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von der ausstrahlenden Blutwärme der Füße. So gleich» giltig nun manche Menschen gegen durchnäßte Fußbekleidung sind, so sehr würden sie sich mit Recht sträuben, wenn man ihre Füße zum Schmelzen von einem halben Pfund Eis in Anspruch nehmen wollte. Und doch ist die Gesundheitsschädlichkeit dieselbe. Es ist daher nur ganz natürlich, daß die durch nasse Fußbekleidung veranlaßte Abkühlung des ganzen Körpers sehr häufig die directe Ursache wird von vielen Katarrhen und den sogenannten rheumatischen Krankheiten.
Gegen solche Durchnässung der Strümpfe von außen kann man sich aber in deWmeisten Fällen schützen durch gutes wasserdichtes Schuhwerk, und wenn man natürlich nasse Füße bekommen hat, so beugt man den Übeln Folgen in der Regel dadurch vor, daß man die Strümpfe sofort wechselt, die Füße tüchtig abtrocknet und frottirt und sich energische Bewegung verschafft, wodurch die Blutcirkulation befördert und eine wohlthuende Wärmeregulation hergestellt wird. Viel nachtheiliger aber für die Gesundheit und bedeutend schwieriger zu beseitigen, ist eine Durchkältung der Füße und Durchfeuchtung der Fußbekleidung von innen her durch Schwitzen. Der Schweiß ist bekanntlich unter normalen Verhältnissen ein sehr nothwendiges Mittel zur Aufrechterhaltung der regelrechten Körpertempercktur, ein ungemein wichtiges Abkühlungsmittel. Er dient als eine Art Sicherheitsventil zur Verhütung einer übermäßigen Erwärmung des Körpers und des Blutes. Sobald in der Hitze die Temperatur des Körpers eine gefahrdrohende Höhe erreicht hat, wird, uns selbst unbewußt, der Schweißapparat in Thätigkeit gesetzt, wir fangen sofort an tüchtig zu schwitzen, wodurch die nöthige Abkühlung stattfindet. Die Schweißdrüsen haben also unter normalen Verhältnissen nur dann in Thätigkeit zu treten, wenn der Körper der Abkühlung wirklich bedürftig ist. Wie verhält es sich nun aber mit den bei warmer wie kalter Witterung stets schwitzenden Füßen der sogenannten Schweißfüßler? Dieser krankhafte Zustand ist durch seine Jahr aus Jahr ein anhaltende Dauer für die Gesundheit noch viel gefährlicher als die einmalige Erkältung oder Durchnässung der Füße. Wie groß die Schweißmenge ist, welche die Füße Produciren, kann man aus den Berechnungen des Dr. Krause ersehen, wonach ein Quadratzoll der Fußfläche 2685 Schweißdrüsen enthält, während z. B. ein Quadratzoll des Nackens deren nur 417, also nicht den sechsten Theil, hat. Von diesen Tausenden von Schweißdrüsen an den Füßen wird natürlich sehr viel Schweiß erzeugt und dadurch dem Körper eine ganz bedeutende Wärme entzogen. Dies muß stets früher oder später den ganzen Körper in Mitleidenschaft ziehen und zu den hartnäckigsten Krankheiten, namentlich zu chronischen Katarrhen und Rheumatismus Veranlassung geben. Daher sollten Personen, welche an Schweißfüßcn leiden, die Gesundheitsstörung nicht als ein leichtes liebel betrachten, sondern sich möglichst bald davon zu befreien suchen. Wenn man erst einmal sein Augenmerk auf den Gegenstand gerichtet hat, lernt man die kalten Schweißfüße nach und nach ernster be- urtheilen und als die letzte, freilich meist übersehene Ursache vieler chronischer, langdauernder Krankheiten erkennen, die solange unheilbar bleiben, als die verborgene Quelle ruhig ungestört ihre verhängnißvollen Wirkungen ausübt. Viele an chronischen Erkältungen, wie Schnupfen, Husten oder Heiserkeit Leidende gerathen schier in Verzweiflung über die Hartnäckigkeit und anscheinende Unheilbarkeit ihres Zustandes, da selbst jahrelang fortgesetzte Kuren ihnen höchstens vorübergehende Besserung bringen; ganz natürlich, weil eben die eigentliche Ursache der Krankheit, nämlich die stets kalten oder feuchtschweißigen Füße, dabei ganz unberücksichtigt bleibt und ihren u cheilvollen Einfluß fortwirken läßt.
Eigentlich geschieht es den Menschen ganz recht, daß sich die Füße für die große Vernachlässigung rächen, welche ihnen von den Meisten zu Theil wird. Denn die Füße sind entschieden in Bezug auf Pflege und Reinlichkeit die vernach-
lässigsten Theile des Körpers. Oder wie viele waschen sie täglich, was doch bezüglich der Hände geschieht? Und gerade bei den Füßen ist peinliche Reinlichkeit hygienisch sehr wichtig, weil sonst der Schweiß, welcher durch den nicht ventilirenden Lederpanzer, Schuh genannt, zurückgehalten wird, sich mit Hauttalg, Staub und Lederfett vermischt und in Zersetzung geräth. Die erste und Grundregel zur Verhütung und Heilung von kalten oder schwitzenden Füßen heißt daher: Reinlichkeit. Als speciellen bewährten Kurplan möchte ich dabei den folgenden aufstellen: Wöchentlich zweimal ein halbstündiges heißes Fußbad mit Seife, worauf man die Füße sofort kurze Zeit in ganz kaltes Wasser taucht, dann tüchtiges Reiben (Frottiren), bis die Haut sich röthet, und energisches längeres Herumstampfen im Zimmer oder im Freien. Außerdem, was sehr wichtig ist, tagtäglich gleich nach dem Verlassen des Bettes Eintauchen in recht kaltes Wasser mit nachfolgendem Frottiren. Die Strümpfe, nur wollene, müssen stets ganz trocken sein und sollen täglich drei- bis viermal, mindestens nach jedem Ausgange, gewechselt werden. Die ausgezogenen Paare werden bis zum nächsten Anziehen im Winter an den Ofen, im Sommer an die Sonne gehängt. Von großem Vortheil ist namentlich auch die Beförderung des Blutkreislaufes in den unteren Gliedmaßen durch häufiges Springen, Tanzen, Laufen ober weite Spaziergänge in schnellem Tempo. Das übliche Spazierenschleichen auf Promenaden von vielleicht halbstündiger Dauer nützt gar nichts. Am Besten wirkt Bergsteigen. Ich habe dies an mir selbst, als ich früher sehr an kalten Füßen litt, durch ein wahrhaft klassisches Experiment feststellen können. Ich machte damals Sommer und Winter fast jeden Sonntag eine Tagestour in die Schwarzwaldberge. Da hatte ich denn jedesmal noch am Montag und Dienstag wohlig warme Füße, während sich von Mittwoch an wieder bisweilen Kälte einstellte, die gegen Ende der Woche an Intensität und Dauer mehr und mehr zunahm. Machte ich aber einen mehrtägigen Marsch, so hielt die Erwärmung der Füße immer einige Tage länger vor. Auch von Damen, die an kalten Füßen leiden, habe ich wiederholt gehört, daß sie am Tage nach einem Balle, wenn sie nicht gerade die Rolle von Mauerblümchen spielen mußten, stets warme Füße haben.
Energische, häufige Bewegung und kaltes Waschen bei peinlichster Reinlichkeit sind also die Hauptheilmittel gegen kalte und schweißige Füße, welche nicht nur ein sehr unangenehmes Hebei, sondern auch unstreitig die häufige Ursache von zahlreichen chronischen Erkältungskrankheiten bilden.
Literarisches
Im glänzenden Gewände, sowohl was die Ausstattung als den Inhalt der Nummer anbelangt, präsentirt sich uns Nr. 1 des Jahrganges 1897 der »Sraifetta*, Blätter für Damenradfahren, die mit dem neuen Jahre in den Verlag von Ernst Heinrich Meyer, Dresden-A., Poppitz 18, übergegangen ist. Die Redaction liegt in den Händen der bekannten Schriftstellerin und Sport-Autorität, Frau Dr. Wettstein-Adelt. Die Zeitung enthält eine reiche Zahl sehr guter Abbildungen aus allen Gebieten des Sportes und der sportlichen Mode, Bilder bedeutender Fahrerinnen rc. Neu und originell ist die Ein- theilung des Blattes in einzelne Rubriken, wie: Sport, Hygieine und Schönheitspflege (unter Leitung eines Arztes), Sportlicher Fragekasten, Tauschkasten, Sportsmode, Brief- und Sprechecks u. s. w. Dazu kommt ein Roman oder eine größere Novelle, in der uns z. B. vorliegenden Nummer die Novelle „Licht" von Doris Freiin von Spaettgen. Sehr bemerkenswerth und zutreffend gehalten ist der Aufruf „Was wir wollen", der das Radfahren der Frauen endlich an die richtige Stelle setzt und ihm die Exclusivität des Sportes in seinen Ausführungen nimmt. Beachtenswerth sind ferner die Artikel „Unsere Signalglocken", „Selbsthilfe der Radfahrerin", die köstliche Satyrs „Alles radelt", „Das Radfahren in Bezug auf die Gesundheit", die Rubrik „Von Ueberall" und viele andere Arbeiten des 16 Seiten starken Heftes. Die „Draisena" erscheint je am 8. und 22. jeden Monats und kostet pro Jahr nur Mk. 6,—. Man abonrürt bei allen Postanstalten, Buchhandlungen und Zeitung sspediteuren.
Redaction: «. Scheyda. — Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gieße«-


