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elig, wem die Thräne rinnt, Dicht wie Regentropfen fallen; Ungeweinte Thränen sind
Wohl die schmerzlichsten von allen.
Bläst uns, o Welt, in deinem Haus Der Tod des Lebens Lichtchen aus, Wird am Geruch es offenbar, Wer Talglicht oder Wachslicht war.
Prutz.
Das Haus der Schatten.
Roman von Robert Kohlrausch.
(Fortsetzung.)
Es war Nachmittag, aber noch hell, und Doctor Jaksch wollte sich eben zum Ausgehen ankleiden, um einige Besuche zu machen, als sein Diener eintrat und meldete, daß ein Kranker geschickt habe, der dringend nach dem Arzte verlange.
„Riesig eilig hat er es jemacht," fügte der Diener hinzu, „als wenn er sich schon 'n Extrazug ins Jenseits bestellt hätte. Sehr wat Feines scheint es aber nich zu sein- Meyers Gasthaus am Langen Hagen, na, ersten Ranges iS det jrade nich."
„Lieber Carl," sagte Doctor Jaksch sehr freundlich, „es ist mir angenehmer, wenn Sie sich auf die einfache Meldung beschränken und alle weiteren Lebensgeschichten und dergleichen für sich behalten. Und so viel sollten Sie auch bereits wissen, daß ich meine Patienten nicht danach beurthcile, ob sie „was Feines," wie Sie es nennen, sind oder nicht. Ich frage nur danach, ob einer krank ist, und ich ihm helfen kann. Und wenn Sie sich die Mühe machen wollten, so könnten Sie leicht hier in der Stadt hören, daß ich zu Anfang meiner Praxis eine Sprechstunde gehabt habe, in der ich armen Leuten völlig unentgeltlich meinen Rath ertheilte. Das hat mir viel Freude gemacht. Ich bitte Sie, sich immer dessen zu erinnern. So, nun verschließen Sie die Thüren gut, wenn ich fort bin. Ich gehe jetzt gleich nach Meyers Gasthaus."
Er ging, und als er draußen war, dachte der Diener, der ein wenig beschämt zurückgeblieben war: „Es is man einmal 'n juten Herrn."
Doctor Jaksch hatte nur einen kleinen Weg bis zu dem
bezeichneten Gasthaus, der alterthümlich und behaglich, wenn auch klein und einfach am Langen Hagen sich erhob. Auf seine Frage wurde der Arzt nach einem hinten hinaus gelegenen Zimmer des ersten Stockwerks gewiesen, wo er den Kranken finden würde, der zu ihm gesandt habe. Er sei erst heute Mittag angekommen und habe sein Zimmer seitdem nicht wieder verlassen. Auch sein Mittagbrod habe er dort eingenommen.
Erst als er die Treppe hinanstieg, fiel dem Doctor ein, daß er vergessen habe, nach dem Namen des Fremden zu fragen, und daß ein solcher auch bei der Bestellung nicht genannt worden sei. Doch zerbrach er sich den Kopf nicht darüber, sondern klopfte an die Thür, deren Nummer man ihm bezeichnet hatte.
Als er sie auf das „Herein" von einer schwachen, heiseren Stimme nun aber öffnete, war er überrascht, den Fremden nicht im Bett oder auf dem Sopha liegend zu finden, sondern aufrecht mitten im Zimmer, den Rücken den Fenstern zugewandt, so daß sein Gesicht nur undeutlich zu erkennen war.
„Mein Name ist Doctor Jaksch," begann der Arzt, „Sie haben zu mir geschickt, wenn ich nicht irre?"
„Ich habe zu Ihnen geschickt."
Es war etwas in dem Klang dieser durch Krankheit entstellten Stimme, das den Doctor verwirrte. So schwieg er einen Augenblick, dann sagte er: „Darf ich zuvor um Ihren Namen bitten?"
„Sehen Sie mich an."
Langsam wandte der Kranke sich dem Lichte zu, das von draußen hereindrang, und Doctor Jaksch trat ein paar Schritte vor, ihn zu betrachten. Und aus der hageren Gestalt, aus den eingefallenen Zügen, aus den erloschenen Augen, aus dem dahin schwindenden Schatten eines Menschen trat ihm das Bild eines anderen entgegen, eines Mannes, der frisch, hübsch, von jugendlichem Leben erfüllt vor ihm gestanden, und den er nie wiederzusehen gedacht hatte. Er fuhr zurück, als er ihn erkannte, dann, als die erste Ueber- raschung vorüber war, brach er zornig los.
„Zum Teufel wie kommen Sie hierher? Nein, seien Sie still, ganz still, sagen Sie noch nichts." Er ging eilig, mit wiedergewonnener Geistesgegenwart zur Thür, blickte hinaus, ob kein Horcher in der Nähe sei, drückte sie wieder feft ins Schloß und schob den Riegel vor.
„Wir sind allein," sagte er dann, „setzen Sie sich hierher aufs Sopha, da sind Sie am weitesten von der Thür da zum Nebenzimmer. Und lassen Sie uns leise sprechen,


