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WaS giebt's?" fragte et. Sie trat, ohne zu ant­worten, zum Ausgang des Zimmers, öffnete leise und spähte hinaus in die Dunkelheit. Gedämpft kam unten der Ton durcheinander redender Männerstimmen zu ihr herauf, da­zwischen der Klang von schweren Schritten auf hölzernen Stufen. Sie wandte sich in das Gemach zurück und lehnte die Thür an, ohne sie fest zu schließen.Es ist zu spät, er ist rascher als wir," sagte sie in einem Tone, der Haß und Hoffnungslosigkeit zugleich verrieth.

Neuert sah mit wilden Blicken im Zimmer umher, als suche er nach einem neuen Ausgang, nach einem Versteck, in dem er sich vor seinen Verfolgern verbergen könne. Die Mutter trat zu ihm heran und legte den Arme um seine Schultern.Sle sollen Dich nicht fassen, ich helfe Dir. Hör' mich an."

Als ständen die Häscher bereits vor der Thür und könnten jede Silbe vernehmen, die drinnen gesprochen wurde, so begann sie nun zu flüstern, dich: an seinem Ohr, ihm selbst kaum vernehmlich. Aber er mußte sie trotzdem verstehen, denn er nickte zuweilen zu ihren Worten, und als sie geendet hatte, drückte er ihr die Hand. Dann begann auch er, ihr zuzuflüstern, halblaute, hastige Worte, bei denen etwas wie Genugthuung und Hoffnung in ihren Augen aufblitzte.

So wird es gehen," sagte sie, als er schwieg.Hier ist Geld für den Anfang und wir bleiben ja in Verbindung."

Sie hatte ein Portemonnaie hervorgezogen, das sie ihm reichte und das er eilfertig zu sich steckte.Es ist Zeit, es ist Zeit!" drängte er sie, nun auch gespannt nach unten horchend. Sie wollte noch etwas sagen, aber sie fand keine Worte, und mit einem halberstickten Schluchzen zog sie den gefundenen und schon wieder verlorenen Sohn noch einmal an sich, um ihn zu küssen. Dann gab sie ihn frei, glitt aus der geräuschlos geöffneten Thür und stieg, anstatt in die unteren Räume des Hauses zurückzukehren, wo sie den sich nähernden Männern begegnen mußte, die leiterähnlichen Treppen hinan, die weiter in den Giebel emporführten. Schwere Dunkelheit lag dort oben, nahm sie in ihre Schleier und ließ sie verschwinden.

Jetzt klopfte es an Neuerts Thür und bevor er noch antworten konnte, wurde sie aufgerissen. Mit Lichtern in den Händen standen ein paar Polizeibeamte davor, deren Führer in's Zimmer hineintrat und dem Schlosser einen Verhaftsbefehl entgegenhielt.

Sie sind der Schlosser Neuert, nicht wahr?"

Bis jetzt bin ich unter diesem Namen gelaufen," gab Neuert mit grimmigem Lächeln zur Antwort, in dem die Er­innerung an sein Recht, einen andern Namen zu beanspruchen, drohend aufleuchtete.

Das genügt. Ich habe den Auftrag, Sie zu ver­haften."

Weshalb, wenn ich fragen dürfte?"

Wegen dringenden Verdachts, einer anarchistischen Ver­einigung anzugehören." *

Neuert warf einen Blick auf die Papiere, die am Boden lagen; er hatte sich vorhin, während er ein paar andere Gegenstände zu sich steckte, nicht die Mühe gemacht, sie von Neuem zu verbergen. Ec wußte, daß er ohnedies verloren war, daß es einen Zeugen gab, dem die gestohlenen Schriften genügt hatten, ihn zu vernichten.

Ich werde mich doch wohl erst ankleiden dürfen?" fragte er kurz.

Der Beamte schaute flüchtig auf seine ungeordnete Klei­dung.Das können Sie, aber machen Sie schnell," gab er zur Antwort.

Ich bin krank gewesen, Herr!" sagte Neuert mit einem Wiedererwachen seines alten Trotzes.

Das wissen wir, sonst hätten wir Sie uns schon eher geholt. Beeilen Sie sich."

Während einer der Beamten, die ihrem Führer in das Zimmer gefolgt waren, auf seinen Wink die Papiere und was sonst noch an verdächtigen Gegenständen vorhanden war,

an sich nahm, machte Neuert von der ihm gewordenen Er- laubniß Gebrauch. Aber war es die Krankheit, war es die Erregung des Augenblicks, war es absichtliches Zögern, wie der Polizeibeamte ihm vorwarf, die Finger wollten hm nicht gehorchen, er warf die Kleidungsstücke hierhin und dorthin, und es dauerte geraume Zeit, bis er seinen Anzug vollendet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Im Arrest.

Eine lustige Geschichte aus dem Leben Carl Maria von Webers. Von Carl Neumann-Strela.

------- (Nachdruck verboten.)

Es fiel natürlich auf, daß Carl Maria von Weber, der unsterbliche Componist desFreischütz", als er einst in einen Familienkreis trat, zur Mutter blondlockiger Knaben und Mädchen sagte:Vor allen Dingen lehren Sie Ihre Kinder rechts von links unterscheiden, denn deshalb in den Arrest zu kommen, ist wirklich nur eine Kleinigkeit."

Was war da erklärlicher, als daß man ihn von allen Seiten förmlich bestürmte, sich näher zu äußert, ein Beispiel zu erzählen. Er selbst, meinte man, müßte bos erlebt haben. Und wirklich Weber gestand, er habe erst in späteren Jahren gelernt, was rechts und was links sei und dieser Un- kenntniß wegen sei er während eines seiner Besuche in Wien in ein sehr finsteres Gewölbe gesperrt worden.

Wer war dieser ganz abscheuliche Mensch, der Sie des­halb gefangen nahm?" fragte die entrüstete Mutter.

Eine Dame war es," sagte der Tonkünstler lächelnd, und noch dazu eine Dame, die bald darauf Weltruf er­langte. Es war Wilhelmine Schröder-Devrient."

Unmöglich! O bitte, erzählen Sie," riefen da ein halbes Dutzend Stimmen wie aus einem Munde.

Und diese Geschichte, die Weber hinter einer Flasche goldenen Rebensaftes zum Besten gab, war so:

Am 7. März 1822 kam er nach Wien, um noch an demselben Abend denFreischütz" zu dirigiren. Die Proben hatte der ständige Capellmeister geleitet,- Weber mußte aus dem Wagen springen und nach dem Theater eilen. Das Jauchzen der Menge empfing ihn- der Ouvertüre und jeder Arie folgte rauschender Beifall. Doch hatte er kaum ein Ohr dafür und für die Darstellerin des Aennchen kaum ein Auge. Denn wer ihn durch den wunderbaren Gesang fast ausschließlich fesselte, war das siebzehnjährige schlankgebaute Mädchen, das die Agathe sang- ihr Name auf dem Zettel lautete: Mamsell Wilhelmine Schröder.

Als die Gardine zum letzten Male gefallen, eilte der Componist auf die Bühne.Liebstes Kind," rief er Wilhel­mine zu,Sie sind die erste Agathe der Welt und haben Alles übertroffen, was ich in die Rolle hineingelegt."

Wirklich, Herr Weber? Das ist wirklich Ihr Ernst?" rief das Mädchen.Ich hätt's also ganz leidlich gemacht?

Ach was, Sie dürfen mir's nicht übel nehmen, ich muß

Ihnen einen Kuß dafür geben und Sie schlechtweg Papa

nennen. Also Papa Weber, ich hab' Sie und Ihre Musik auch sehr lieb, und ich möchte so gern so recht viel und recht lange mit Ihnen plaudern. Wär's Ihnen recht? Sie müssen morgen meine Mutter besuchen. Bitte, Papachen, kommen Sie zu Tisch und damit Sie einen guten Appetit mitbringen, spielen Sie erst mit mir und meinen Geschwistern unten auf dem Hausflur Soldaten. Schlagen Sie ein?"

Herzlich lachend schlug er ein. Da trat Frau Sophie Schröder, die Wilhelminens Worte vernommen hatte, kopf­schüttelnd aus der ersten Coulisse.

Ich bitte dringend," sagte sie,daß Sie Wort halten, Herr Capellmeister, und morgen unsere Mahlzeit theilen. Aber vergeben Sie meiner Tochter das Geschwätz. Sie ist