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(Alter Spruch.)
Äas Herze fröhlich, $ Den Muth recht ehrlich, ® Die Rede züchtig, Thaten richtig,
Auf Gott vertrauen Und auf ihn bauen. Das sind die Waffen, Die Nutzen schaffen.
„Gnädige Frau!
Der Ruf wälzte weiten Wirthschaftshof schlank, dunkelhaarig in
I.
Frau Baronin! Gnädige Frau!" sich vom Schlosse fort, über den hinweg, bis die Gerufene, groß, einer Stallthür erschien.
„Was falls? Hier bin ich!" fragte sie, indem sie dem kleinen, sie lustig umkreisenden Hund den schwarzen, zottigen
Kopf streichelte.
„Der Herr Bürgermeister mit dem neuen Doctor tst eben vorgefahren," berichtete der Hofverwalter mit der Mütze in der Hand. Beide möchten der Frau Baronin, wenn auch nur für eine Minute, aufwarten."
„Ich komme," sagte sie, flüchtig einige Strohhalme von dem blauen Kleide klopfend. „Aber eins sage tch in allem Ernst, Bentzke, wenn ich meine Ponys und Ziegen noch einmal so schlecht versorgt finde, können Christian und Jochen sich zu Ostern einen anderen Dienst suchen. Schufterle, Du Taugenichts, kommst natürlich mit."
Als sie mit jugendlich elastischen Schritten den Schloßhof durcheilte, brummten die Knechte hinter ihr her: „Ja zu Ostern einen anderen Dienst nur deshalb, weil man ihr Viehzeug nicht bedient wie junge Prinzen. Und das sind doch Alle nur unnütze Brodfresser, der kleine schwarze Satan an der Spitze Ja, zu des Herrn Barons Zeiten war es besser auf Soldin. Aber solch ein Weiberregiment!"
„Laßt mich solche Reden nicht wieder hören," verwies der Verwalter. „Unsere gnädige Frau ist gerade gut, das zeigt sich am besten, wenn Eins auf dem Hofe krank ist und sie braucht."
Als die Baronin auf die Schloßrampe hinaustrat, von der rothglühenden Wintersonne wie von einer Aureole umgeben, blickte der blonde, junge Mann im Schlitten sie rote geblendet an, sodaß es eines leisen Winkes seines Nachbars bedurfte, um ihn zu Gruß und Vorstellung zu bringen.
„Nur im Borüberfahren erlauben wir uns heute vorzu- fprechen," nahm der Bürgermeister das Wort. „Den Kranken dürfen wir ja wohl nicht sehen?"
„Nein, Onkel Gustav, — dem Baron," verbesserte sie sich, „geht es gar nicht gut, nur künstliche Mittel bringen noch Schlaf. Doch da der Herr Doctor —"
„Walter Senglin," vervollständigte dieser mit einer Verbeugung. t .
„Uns nun seinen ärztlichen Rath und Betstand widmen will" — , . „
„Doctor Borrmann selbst wünscht sich zu entlasten.
„Ich weiß." Sie seufzte. „Gicht, zunehmendes Alter! Onkel Adolf kann nicht mehr wie er will. Ach es ist so traurig, wenn Einen Alles verläßt was man liebt'/
„Nun vorläufig lebt der alte Herr ja noch, und darauf, daß er uns noch recht lange erhalten bleibt, wollen wir heute Abend ein volles Glas leeren," fiel der Bürgermeister jovial ein. „Wir feiern heute Fräulein Minchen Borrmanns Geburtstag und haben hoffentlich bett Vorzug, gnübige Frau in unserer Mitte zu sehen."
„Gewiß, wenn mein Kranker nicht zu unruhig ist, komme ich auf ein Stünbchen; Tante Minchen soll nicht ohne meinen persönlichen Glückwunsch sein!"
„Das ist ja reizenb," fiel ber Bürgermeister ein. Meine Frau und Tochter haben mir übrigens die angelegentlichsten Empfehlungen für Frau Baronin aufgetragen."
Mit einer flüchtigen Bewegung des dunkeln Kopfes dankte sie. Des blonden Bürgermeisterkindes erinnerte sie sich kaum, und sie war viel zu stolz, um für die ihr so wenig zugeneigte Damenwelt des Städtchens irgendwelche Sympathie zu heucheln.
„Nun wollen wir aber bte gttabtge Frau nicht langer aufhalten, vom See weht es eisig hinüber, auf bie Nacht können wir leicht noch einmal Schnee bekommen. Hoffentlich also auf Wiedersehen." Sie grüßten verbindlich, und der Schlitten klingelte davon.
Bei einer Biegung des Weges blickte sich der junge Doctor verstohlen um.
Beide Arme auf die Balustrade gelehnt, stand sie noch immer da und blickte sinnend in bett frühen Sonnenuntergang,
Fata Morgana.
Novell« von H. Rens.
------- (Nachdruck verboten.)


