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der Uebermuth, sie zu ihm auf, des Augenblicks der Aeste, das von ihnen im
Mit groben, erstaunten Augen blickte And Beide waren so sehr von dem Zauber befangen, daß Keiner das leise Rauschen Knistern und Rascheln der Zweige seitlich Gebüsch vernahm.
Seine Antwort lag in seinem Blick. „Just so! Just so liebe ich Dich!" lächelte er mit strahlenden Augen, sie fester und inniger noch an die Brust schließend, „und doch stehe rch voll Lug und Trug vor Dir, Geliebte, und trage eine Maske, welche Dir bisher mein wahres Ich verhüllte! Darf ich Dir eine Beichte adlegen und willst Du mir die kleine Täuschung vergeben, welche nicht sondern lediglich die Vernunft bedingte?"
„Eine Täuschung!" lächelte Pia ungläubig, halb ver- -sgen. „O, ich fürchte, daß ich Dir noch mehr zu beichte» habe, wie Du mir, Herzlieber, und wenn Du mir ebenfalls Deine Verzeihung zusicherst, so will ich gewiß jedes Ge- standntß mit doppelter Liebe lohnen!"
Er lachte. „Was solltest Du, lieber, holder Engel zu sagen haben, was mehr überraschen könne, wie meme Demaskirung! Lilian, Du hast Dich dem Forstasseffor ^arl Hellmuth zu eigen gegeben, wie nun, wenn dieser
stand auf ihrem Antlitz geschrieben, das klang von ihren -Lippen, ob sie es wollte oder nicht! 9
„Lilian!"
^iden Hände krampfhaft umschlossen und blickte ,hr wie ein Trunkener in die Augen, und sie glühte wie die Phyrrusblüthen am Strauch neben ihr und rang vergeblich nach Worten. a
„Sie kommen bereits von einem Spaziergang zurück?" stammelte sie in rathloser Verlegenheit. d &
,,3a, Lilian, ich komme von dem Bahnhof, wo ich eigenhändig dem Frühzug einen Brief anvertraute, welchen rch m dieser seligsten Maiennacht an meine Eltern geschrieben. Darf ich Ihnen erzählen, Lil'.an, was in diesen Zeilen stand?" , Sie lächelte wie im Traum und bewegte zustimmend das Köpfchen, und dann schritten sie langsam nebeneinander her, zu der kleinen versteckten Bank im Gebüsch.
ttnb als er an ihrer Seite saß, nahm er abermals ihr bebende kleine Hand zwischen die seinen. „Dem Himmel sei Dank, daß ich es Ihnen endlich sagen kann, daß uns diese Stunde des Alleinseins noch geschenkt wurde!" flüsterte er hastig und erregt. „O, Lilian, ich bezweifelte, daß ich Ihnen jemals ohne lästige Gesellschaft hier begegnen würde, und darum wollte ich soeben auch an Sie schreiben, wie ich es meinen Eltern brieflich sagen mußte, daß ihr Sohn, gleich Jung - Werner, der glückseligste Mann im Reich geworden ist! O, Lilian, ich finde ja gar keine Worte, um Alles auszusprechen, was in mir singt und klingt, mein ganzes Sein durchbebt und durchfluthet, seit ich Sie zum ersten Male im Arm gehalten und in Ihr Auge schaute' Lilian, ich empfinde mehr für Sie, als wie das kleine, armselige Wörtchen „Liebe" ausdrücken kann. Ich — o Süße, — o Wonnigste!"--und er verstummte unter dem
heißen Blick unermessenen Glückes, welcher aus ihren Augen Lrach, schlang voll kühner Leidenschaft den Arm um sie und sagte ihr in Küssen, was er mit Worten nicht mehr auszusprechen vermochte.
Ueber ihnen nickten die Blüthendolden und stäubten demantenen Thau, noch einmal brach die Sonne mit flammendem Gruß durch die Wolken und tauchte die Welt in goldenen Glanz, in den Gebüschen blieb es still, zauberstill — nur der Wind strich wie ein wonnevolles Aufathmen über die Gräser am Weg.
Und dann richtete sich Pia in seinen Armen auf und lächelte ihn unter Thränen des Glücks an. „So liebst Du mich wirklich wahr und wahrhaftig ohne Lug und Falsch? mich, die Fremde, kaum Gekannte, — gleichviel, welchen tarnen ich trage, welcher Heimath ich entstamme, mich, — f°, tote Du mich hier im Arm hälft?!"
Name nur das Visir ist, hinter welchem sich ein ganz Anderer versteckt?"
„Ein Anderer?/ fragte sie und umklammerte seine Hände so krampfhaft, als fürchte sie, der Geliebte könnne ihr mit diesem Namen entschwinden wie eine Vision.
Eine stolze Zuversicht leuchtete von seiner Stirn, ein innerer Jubel erfüllte ihn, daß er nun die unscheinbare graue Hülle von sich we-fen konnte, der Geliebten eine schimmernde Krone, ein edles Wappenschild zu zeigen, als herrliches Angebinde, welches seine Liebe ihr zu Füßen legen wollte.
Und als er lächelnd zögerte, um sich an dem vollen Genuß dieses seligen Augenblicks zu weiden, fühlte er, wie ihre schlanke Gestalt plötzlich höher emporwuchs, wie ihre Augen sich angstvoll, unnatürlich erweiterten, wie sie plötzlich mit bebender, leise veränderter Stimme fragte: „Wer bist Du?"
„Ich bin Wulfi-Dietrich, Graf von Niedeck!" antwortete er tief aufathmend mit beinahe feierlichem Ton, und verstummte erschrocken bei dem erstickten Aufschrei, welcher über ihre Lippen brach.
„Wulff-Dietrich! — Gott im Himmel, meine Ahnung!" Sie riß sich voll leidenschaftlicher Erregung von ihm los und streckte die Hände wie in zorniger Abwehr gegen ihn vor, sie wollte sprechen, aber die Stimme versagte ihr, wie qualvolles Schluchzen rang es sich aus ihrer Brust.
Aufs Höchste bestürzt sprang er auf und wollte sie voll unerklärlicher Ängst an die Brust ziehen. „Lilian — allmächtiger Gott, was ficht Dich an?"
Da flammte ein Blick zu ihm auf, welcher ihn wie gelähmt zurückweichen ließ.
Das rosige Antlitz der Geliebten war weiß wie Schnee, Zorn, Stolz, Verachtung sprühten die tief umnachteten Augen.
„Lilian! Warum nennen Sie mich noch so, Graf Niedeck, da Ihre Comödie doch so glänzend zu Ende gespielt wurde?" stieß sie schneidend hervor, hingerissen von der leidenschaftlichen Verzweiflung, welche sie durchtobte. „Das war die stolze, edle Entsagung, welche ich an dem Majoratsherrn von Niedeck bewunderte, das seine heilige Achtung vor der Liebe, der sie sie zum Possenspiel entwürdigt! Und doch wagen Sie mir von Liebe zu sprechen, von einer Liebe, welche nur gewissenlose Jagd nach sechzehn Ahnen ist! Bei Gott, Sie haben den Plan schlau erdacht und geschickt inscenirt, Graf Niedeck, aber Ihres Sieges haben Sie sich zu früh gefreut! Was ich einem Carl Hellmuth zugestanden, gilt nie und nimmermehr dem Majoratsherrn von Niedeck, so wie ich es geschworen habe bei meiner Ehre und bei meinem Stolz, daß ich mich nicht verhandeln und verschachern lasse! So lange aber ein Niedeck um sechzehn Ahnen wirbt, ist er ein Sclavenhändler, bei dem nur krasser Egoismus, aber keine Liebe mitspricht!"
Außer sich, vor Qual und Schmerz die Worte überstürzend, in höchster Erregung, hatte sie gesprochen, noch einmal traf ihn ihr Blick, und dann wandte sie sich ab und entschwand wie ein gehetztes Wild hinter den blühenden Gebüschen.
Regungslos, wie betäubt, stand Wulff-Dietrich, leichenfahl, unfähig, ein Wort zu erwidern, nur ein Aufstöhnen rang sich aus seiner Brust, ein leise gemurmeltes „Pia von Nördlingen!" und dann trat er zu der Bank zurück, sank schwer darauf nieder und legte die Hand auf die brennenden Augen.
Einst hatte er mit einem Meisterschuß einen Hirsch niedergestreckt, just in dem Augenblick, als er voll königlichen Siegesstolzes neben dem verendeten Gegner stand, die Brust geschwellt voll jauchzender, triumphirender Liebe!
Da hatte ihn die Kugel mitten in das Herz getroffen, und lautlos war er zusammengesunken, die brechenden Augen voll unaussprechlichen Ausdrucks auf den Schützen gerichtet. Dieser Blick verfolgte ihn, an ihn dachte Wulff-Dietrich auch in diesem Augenblick, wo er selber auf der Höhe alles Liebesglückes plötzlich die tödtende Wunde im Herzen fühlte.
(Fortsetzung folgt.)


