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Wie muß unsere Nahrung im Winter beschaffen sein?
Von Dr. Otto Gotthilf.
(Nachdruck verboten.)
bem wir über die Schwächen geliebter Menschen zu lachen I yfleaetb „Wissen Sie, was Sie sind?" fragte sie.
„Nun?"
„Ein Impressionist."
SQSicfo . I
"Nicht in dem Sinne, wie man das Wort heute bei den Malern gebraucht. Was es da bedeutet, weiß lch selbst , nicht genau. Ich halte mich an seinem Ursprung, und da . finde ich, daß kein Mann, den ich kenne, so sehr verdient, , ein Impressionist zu heißen, wie Sie, mein lieber Assessor. Weil heute Winter ist, können Sie sich den Frühling überhaupt nicht mehr vorstellen. Jeden Eindruck, der von außen kommt, jede Impression empfindet Ihre Seele drei Mal und vier Mal so stark, als die anderer Menschen. Ihr Inneres ist wie ein Spiegel, der jeden Hauch erkennen läßt.
Er hatte die Gardinen wieder fallen lassen, war vor I die Frau hingetreten und betrachtete sie einen Augenblick schweigend. Es war ein anmuthiges Bild, wie sie mit ihrer zierlichen Handarbeit dasaß in der Ecke des behaglichen Salons, dem sie den Stempel ihres Wesens ausgeprägt hatte Reich- thum und Geschmack verkündeten sich überall. Niedrig war auch dieses Gemach im Vorderflügel des alten Hauses, aber die vortretenden Deckenbalken waren mit zierlichen Ornamenten farbenreich bemalt, die ihr Muster in Rafaels Loggten gefunden hatten. Ein Smyrnateppich von hellem Grundton bedeckte den Boden, goldbrauner Plüsch überzog die Möbel, schöne Palmen mit großen Wedeln waren hie und da ausgestellt. An den Wänden hingen auf den braunen Tapeten werthvolle Kupferstiche, seltsam widerspruchsvoll m rhren Gegenständen. Neben dem Bilde einer tobten Märtyrerin, vom Heiligenschein überstrahlt, im Wasser dahintrelbend, sah man die „Jagd nach dem Glück", an der anderen Wand | ein lebensfrohes Tyrolerbild von Defregger und Knilles „Tannhäuser und Venus". Eine hochfüßlge Lampe mit rothem Schirm übergoß das Alles mit warmem Licht.
Nachdenklich nickte der Mann jetzt vor sich hin. „Dre kluge Frau Ina hat wohl wieder einmal recht. glaube selbst, ich empfinde lebhafter, plötzlicher als andere Menschen. Sagen Sie es aber denen nicht wieder; die weinen heutzutage, ein Mann, der empfindet, sei überhaupt fern Mann Und
bas möchte ich mir benn boch nicht abstreiten lassen. ) erfülle meinen Beruf, thue meine Pflicht unb habe Energie, wo sie am Platze ist- aber hier innen, ba ist ber Organismus freilich zarter, leichter verletzlich als bet ben Anderem Ec ging einmal im Zimmer auf und meder, als er dann zu dem Sessel herantrat, der ihr gegenüber stand, und, aus seine Lehne gestützt, von Neuem die Blicke auf ihr ruhen ließ, da war der Ausdruck seines Gesichtes plötzlich verwandelt. Ein echtes Kinderlächeln spielte um seinen Mund, indem er fragte: „Nicht wahr, kluge Frau, ich bin ein recht unglücklicher Mensch?" , c u
„Ein großes Kind sind Sie und em verzogenes dazu, gab sie heiter zur Antwort. „Aber daran.trage ich selbst einen großen Theil der Schuld, also darf ich nicht zu sehr schelten. Uebrigens verbitte ich mir feierlich den Namen, den Sie mir heute schon zwei Mal gegeben haben. Erne Frau, der man nichts Besseres nachzusagen weiß, als, sie sei ! klug, ist in meinen Augen wenig benetdenswerth.
Dann will ich Sie die Gute nennen statt der Klugen.
"Das lasse ich mir eher gefallen, und schlecht bin ich auch wirklich nicht. Würde ich mich sonst von ^hnen so quälen lassen?" ,
„Ich quäle Sie doch nicht?"
O ja, Sie machen mir manchmal das Leben recht sauer." Mit Ihren Launen, Ihrer plötzlichen Schwermuth, Ikiren düsteren Prophezeiungen. Wenn es im Februar schneit, behaupten Sie, es werde im Mai noch ärger bannt werben, und wenn Sie ben Schnupfen haben, kaufen Sie sich em Buch über die Lungenschwinbsucht. Ja, ja, Sie find Mmw. Unb es wäre noch ärger, wenn die Mebmlle nicht auch ihre Kehrseite hätte." ®ortf. folgt.)
Der menschliche Organismus stellt gewissermaßen einen lebendigen Ofen bar. Wenn er seine Schulbigkett thun soll, muß er vor Allem mit genügenbem Feuerungsmaterial Nabruna — „gespeist" werben. Dies ist freilich sowohl Mm »irtMen £>f«n ,-ch feine. LmsnuUlm, °l- dem menschlichen Körper nach seiner Constitution verschieben z wählen; in einem Ofen, ber nur für Holzfeuerung eingerichtet st kann man keine Kohlen brennen, und ber schwächlich Körper eines Stubenhockers mit geringer Verdauungskraft M rücht im Stande, eines Holzfällers schwer verdauliche Speisen und Getränke zu verarbeiten. Ein alter Kernspruch fatjt: „Was bem Grobschmieb bekommt, kann den Schneiber umbrinaen" Aber stets braucht man beim künstlichen nie L nLichen Ofen zur nöthigen Wärme-Erzeugung um io mehr .Lwizunqsmaterial, je kälter die umgebende Luft ist. Wie sehr" unser Leibesofen dabei sich ost anstrengen muß, großen Schaden erleide, möge man daraus ersehen, daß z. . bei einer Winterkälte von 12 Grad ein Temperaturunterschied von beinahe 50 Grad auszugleichen ist, während u"serZiMmer- ofen ber bei 12 Grab Kälte doch auch schon tüchtig gehetzt Ld-N mutz, n„. ungefähr di-HM- d°. W«”«- ‘ " 25 ®rab, »urzugl-lch-n fat- Da nun ln p
di- Nabrunqsstoffe bas Feuerungsmaterial bilden, so ist es natürlich, daß wir im Winter mehr Nahrung zu uns nehmen müssen als im Sommer. Auch besitzen bte Nahrungsstoffe seh? verschiedene Heizkrast: Speck unbJBrob verhalt sich I gleichsam wie Steinkohlen zu Torf. Es ist also vom gesun - I heitlichen unb öconomischen Stanbpunkt äußerst wich tg,
Zweckmäßigkeit ber winterlichen Nahrung einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.
Wir Bewohner der gemäßigten Zone befinden um- tm Winter gewissermaßen in einem nörblichen Klima, werben also mit Vortheil diejenigen Nahrungsmittel bevorzugen, • durch welche bie Norblänber bie große Kalte ihrer Heimath ohne icgend welchen Schaden für ihre Gesundheit überstehen. Da finden wir nun hauptsächlich Fette und Fleischspeisen ver- tteten. Die Lappländer, Isländer, Samojeden, Kamtschadalen, Eskimos, Grönländer nähren sich fast ausschließlich von thierischen Nahrungsmitteln. Es stehen ihnen überhaupt ” * fu.4e Seil d-S J-h-e- !->»- Kräule. und ianre Beeren zu Gebote, während sie den bet weitem größten j Theil des Jahres nur von Fischen, Seehmwen, Walrossen, ' 1 Rennthieren und Bären leben. Auch bte Gefräßigkeit bet norbischen Völker wirb von allen Reisenden hervorgehoben, und die Wissenschaft hat schon lange anerkannt, daß hier em natürliches, physiologisch begründetes Bedurfmß obwaltet. Aus demselben Grunde bekommen bie englischen Seeleute aus ihren Reisen in bte nörblichen Meere mehr Fletsch und überhaupt größere Rationen, als wenn sie in ben Tropen segeln. Bei mebriger Temperatur gewährt eben ber Genuß von fettreicher thierischer Kost im Vergleich zu pflanzlichen Nahrungsmitteln ben Vortheil, baß ber in ber Kalte beim Menschen gesteigerte Athmuugsproceß burch Verbrennung bes Fettes im Körper mehr Wärme entwickelt.
Glücklicherweise sinb im Winter auch unsere Verbauungsorgane leistungsfähiger, so baß wir ohne Beschwerben die I nöthige größere Nahrungsmenge in uns aufnehmen können.
Währenb man in ber Sommerhitze sich leicht einen Magenkatarrh durch Ueberlabung zuzieht unb gegen fette Speisen meist birect Wiberwillen empfinbet, ist im Wmter bie Kratt ber Verbauungsorgane gesteigert, bie Bluteirculatton erfolgt schneller, es werben mehr Verbauungssäfte abgestmbert deshalb können selbst große Mengen von fettreichen St°ff-n
I ohne jegliche Störung des Wohlbefindens verarbeitet werben.


