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Geschwulst oft sackartig bis zum Schlüsselbein. Durch die hochgradige Schwellung wird der natürliche Gesichtsausdruck verzerrt, der Kopf wird schief nach der gesunden Seite, oder wenn auch dort die Ohrspeicheldrüse ergriffen ist, steif nach rückwärts gehalten, die Kranken verlieren die Möglichkeit, die mimischen Muskeln des Gesichtes zu gebrauchen, und bekommen dadurch jenen blöden, stupiden Gesichtsausdruck, welcher der Krankheit ihre höchst komischen Bezeichnungen eingebracht hat und unwillkürlich mehr ein Lächeln als das Mitleid für die Patienten erregt, zumal auch die Sprache undeutlich ist und bisweilen fast idiotenhaft klingt. Bei diesen Leidenden gilt in Wirklichkeit der Spruch: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen.
Zum Glück verwandelt sich dieser leichte Spott über die Kranken nicht nachträglich in schweren Kummer und bange Sorge, denn das Leiden ist fast nie ernsterer Natur. Nur bei skrophulös angelegten Kindern giebt die Krankheit nicht selten Anlaß zu den mannigfachsten scrophulösen Vereiterungen. Deshalb ist es stets rathsam, den Arzt zur Vorbeugung schlimmer Nachkrankheiten zu Rathe zu ziehen, ebenso zur allgemeinen Linderung der Schmerzen. Zu letzterem Zwecke reibe man zunächst die Geschwulst mit warmem Oele ein und bedecke sie mit Watte. Da oft Mundentzündung und Speichelfluß eintreten, so entströmt dem Munde ein häßlicher Geruch. Hiergegen ist Reinhaltung der Mundhöhle mittelst eines des- inficirenden Gurgelwassers aus chlorsaurem oder übermangansaurem Kali geboten. Zur möglichst raschen Ausscheidung des im Körper befindlichen ursächlichen Krankheitsgiftes auch durch die Haut empfiehlt es sich, warme Bäder und morgen« ltche Ganzwaschungen von 20 Grad anzuwenden. Die Kost soll reizlos und flüssig, lau oder kühl fein; Hafermehlsuppe, Mandelmilch, Apfelmus, recht weicher Reis- oder Griesbrei, in kühle Milch getauchter Zwieback dürften genügen. Bettruhe ist nur auf Anordnung des Arztes bei schwerwiegenden Anlässen nöthig. In den bei weitem meisten Fällen wird die Erkrankung bei dieser lindernden Behandlung alsbald ohne jede Nachkrankheit heilen. Dies unser Wunsch für alle traurig-komisch aussehenden Ziegenpeter-Besitzer!
Einiges über den Kleiber.
Vor einiger Zeit habe ich in diesem geschätzten Blatte das Thun und Treiben des Baumläufers in der Natur mit wenigen Worten veröffentlicht^ allein da sich jetzt wieder, wie dies in jedem Winter der Fall ist, ein anderer Kletterer „der Kleiber" in unseren Anlagen in Gesellschaft von Baumläufern und Meisen eingestellt hat, so will ich hiermit die Aufmerksamkeit auf diesen auch sehr nützlichen Vogel lenken.
Man kann, ohne gerade Sprachforscher zu sein, doch wohl sagen, daß der Vogel Kleiber eigentlich Kleber heißen sollte und zwar aus dem Grunde, weil derselbe die absonderliche Gewohnheit besitzt, den zu weiten Eingang in die Baumhöhle, in welche er sein Nest gebaut, so weit mit Lehm zu verkleben, gleichsam auszumauern, daß er eben nur allein noch durchschlüpfen kann. Man darf wohl annehmen, daß er dadurch die unliebsamen Besuche, die Raubvögel ihm, seinen Eiern und Jungen gerne abstatten möchten, verhindern will. Diese Verengung des Schlupfloches ist nach Dr. Gloger so geschickt und fest ausgeführt, daß man den Kunstbau nicht mit bloser Hand hinwegräumen kann, und er macht dem Namen des Kleibers alle Ehre. Als Kletterer übertrifft derselbe alle europäischen Klettervögel, denn seine Meisterschaft darin geht soweit, daß er an Stämmen und Aesten in jeder beliebigen Richtung, den Kopf nach oben oder nach unten gerichtet, mit gleicher Gewandtheit umher zu klettern versteht, ohne dabei den Schwanz zu gebrauchen. Bei diesen Wanderungen klopft er mit dem Schnabel au die rissige Rinde, und wenn ein
Jnseet erschreckt hervorkommt, verspeist er es mit großem Behagen,- auch reißt er die lockeren Rindestückchen ab, um die vorhandenen Maden und Eier darunter zu fressen. In einem großen Garten, der mit vielen Obstbäumen bepflanzt ist, habe ich den Kleiber, der auch Tpechtmeise genannt wird, im Winter beobachtet, und dabei wahrgenommen, daß er nach und nach alle Bäume betritt auf die oben angegebene Weise durchsucht hat. Es ist gewiß nicht zu bezweifeln, daß er dadurch den Bäumen eine große Wohlthat erzeigt, denn er befreit dieselben von einer zahllosen Menge schädlichen Ungeziefers. Leider bleibt aber sein überaus nützliches Thnn und Treiben von vielen Menschen, welche auf solche Dinge gar nicht achten, häufig ganz unbemerkt. Die Hauptnahrung des Kleibers besteht, wie ich oben schon bemerkt, in allerlei schädlichen Kerbthieren, aber ich will auch nicht verschweigen, daß er auch Sämereien, z. B. die der Tannen, Fichten, Kiefern, ferner Eicheln und Bucheln verzehrt, was jedoch, wie ich glaube annehmen zu dürfen, nur in Nothfälleu vorzukommen pflegt. Wenn der Kleiber daran und vielleicht auch noch an anderen Gewächsen einigen Schaden verursacht, so darf ich dock gewiß behaupten, daß er durch die massenhafte Vertilgung bon schädlichen Jnsecteu unbestreitbaren Nutzen stiftet.
Der Kleiber, der seines lockeren Gefieders wegen etwas größer als ein Sperling erscheint, kann zu den schönen Vögeln gerechnet werden, denn alle oberen Theile desselben sind sanft graublau; Brust und Leib gelblich rostfarben; durch das Ange zieht ein schwarzer Streifen, und bei dem Weibchen sind die Farben etwas matter. Sein kunstloses Nest legt er gern hoch oben in einem Baumloche an, dessen Eingang nach feiner Gewohnheit durch Auskleben verkleinert wird. Es ist sch I nachlässig ohne jegliche Sorgfalt aus trockenem Laube ober Kiefernschalen hergerichtet, und die 6 bis 10 Eier darin werden 14 Tage lang von dem Weibchen allein bebrütet. Die Jungen, ; die sorgsam nur mit Jnsecten, namentlich Raupen von beiden Alten ernährt werden, wachsen schnell heran.
Ein jeder Naturfreund wird gewiß auch den Kleiber | (Spechtmeise) in feinen Schutz nehmen und dies um so mehr, weil er nicht nur bei Sonnenschein und Blüthenduft bei un8 wohnt, sondern auch im Winter ausdauert und dadurch mit den anderen Standvögeln unseren öden winterlichen Gegenden ein lebendigeres Aussehen gewährt.
Gießen, im Februar 1897.
H. Curschmann, Lehrer i. P.
Gedenket der hungernden Vögel.
Verlassen und hungrig, so irr'n wir umher, Und nirgends ist Nahrung zu finden.
Verschneit und verweht, die Felder sind leer, D'rum thut uns vom Hunger entbinden Und streut uns Futter in unserer Noth, Sonst ist die Parole: „Der bittere Tod."
Wir munteren Sänger in Wald und in Feld, Wir Amseln, wir Meisen und Lerchen, Mit uns ist's im Winter gar schlecht bestellt, Kein Obdach, wo Nachts wir uns bergen. Wir kamen geflogen vor Euere Thür, Verschließt sie uns nicht, mir danken dafür.
Und sitzt Ihr bei Tische, wenn's Essen Euch schmeckt, Dann thuet auch unfrei gedenken;
Die Reste, die übrig, hall' sie nicht versteckt. Und thut Euren Blick auf uns wenden.
Ob Körner von Suppe, ob Fleisch oder Brod, Wir fressen sie alle in unserer Noth.
Wenn der Winter vorbei, der Frühling erwacht, Mit Grün sich schmückt Wälder und Wiesen, Dann soll unser Lied mit all' seiner Pracht Jn's dankbare Herz sich ergießen.
Und zwitschernd, singend stimmen Alle ein, Dies soll unser Dank für die Wohlthat sein.
Gießen, im Februar 1897. Louis Roloss.
Redaction: A. Scheyd». — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in
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