fortreißt, nur ein leuchtendes «ilberband. Auf die Hohe kommt's an, auf der man steht "
„Aber darum bleibt das Elend doch trt der Weit. Häuser stürzen ein, und die Menschen ertrinken!'
Und wir sollen ihnen helfen, — gewiß. Aber selbst mit fortgerissen wird von solchem Strome, der ist mächtig für sich und- Andere, mag es ein Wasserstrom ein Strom der Leidenschaften sein. Von der Hohe können wir helfen und retten."
„Wir stehen auf der Höhe, also helfen Sie mir
„Müssen Sie darum wirklich erst bitten, um etwas, das so selbstverständlich ist? Kommen Sie her, setzen ®te sich und erzählen Sie mir."
Er führte sie zu dem erhöhten Sitz am Fenster, rer jetzt in der Morgenstunde nicht von der Sonne beschienen war, aber weit hinausblicken ließ in das freie 2mtb nut Jeutem lieblichen Wechsel von Schatten und Licht. Busemu» blieb aufrecht ihr gegenüber stehen, gerade vor dem regenbogenfarbigen Streifen an der Wand mit dem goldenen Worte „Excelsior!“ Frau Ina wollte es scheinen, als habe er me zuvor so schön und vergeistigt ausgesehen, wie rn.dieser Stunde, und jene harmonisch zusammeMmgenden Farben umleuchteten sein Haupt wie der Strahlenschein emes Heiligen.
Es wurde ihr schwer, einen Anfang zu finden, aber als sie einmal begonnen hatte, erzählte sie Alles, was ihr begegnet war: die Annäherug des Doctor Jaksch, das Gespräch mit dem Bruder, die Lösung des Rachels durch d e unerwartete Hilfe Bäsmanns, bis es ihr zur Gewißheit geworden war, daß ein Verbrecher mit ,hr unter einem Dache wohne. „Den Anarchisten hier hat man verfolgt unb gejagt; ich sage nichts dagegen, ihm ist sein Recht geschehen. Aber der Andere, der vielleicht zehnfach so schuldig ist, al» em verleiteter junger Mensch, geht frei umher und genießt die Früchte seines abscheulichen Betruges!" Mit einem Seufzer dec Befreiung beschloß sie den langen Bericht; Busenius aber antwortete nicht gleich. Er hatte das Haupt gesenkt und schaute mit starren Blicken nach unten, als hätte em Abgrun sich vor ihm aufgethan, der ihm schreckliche Dinge enthüllte.
„Er geht seinen Weg," sagte er leise und schmerzlich. „Er hat das Wort vergessen, was dort steht. Nun hatte


