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Litevavisches

' Redaction:.A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Universitäts-Buch- und Sleindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.

hatte der verloren, scheltend.

Freude über diesen Streich kaum zu lassen wußte.

Als aber eine Viertelstunde vergangen war, Componist auch den letzten Rest seines Humors Mit ganzer Kraft warf er sich gegen die Thür, rufend . . .

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Frau Schröder hatte schon öfter aus dem Fenster und nach dem Gaste gesehen. Weder von ihm noch von ihren Kindern konnte sie etwas bemerken. Ob die lose Jugend, wie schon einmal geschehen, in den Taubenschlag des Haus- wirths gestiegen war? Die Mutter wurde bedenklich und hielt es geraten, gleich selber nachzusehen. So kam sie in de» Hof, ftL ß auf die bewaffnete Schaar und hörte die Rufe dts Gefangenen.

Wer ist da eingesperrt?" rief sie aus.

Lachend drehte sich Wilhelmine auf dem Absatz herum. Denke Dir, Mutter, er wollte unser General sein und wußte nicht, was rechts und was links ist! Deshalb steckten wir ihn in den Holzstall!"

Ich begreife Dich nicht wen meinst Du?"

Kannst Du's nicht rathen? Papa Weber steckt da drin!"

Natürlich wurde der Componist schleunigst in Freiheit

.«Litze «ttd ich«, das bekannte humorvolle Ehetagebuch Manuel Schnitzers, von welchem bereits das siebente Tausend erschienen ist (Verlag von Fitedrich Schirmer, Berlin), hat sich nun auch für die öffentliche Vorlesung als besonders geeignet und als außerordentlich wirksam erwiesen. Dem Berliner Hausfrauen-Verein gebührt das Ver­dienst,Käthe und ich" für die Vortragsabende unserer großen Vereine als neue, glänzende Nummer entdeckt und damit dem Berliner Vortrags­wesen eine frische und fröhliche Kraft zugeführt zu haben. Der Ver­fasser selbst las am vorletzten Donnerstag den Berliner Hausfrauen einige Capitel ausKäthe und ich" vor. Der neckende, übermüthige und zugleich gemüthvolle Humor, der schon bei der Lectüre des köstlichen Buches so erfreulich und erquickend-anmuthet, wirkte bei der Vorlesung noch unmittelbarer und zündender. Die Damen kamen bei einzelnen Käthegeschichten aus dem Lachen gar nicht heraus und begleiteten die lustigenErfahrungen und Erlebnisse aus junger Ehe" mit dem heitersten Interesse.

gesetzt. Als er mit einem recht sauren Gesicht in bett Sgmmi- schein trat, empfingen ihn Frau Schröder- Entschuldigungen. Er versuchte zu lächeln, aber die Falten auf seiner Stirn drückten noch seine Verstimmnng aus. Stumm bot er der Wirthin den Arm, und stumm schlichen Wilhelmine und ihre jüngeren Geschwister hinterdrein. Sie mochten denn doch wohl fühlen, daß sie etwas recht Dummes begangen hatten und ahnen, daß oben in der Wohnstube ein schweres Ge­witter Heraufziehen würde.

Ziemlich schweigsam setzte man sich um den Tisch. Kein freundlicher Blick der Mutter fiel auf die Kinder. Die köst­lichen Schnitzeln wollten doch nicht recht munden und Weber sah noch immer verdrießlich aus. Was brachte die Magd nun aber herbei? Sein Leibgericht, einen gesottenen Fisch!

Die Andern hatten keinen Appetit, doch Weber für Zwei. Es währte auch gar nicht lange, so wurde er heiterer und sein Aerger war Plötzlich vorbei. Er hob das Glas und rief:Auf die Gesundheit der Mutter und Tochter, auf das Wohl der ganzen Familie!"

Frau Schröder dankte mit herzlichen Worten, aber ein tiefer Seufzer entrang sich ihrer Brust.

Was quält Sie?" fragte der Künstler, der bei dem Fische den Holzstall schon völlig vergessen hatte.

Sie ließ das feuchte Auge auf Wilhelmine ruhen und sagte:Dieses Kind macht mir große Sorge. Solch' einen Streich, wie sie Ihnen spielte, führt sie fast an jedem Tage aus. Wie soll das enden? Und in ihrem Alter verlangt man doch größeren Ernst! Aber auf der Straße, auf dkm Hausflur, in der Hand den Säbel, so ist's ihr am wohlsten und ich fürchte, daß sich das Schicksal einst bitter an ihr rächen wird!"

Mutter!" rief Wilhelmine.

Liebe Frau," sprach Weber,wohl Ihrem Kinde, daß es noch ein Kind ist. Nur zu bald kommen die Tage, an deren Füßen Bleigewichte hängen. Doch genug. Was mich betrifft, so bin ich Wilhelminen innigst dankbar."

Dankbar?" Alle horchten gespannt auf.

Sehr erklärlich," fuhr er fort,denn wird man nicht in Arrest gesteckt, um sich zu bessern? Nie hatte ich mich bemüht, den Unterschied zwischen rechts und links zu lernen, aber von heute an wird es mein größtes Bestreben sein, das leichtsinnig Versäumte nachzuholen."

Wie tausend Sonnenstrahlen flog es da über Wilhelminens Antlitz.

Mutter, was sagst Du nun?"

Und als sie die Mutter dann herzlich lachen sah und merkte, daß ein günstiger Wind das Gewitter ganz ver­scheucht, da setzte sie, das Glas schwenkend, noch hinzu: Hoch lebe der Gebesserte! Hoch lebe der Freischütz! Papa Weber lebe hoch!"

ein alberner Kind und ich kann reden, s» viel ich will, es wird nicht ander- mit ihr . .

Kaum hatte es am nächsten Mittag auf dem StephanS- thurme zwölf geschlagen, als Weber jenes Haus betrat, in dem Frau Schröder drei Stiegen hoch wohnte. Welch' komischer Anblick bot sich ihm dar! Eine Kinderschaar in Reih und Glied, mit Stöcken auf den Schultern/ rechts ein kleiner Tambour, links ein lieblicher Mädchen als Marketen­derin gekleidet, und davor, den Säbel in der Hand, den drei­eckigen Hut mit wallendem Federbusch auf dem Haupte, Wil­helmine, die beste Sängerin der Agathe, als Offizier!

Den Componisten sehend, warf sie den Säbel auf den Boden.Papachen, es giebt Schnitzeln. Noch eine Viertel­stunde recht tüchtig marschiert! Sie sind der Aelteste und deshalb unser Commandeur. Soldaten, hier Euer General. Achtung!"

Zwar hegte Weber keine Lust, sein neues Amt anzu­treten, aber in seiner Gutmüthigkeit wollte er den Scherz nicht verderben.

Richt Euch! Marsch!" rief er aus.

Die kleine Schaar setzte sich gleich in Bewegung, bis die Wand ihren Schritt hemmte.

Rechts um," commandirte Weber.

PaUMen, Sie schwenken nach links," rief Wilhelmine.

Ja w! Marsch!" Und wieder ging's den Hausflur hinab, bis die Wand abermals Stillstand gebot.

Links um!"

Aber, General, jetzt drehen Sie sich nach rechts," rief Wilhelmine.Sie wollen commandiren und können nicht rechts von links unterscheiden? Das fordert schwere Strafe! Ein Kriegsgericht!"

In den Arrest mit ihm," jubelte die Schaar wie aus einem Munde.

Der arme, gutmüthige Weber! Er ließ sich die Hände binden, auf den Hof und in den Holzstall führen. Er lachte und nickte sogar, es war doch nur Scherz. Von draußen wurde der Riegel vorgeschoben.

Alle halten Wache," befahl Wilhelmine,es ist ein sehr berühmter Gefangener!"

Einige Minuten verstrichen, da pochte Weber. Jetzt sei es genug des Spiels, eS sei finster und dumpf tu diesem Stalle. Keine Antwort, nur ein Kichern ertönte. Wieder schwanden einige Minuten.Zum Henker, so macht doch auf! Ich habe Hunger und die Schnitzeln werden kalt!"

Oho, die Schnitzeln stehen im Ofen und der Appetit muß noch besser werden," sagte Wilhelmine, die sich vor