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|o zu sagen von Berufswegen enthalten und das Maß ihrer Anerkennung bis auf die Breite eines Gpinnwebsadens genau bestimmen. Was mich angeht, so kann ich bezeugen, daß Fritz Werders philosophischer Zuschnitt, wenn nicht bis in die Zeit seiner ersten Windeln, doch sehr weit zurückreicht. Denn unsere Bekanntschaft leitet sich ja von den Jahren her, da wir zu­sammen auf der Schulbank saßen und Cicero, Horaz und Demosthenes präparirten. Schon damals war Fritz Werder das vollkommene Bild strenger philosophischer Weltanschauung, soweit sie eben in Gestalt eines preußischen Primaners er­scheinen kann; in seinem Sprechen, Handeln und ganzen Wesen herrschte eine Ordnung, die bis dicht an's Unheimliche streifte, und als er bei der Abiturienten-Entlassung die deutsche Fest­rede zu halten hatte, lautete das von ihm selbst erwählte Thema: Was heißt und wozu dient methodisches Denken?"

Streng methodisch hat sich denn auch das zarte und überaus schlanke Reis von damals zu dem Gewächs entwickelt, welches heute Fritz Werder heißt. Seinem bürgerlichen Be­rufe nach ist er jetzt königlicher Gymnasialoberlehrer mit einem Gehalte, der für eine Familie ohne allzu weitgehende Ansprüche ausreicht. Kundige werden aus dieser Thatsache unschwer ermessen können, wie viel Jahre Fritz Werder zur Zeit ungefähr zählt, und wie viel oder wenig uns noch fehlt, bis wir da§ silberne Jubiläum unserer Bekanntschaft feiern können, die, wie gesagt, in Unterprima anfing.

Die Jahre und Jahrzehnte haben auch an Fritz Werders äußerer Erscheinung ihre Spuren hinterlassen. Sein bartloses Gesicht ist gefurcht in wagerechter und senkrechter Richtung, und seine Haare haben sich vor dem Sturme der Zeit wie ein belagertes Gebirgsvolk auf die höchsten Pässe zurückge­zogen ; dort aber liegen sie früh und spät, von des Meisters Hand geordnet, so regelmäßig nebeneinander wie die Striche auf einer Radierung. Was das Runzeln angeht, so folgt deren methodische Anordnung schon daraus, daß sie ja ledig­lich das Ergebniß methodischen Denkens sind.

So ein Philosoph ist doch ein glückliches Wesen. Besonders uns Dichter kann er manchmal recht neidisch machen. Eigent­lich gehört doch das Reimen zu unserem Geschäft. In Wirklichkeit aber ist allein er im Stande, sich einen Reim auf Alles zu machen, was ihm geschieht. Und das ist ein großer Vortheil. Denn was geschieht einem mitunter nicht alles auf dieser buckligen Erdkugel!

Zum Beispiel, was Fritz Werder neulich, in den vorigen Frühjahrsferien passiert ist.

Jemand nämlich seine Tante hatte für diese Ferien einen sehr ernsten Anschlag auf Fritz Werders Zeit und Ruhe geplant. Die gute Tante fand, daß ein Gymnastal- Oberlehrer mit ausreichender Besoldung ohne Weib doch eigent­lich nur ein halbes Wesen sei- und wie alle Tanten in solchem Falle entdeckte sie auch alsbald für ihren unvollständigen Neffen die bessere Hälfte. Es war eine entfernte Verwandte, die Waise vom Land, mit verschiedenen für den Freier höchst schätzbaren Eigenschaften: jung, hübscki, wohlerzogen und im Besitze einer stattlichen Mitgift. Obendrein aber war sie mit Fritz Werder bereits von klein auf oberflächlich bekannt und schwärmte für Flötenspiel: letzteres aber war, wie wir unmethodisch denkenden Menschen zu sagen belieben, geradezu ein Wink des Schicksals: denn Fritz Werder bläst die Flöte, freilich unr einigermaßen, aber doch.

Die Tante hatte die Geschichte so weit schon ganz fein eingesädelt, das hübsche blonde Mchtchen war zu Besuch bei ihr abgestiegen und freute sich zunächst darauf, den gelehrten Vetter einmal wieder flöten zu hören. Auch Fritz Werder stand dem Plane wohlwollend gegenüber: denn so ordnete er seine Gründe, erstens hatte die Tante nicht Unrecht mit ihrer Ansicht, daß ein Mann in seinen Jahren des Weibes bedürfe,- zweitens lag darin, daß er vom Staate ein familienkräftiges Gehalt empfing, für ihn als Staatsbürger eine Art Verpflichtung, die dabei vorausgesetzte Familie baldmöglichst in's Dasein zu

rufen- dritten- durste er dar Wohlwollen der Tante nicht verscherzen, und vierten» war ja Bärchen Elsbeth doch auch wirklich ein ganz artiges Mädchen, wohlerzogen und verständig, soweit er dem seiner Ansicht nach minderwerthigen weiblichen Geschlechte Verstand zuerkennen konnte. Aber er hatte sich gerade diese Ferien für die endgültige Abfassung einer seit drei Jahren vorbereiteten philosophischen Arbeit vorge­nommen- und durfte er sich nun der Wissenschaft entziehen, entziehen um eines Weibes willen?

In dieser Unentschlossenheit verbrachte Fritz Werder einige recht unangenehme Tage. Mehr als einmal hatte er schon den schwarzen Rock aus dem Schranke geholt und das Flöten- futteral in die Ueberziehertasche geschoben, um den Damen einen ersten musikalischen Besuch abzustatten, mindestens ebenso oft hatte er sich Papier und Federn zurechtgelegt, um die Einleitung zu seiner Abhandlung zu schreiben. Aber in beiden Fällen gelangte er nicht zur Freiheit des Entschlusses. Es kam schließlich so weit mit ihm, daß er seinen sonst so philosophisch erhabenen Geist zu dem heimlichen Wunsche erniedrigte, das Schicksal möge ihm durch irgend einen Zufall oderWink" die Willensrichtung geben. Kaum aber hatte er sich auf diesem Wunsche ertappt, so nahte auch schon der Schicksalsbote in Gestalt des Schriftstellers Karl Semper.

In jedem anderen Falle würde Fritz Werder den Besuch dieses Mannes ungefähr nur mit einem inneren Seufzen ertragen haben- denn er hielt Karl Semper für den Unphilosophischsten und Leichtlebigsten unter seinen Bekannten, und sie paßten auch in der That so zusammen, wie eine Schildkröte und ein Schmetterling. Diesmal aber hatte der flattersinnige Schriftsteller eine verhältnißmäßig solide Absicht. Er wollte sich wieder einmal im Flötenspiel üben, das er vor Zeiten zusammen mit Fritz Werder erlernt hatte, und jammerte, daß seine Flöte ihm beim letzten Umzug abhanden gekommen sei. Bis er sich eine neue zulegen könne, müsse er erst den Empfang des Honorars für einen Roman abwarten, den er nächstens schreiben wolle.

Mit kühnem Griff faßte Fritz Werder die Gelegenheit bei der Stirnlocke. Er drängte dem freudig überraschten Schriftsteller sein Instrument zur leihweisen Benutzung ordent­lich auf und notirte sich nicht einmal die derzeitige Wohnung deS Entleihers, wie er dies in solchen Fällen sonst stets zu thun pflegte. Dann, sobald jener mit der Flöte abgezogen war, verriegelte er die Thür und machte sich mit erleichtertem Gemüthe an seine Abhandlung.

Das Thema lautete:Die Meinungen der jüngsten Philosophen über Tod und Unsterblichkeit, kritisch beleuchtet." Es war ein sehr schönes Thema, aber auch sehr schwierig, und als Fritz Werder den Punkt hinter den letzten Satz seiner umfänglichen Arbeit gesetzt hatte, waren die Ferien glücklich bis auf einen Tag herum. Ec hattte während dessen das Haus nur zu den nöthigsten Ausgängen verlassen. Drei oder vier dringende Einladungsbriefchen der Tante zu musikalischen Abenden hatte er mit einer kurzen Bitte um Entschuldigung beantwortet, da seine Flöte zur Zeit noch in Reparatur sei. Nun aber beschloß er, für die letzten andert­halb Tage der Ferien sich methodisch und ausschließlich der Geselligkeit und dem Naturgenuß zu widmen- denn wie er sich nach Vollendung seines Werkes zufrieden aufathmend zum Fenster hinaus lehnte, bemerkte er, daß die Kirschbäume draußen in voller Blüthe standen, und hörte die Amseln singen. Daraus schloß er, daß es völlig Frühling geworden sei, und daß es ihm nicht zu verwehren sein werde, wenn er sich nun auch einmal frühlingsmäßig fühle und benehme. (Schluß w

Humoristisches.

Stimmt auffallend. A.:Die Tochter der Commerzienräthin paßt sehr gut zu ihrem Pneumaticrad.^ B.:Warum beim?"Sie ist auch immer aufgeblasen.

Scheyda) in Sichen.

Redaktion: T. Echeyda. Druck und Verlag der Brübl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch &