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(Fortsetzung folgt.)

ftc verschwunden. Aus Amsterdam kam später ein Brief I tnit dem Trauzeugmß und der Bitte um Verzeihung.

Als sei die Sonne ausgelöscht, als tappten wir rathlos im Dunkeln, war uns nach ihrem Weggang zu Muth. Der Baron kränkelte und starb eines Tages ganz unerwartet, den verschuldeten Schwiegersöhnen sehr gelegen, die sich schleunigst in die mäßige Hinterlassenschaft theilten, Gustav um den Besitz des Majorats heimlich beneidend.

Jahre vergingen. Haar und Bart ergraute langsam, I doch keinem von uns Beiden war der Gedanke an eine Heirath gekommen. Sollten wir einem anderen, fremden Mädchen alle die heißen Liebesworte zuflüstern, die wir ihr, der Unvergessenen, niemals hatten sagen dürfen.

In einem Winter, noch länger und härter wie alle übrigen, schrieb Inge, daß ihr Manu nach langem Siechthum in Petersburg einer Brustkrankhrit erlegen sei, und daß sie I und ihr zehnjähriges Töchterchen von allen Mitteln entblößt, in der Fremde stehe.

Wir lasen den Brief gemeinsam, unsere Bucke trafen I sich, und wir wußten, daß für Inge und ihr Kind in Soldin I und in unserem Herzen Raum sei.

Trotz Eis und Schnee fuhr Gustav selbst sie zu holen. Eine Woche fieberhafter Spannung verging, dann kamen sie. Inge in der Wittwenhaube bleich und vergrämt. Für andere Augen vielleicht gealtert, in unseren noch immer die Einzig- | geliebte, dieselbe Huldin, die einstens unsere jungen, feurigen Herzen unterjocht.

Die kleine, schwarzlockige Therese, ganz das Ebenbild des Vaters, wie die Mutter wehmüthig meinte, fühlte sich bald heimisch in dem großen Hause und dem schattigen Garten, in welchem sich so schön spielen und träumen ließ. In der ärmlichen Krankenstube des Vaters war ihre natürliche Lebendigkeit gedämpft und sie zu einem über ihre Jahre ernsten Kinde geworden.

Daß sie bald den Onkel Doctor mit dem Onkel Gustav, der so treu Vaterstelle an ihr vertrat, in ihrem Herzen gleichsteüte, verstand sich von selbst, wetteiferten wir beiden einsamen, alten Narren doch miteinander, ihr jede ihrer kindlichen Launen zu erfüllen.

Ihr verzieht sie mir Beide," schalt wohl Frau Inge, aber aus ihren Augen sprach das Glück, ihr Kind so wohl geborgen zu wissen.

Das waren friedliche Jahre. Wenn ich jetzt an jene Zeit zurückdenke, so erscheint sie mir viel schöner, freuden­reicher, viel wmtscheloser, als jene Tage unserer leidenschaft­lichen, unerwiderten Liebe. Und weil es so schön war,

Es mochte wohl schon spät fein, als ich endlich durch die schwüle Herbstnacht nach Hause ging. Ermüdet sank ich auf mein Lager, um im bleichen Morgengrauen durch den schrillen Ton der Kingel wieder anfgeschreckt zu werden. Ein Bote vom Schloß stehe draußen, Frau Inge sei plötzlich erkrankt, bestellte mir Schwester Minchen mit schreckens­bleichen Lippen.

Ich wußte genug. Wie betäubt lehnte ich im Wagen, der auf der bekannten Straße, zwischen den Ebereschenbäumen dahinrollte- dumpf schlugen die Hufe der Pferde auf, der alte Kutscher, selbst Todesangst im Herzen, hieb unbarm­herzig auf sie ein.

Und was fand ich? Eine sterbende Frau, die mit seltener Fassung ihr schluchzendes Kind zu trösten suchte, mit großen, halbverklärten Augen uns die Sorge für das­selbe au's Herz legte.

Der Arzt konnte hier nichts mehr helfen, aber der Freund lag mit den Anderen auf den Knien, bis die Abeud- glocken, die leise über den See herüberklangen, den letzten letzten Seufzer mit hinwegnahmen.

Wenn ich nun sage, daß es nun einsam um uns wurde, so ist das nicht das richtige Wort. Wie in einer Wildniß i verirrte Wanderer erschienen wir uns im eigenen, wohlbe­kannten Heim. Ohne Steuer und Eompaß trieben wir pfadlos auf hoher See.

Und doch verging die Zeit, Jahr reihte sich an Jahr.

Unser Kind, unsere süße Theerose, wie wir kosend ihren Namen umgeändert, hatte zwischen uns Alten keine sonnige Jugend. Fern von allem geselligen Verkehr verfloß I ihr Leben.

IHabe ich nicht Euch, meinen lieben Wald, Mamas I Grab," sagte sie stets, wenn wir sie bedauerten.Ja, wenn ich von Euch fort, in die weite, fremde Welt hinaus sollte, da müßte ich verzweifeln, aber hier bin ich ja glücklich.

darum konnte es nicht dauern.

Die Mißgunst der Schwestern, die Inge und Therese Eindringlinge nannten, hatte der Freund durch Geldopfer zum Schweigen gebracht, und das Gezisch der bösen Zungen, das sich nah und fern wider uns erhob, kümmerte uns nicht. Was lag uns daran, wenn man sich zuraunte, in Soldin werde ein Liebeshof gehalten, dort säßen zwei alte närrische Minnesänger zu den Füßen ihrer Dame. Was lag uns daran, wußten wir doch selbst, tote schön, von keinem un­reinen Hauch getrübt, unser Verhältniß war. Die Menschen schreckten uns nicht, aber der Tod that es.

Nach einem heißen, regenlosen Sommer kam ein un­gesunder Herbst. Glühende Südwinde brachten uns einen unheimlichen Gast, die Cholera. Ich wurde damals vtel umhergeholt, Alt und Jung hatte Furcht, ein böser Druck lag auf allen Gemüthern, die leichtesten Shmtome wurden für ausbrechende Krankheit gehalten, und so blieb mir weniger Zeit wie sonst für die alten Freunde im Schloß. An einem Sonntagabend wenn ich fetzt davon spreche, ist es mir, als durchlebte ich jene köstlichen Stunden noch einmal saßen wir im eifrigen Gespräch in der großen runden Lindenlaube, Inges Lieblingsplatz. Die Georginen- blüthe», das Spargelkraut stand hoch aufgeschossen wie ein kleiner Wald da, und Therese, eben zur Jungfrau erblüht, pflückte auf den Beeten die letzten Resedastengel.

Von Ceth eg uS.

---- (Nachdruck verboten.)

In dem kleinen aber gewählten Kreise der Philosophen von Fach hat der Name meines einstigen Schulkameraden Fritz Werder einen guten Klang. Es gibt angesehene Ge­lehrten, die den Träger dieses Namens mehr als einmal Schwarz auf Weiß für einen geborenen Philosophen erklärt haben, und ein solches Lob will besonders viel heißen in einer Wissenschaft, deren Jünger sich jeder übereilten Begeisterung

Hier fehlt mir nichts."

Damals war sie glücklich! Und wieder rauschten die schwarzen Fittiche des Todes um das Soldiner Schloß, so meinte ich wenigstens und mit mir die Collegen, die rathlos ein vermeintliches Sterbebett umstanden.

Der Baron hatte einen leichten Schlaganfall gehabt, dieser wiederholte sich unerwartet schnell in wenigen Tagen und brachte eine halbseitige Lähmung mit sich. Das Schlimmste stand zu befürchten. Der berühmteste Professor der Hauptstadt schüttelte den Kopf und gab ihm nur noch für Stunden Lebensdauer.

Es war eine gewitterdurchströmte Hochsommernacht, als ich neben dem Lager des ächzenden Freundes saß und seine mit Todesschweiß bedeckte Hand in der meinen hielt. Wir wußten Beide, was wir dachten. Was wird aus Therese? Das Majorat fällt an eine entfernte Seitenlinie, und in der aefammten freiherrlichen Familie würde sich nirgends ein Plätzchen finden für die Musikantentochter, die Allen längst ein Dorn im Auge. Sie war so weltfremd, ihr ganzes Herz hing an der Scholle, auf der sie aufgewachsen. Da durch­blitzte mein Hirn ein Gedanke, und auch des Kranken Augen flackerten unruhig. Die sorgende Liebe, btc verzweifelnde Angst hatte uns zu demselben Ausweg geführt.