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während Schufterle, den Kopf durch die Eisenstäbe gezwängt, lustig hinausbellte.

Welch fremdartige Erscheinung," sagte der Doctor.

Wie eine Spanierin sieht sie aus."

Ja so etwas Exotisches ist auch dabei," lachte der Bürgermeister.Ein Musikanten- oder Schauspielerkind, so recht konnte man nie dahinter kommen. Und dann diese wunderbare Heirath! Sagen Sie mal, Senglin, finden Sie sie auch so schön?" " »

Schön," meinte dieser nachdenklich,das tft wohl mcht der richtige Ausdruck für dieses Gesicht. Anziehend, märchen­haft, hinreißend!" ,

Lachend drohte der Bürgermetster mit dem Finger. Wenn Alma das hörte! Nun, nun ich Plaudere nicht aus der Schule. Am heutigen Abend, fürchte ich, werden Sie sich etwas abkühlen- sie ist nicht sehr liebenswürdig in Ge­sellschaft, etwas einsilbig und thaut eigentlich nur dem alten Borrmann gegenüber auf, der sie seine Theerose, sein altes Mädel nennt. Sonderbare Verhältnisse in Schloß und Stadt Soldin."

Und der Baron?"

Ist lange ein verlorener Mann, seit Jahren an allen Gliedern gelähmt. Ich kannte ihn nicht mehr, und mein Vorgänger, der volles Vertrauen dort genoß, war wenig mittheilsam- er mochte wohl seine guten Gründe dafür haben. Uebrigens soll der Baron ein Edelmann im schönsten Sinne des Wortes gewesen sein. Alles was jetzt im Schlosse Jn- correctes geschieht, kommt auf Rechnung der schönen Therese.

Warum?" .

Der Bürgermeister zuckte die Achseln. Tradition! Man hat sich nun einmal gewöhnt, sie als etwas Fremdes, Absonderliches zu betrachten. Ihr Wesen, finster, verschlossen, trägt wohl die Hauptschuld. Außer dem alten Geschwister- paar im Doctorhause steht ihr in der Gegend Niemand nahe."

Und ist die Freundschaft solcher Menschen nicht ge­nügende Bürgschaft?"

Man sollte es glauben, doch sie hat die öffentliche Meinung nun einmal gegen sich. Was man ihr vorwirft? Nun, keine Verbrechen gerade. Sie läuft allein Schlittschuh, acht in keine Kirche, hält sich allerlei Gethier, zahme, weiße Ziegen und dergleichen. Im Mittelalter hätten diese Jndicien genügt, sich öffentlich als Hexe zu verbrennen. Doch hier biegt der Weg nach der Oberförsterei ab. Machen Sie kein verdrießliches Gesicht, diese Besuche sind wir Ihrer Zu­kunft, Ihrer Praxis schuldig."

II.

Sie wollen also wirklich wissen, was Therese von Dahl- ström geb. Kleeman eigentlich ist, Herr College?"

Ich bitte darum. Nicht müßige Neugier, tiefgehendes Interesse läßt mich nach dieses Räthsels Lösung forschen."

Der alte Doctor blies dicke Tabakswolken vor sich hin, dann ließ er plötzlich die Pfeife fallen und blickte durchs Fenster gedankenvoll in das leichte Schneegestöber hinaus.

Dann müssen Sie aber auch meine und des Barons Lebensgeschichte mit in den Kauf nehmen- denn wir drei sind untrennbar, unsere Schicksale so eng miteinander ver­webt, daß sich nicht eins von dem anderen lösen läßt.

Wenn ich Ihnen manchmal zu weitschweifig werde, so halten Sie es wohl dem schwatzhaften Alter zugute.

Also, vor länger als sechzig Jahren ließ der damalige Majoratsbesitzer von Wettin, der Baron Walter Dahlström, seinen erstgeborenen Sohn in hiesiger Stadtkirche taufen und nannte ihn zum Andenken an den glorreichen Schwedenkönig, unter dessen Fahnen noch seine Vorfahren gefochten,Gustav Adolf." Wenige Monate später erzeigte er seinem Wirthschafts- vogt die Ehre, dessen Söhnlein über die Taufe zu halten und legte ihm gleichfalls die NamenGustav Adolf" bei. Dieser Täufling war ich.

Obgleich in damaliger Zeit noch eine weite Schranke Feudaladel und Bürgerthum schied, so wuchsen wir beide

Knaben, der Junker Gustav, ich Adolf genannt, doch wie Brüder miteinander auf. Kein Spiel gab es, das wir nicht theilten, keinen Gedanken, den wir nicht gemeinsam hatten. Derselbe Hofmeister unterrichtete uns, dieselbe Hochschule nahm uns später auf, mich um eines ernsthaften Brodstudiums willen, den Junker, um sich der Familientradition gemäß ür einige Semester kopfüber in das studentische Treiben zu stürzen.

Ob es ihn amüsirte, ich wurde mir nie recht klar darüber, aber eins weiß ich, daß ich, nach absolvirtem Examen in das Heimathnest zurückkehrend, ihn neben dem alternden Vater als einen gesetzten, liebenswürdigen Menschen, den alten, ehrlichen Junker Gustav wiederfand. In dem alten schönen Herrenhaus war es recht still geworden, die Baronin gestorben, die älteren Schwestern auswärts ver- heirathet, durch längere Trennung den Ihren bereits ent« remdet. Auch ich kam an eine verschlossene Thür, die Eltern hatten ihre alte Wohnung im Jnspectorhaus mit zwei schmalen, grünen Hügeln auf dem Friedhof vertauscht, und Schwester Minchen that bei fremden Leuten Dienst.

War es unter diesen Umständen nicht ganz natürlich, daß die alte Kameradschaft wieder in ihre Rechte trat? Nur nominell besaß ich eine Wohnung mit Schild und Glocke im Städtchen, in Wirklichkeit war das Soldiner Schloß meine Heimath.

So lebten wir ruhig, friedlich dahin, bis plötzlich au unserem Himmel ein Stern aufging, dessen Leuchten unser brechendes Ange noch sehen wird. Der alte Baron erhielt aus Schweden, von wo seine Familie stammte, die Nachricht, daß seine einzig verwittwete Schwester, mit Hinterlassung einer mittellosen Tochter dort gestorben sei. Obgleich seine Kasse durch das flotte Leben der sportlustigen Schwiegersöhne stark in Anspruch genommen war, besann er sich doch keinen Augenblick, der verwaisten Nichte sein Haus zu öffnen.

Der alte Doctor hielt inne, und seine trüben Augen belebten sich. Die Gedanken mochten wohl weit zurück schweifen, in Vergangenheit und Jugend.

Sie kam hierher," Hub er nach einer Pause wieder an, und ich sehe es noch vor mir, das schöne, schlanke, tapfere Mädchen, mit den leuchtenden blauen Augen, das bald der Mittelpunkt des Ganzen wurde. Inge Lindblad bemächtigte sich der Wirthschaft, führte dem verwittweten Oheim das Haus und ließ sich durch den Neid und die kleinen Bosheiten der verheiratheten Cousinen nicht schrecken.

Brauch ich Ihnen erst noch zu sagen, daß wir Beide sie liebten, heiß, leidenschaftlich, unauslöschlich, wie wohl noch nie ein Weib auf Erden geliebt worden ist. Ich, der junge patientenlose Doctor, der mit dem alten Physicus um die armselige Praxis dort unten verzweifelt kämpfte, kam wohl dabei nicht in Betracht, daß aber auch Gustav, mit düster­gefalteter Stirn, wenig einem glücklich Liebenden glich, war wunderbar. Bald kam die Aufklärung.

Inge liebte, liebte einen Anderen, hatte sich schon vor Jahren einem armen Musiklehrer, der, um sie zu erringen, auf Virtuosenreisen gegangen war, versprochen. Heute hatte sie dem Baron, als ihrem Beschützer und Vormund davon gesagt.

Wir waren keine schwärmerischen Knaben mehr, keine Nichtsthuer, die sich in wohlfeiler Rührung gefielen, aber wir saßen doch die ganze laue Sommernacht stumm neben­einander im Garten und wünschten, der neue Tag mit seinen Sorgen und seinem Lärm möchte nimmermehr anbrechen.

Baron Walter, ein echter Edelmann der alten Schule, wies die Nichte auch zurück, verweigerte seine Einwilligung zu der ungleichen Heirath und verbot, von der Sache u Haupt zu sprechen. ,

Scheinbar fügte sich Inge, festen Schrittes, das klirrenoe Schlüsselbund an der Seite, ging sie ihren WWen " doch zwei Tage nach ihrem vierundzwanzigsten Geburlsiag/ an welchem sie mündig und Herrin ihrer selbst wurde,