Da« schöne Frl. Francrs Work von New Kork führte mit dem ehrenwerthen James Boothbh Burke Roch« eine so unglückliche Ehe, daß sie nach Amerika zurückkehrt^ und sich hier scheiden ließ.

Graf Paul Hatzfeld, der jetzige deutsche Gesandte in London, wurde vom Fürsten Bismarck s. Z. gezwungen, sich von der Amerikanerin Helene Moulton, mit der er verhei- rathet war, scheiden zu lassen. Seit Bismarcks Rücktritt hat sich das Paar wieder ausgesöhnt und diese Ehe erneuert.

Der jetzige britische Ministerresident in Quito, William, der Bruder des bekannten Novellisten Rider Haggard, hei- rathete Karoltne Caroll, verließ sie aber nach einigen Jahren einer unglücklichen Ehe und ließ sich von ihr scheiden.

Mary Plummer von New-Uork heirathete den franzö­sischen Abgeordneten Clemenceau, von dem sie sich scheiden lassen mußte.

Lord Edmund Fitzmaurice, der jetzige englische Kriegs­minister, heirathete 1889 eine Tochter von W. I. Fitzgerald von Lichtfield Conn., die sich aber sehr bald veranlaßt sah, von ihm zu gehen und um die Scheidung nachzusuchen.

Auch die Ehe von Jennie Jerome mit Lord Randolph Churchill war nichts weniger als eine glückliche, da der Lord sehr den Trunk liebte und überdies schon leidend war. Die Gatten trennten sich und erst seit dem Tode Randolphs versichert dessen Wittwe, daß sie wieder Freude am Leben habe!

Sehr schlimme Dinge hatte die Herzogin von Malbo- rough mit ihrem Gatten zu erleben, der sie auch zwang, die Lady Colin Campbell bei sich zu empfangen, obgleich er in dem Ehescheidungsprozeß dieser Dame der Hauptbetheiligte war. Sie mußte sich später noch bequemen, die Summe von 50 000 Dollars ihrer Nebenbuhlerin auszuzahlen, die der Herzog derselben vermacht hatte.

Die Ehestreitigkeiten zwischen der Tochter der Frau Audenried aus Washington und dem französischem Grafen Covet-Divonne erregten öffentliches Aergerniß. Der Graf verlangte von seiner Schwiegermutter stets mehr Geld, als diese zu beschaffen im Stande war.

Ein Urenkel des Marschall Vorwärts, der Graf Ferdi­nand Franz Blücher, brannte mit einem jungen Mädchen aus Brooklyn eines schönen Tages durch, heirathete sie, ließ sie aber nach einiger Zeit wieder sitzen, indem er sich west­wärts in die Büsche schlug. Schließlich kehrte er nach New- Iork zurück, um völlig verarmt im Hospital zu sterben.

Frl. Bonynge von Californien heirathete Lord Deerhurst und mußte die Ehescheidungsklage gegen ihn anstellen.

Fürst Hatzfeldt hatte die allergrößten Schwierigkeiten mit den europäischen Gläubigern, seit er die Tochter des Eisenbahnkönigs vom Stillen Ocean, Collis T. Huntington, geheirathet hatte. Seine finanziellen Calamitäten waren und sind so große, daß die HoMungen, die seine hübsche Frau gehegt, drüben eine hervorragende Rolle in der Ge­sellschaft zu spielen, trügerisch sein dürften.

Tragisch ist das Schicksal von Frl. Florence Garner von New-Dark, deren sauberer Gemahl, Sir William Gordon Cumming, als Falschspieler entlarvt wurde.

Kaum minder schlecht erging es folgenden Damen:

Gwendolen Caldwell wurde vom Prinzen Joachim Murat verlassen, weil sie ihm die Verwaltung ihres ganzen Vermögens nicht überlassen wollte.

Frl. Beach-Green hatte dasselbe Schicksal seitens des verstorbenen Earl Cairns zu erleiden, weil ihre Mutter nicht die Hochzeitsgeschenke bezahlen wollte, die der Bräutigam bestellt hatte.

Der Marquis von Anglesey ließ Frau Whetmore von New-Dark sitzen, nachdem sie sich seinetwegen von ihrem Manne hatte scheiden lassen.

Gefoppt wurden in ähnlicher Weise die bekannte Schrift­stellerin Lulu Fletcher vom Enkel Byrons, dem Earl of Lo-

velace, die Californierin Frl. Burke vom Fürsten Ponia- towki, und Frl. Graee Wilson, die jetzige Frau Cornelius Vanderbilt, vom ehrenwerthen Cecil Baring.

Bei allen den unglücklichen Ehen, die vorstehend aufge­führt wurden, wurde den Frauen von den betreffenden Ehe­gatten mit einem unerhörten Cynismus vorgehalten, daß sie blos ihres Geldes wegen geheirathet seien, wobei häufig auch noch die Familien der unglücklichen Frauen schwer beleidigt wurden. Giebt's doch englische Familien, in denen die Frau des Hauses Amerikanerin ist, aber ihre eigenen Landsleute nicht empfangen darf! Im günstigen Falle muß die Ameri­kanerin alle Beziehungen zu ihrer Heimath abbrechen, um im fremden Lande geduldet zu werden.

Literarisches

Allustrirte Mädchen zelt««-. Für alle Lebensalter und Be­rufsklassen gab es bereits seit langer Zeit eigene Zeitschriften, nur unfein Töchtern fehlte bisher eine solche Die im Verlage von Max Schmidt in Lübeck wöchentlich erscheinende Jllustrirte Mädchenzeitung füllt nun diefe Lücke aus und hat es verstanden, sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens einen weiten Lesekreis zu erobern. Wenn wir einen Blick in die bisher erschienenen Nummern des Blattes werfen, so überrascht uns bei dem überaus billigen Preise von 1,80 Mk. vierteljährlich (durch alle Buchhandlungen und Postanstalten zu beziehen) die Fülle des Gebotenen, da ist nicht nur für anregende Unterhaltung, sondern auch für ernsthafte Belehrung gesorgt. Eine eigene Abtheilung bringt fortgesetzt Vorlagen und Anleitungen zu den schönsten Handarbeiten und Kunstfertigkeiten, neben dem Ernst ist auch dem Scherz der ihm gebührende Platz angewiesen, und so kann man überzeugt sein, daß für jeden Geschmack in ausgiebiger Weise gesorgt ist. Unter den Mitarbeitern finden wir die besten Namen vertreten, an der Illustration sind die ersten Künstler betheiligt, und die Haltung des Blattes ist so gesund und vornehm, daß Jeder es mit Vergnügen und Genuß lesen wird. DieJllustrirte Mädchenzeitung" schlägt nie einen gesucht kindlichen Ton an, sie vermeidet nur das Un­edle und sucht das von der Jugend fern zu halten, was fern gehalten werden muß. Um einen Begriff von der Reichhaltigkeit derJllustrirten Mädchenzeitung" zu geben, wollen wir hier nur den Inhalt der ersten Quartals-Nummer (Nr. 14) anführen: Fünfuhr-Thee von W. Egbert. Gottvertrauen, histor. Erzählung von B. Muschi. Unsere Sonne von Oberstudicnrath Dillmann. Haustöchterchen von Emy Gordon. Hand­spiegel mit Brennmalerei. Das Uebertragen von Mustern. Aus den Erlebnissen einer Helferin. Plauderei über Fußbekleidung und Handschuhs. Mustervorlangen von L. du Bois-Reymond. Stickerei auf Seide und Kleiderbesätzen. Muß ein Bild einen Rahmen haben? Gedenket der darbenden Vögel im Winter. Reiche Illustrationen, Gedichte, Sinnsprüche, Räthsel u. s. w.

Der Winter.

Wie ruht die Welt so friedlich stille In ihrer warmen, weißen Hülle, Womit bedeckt ist Feld und Flur. Die Lieder alle sind verklungen, Verstummt die Vöglein, die gesungen, Im Winterschlaf liegt die Natur!

Vom Reif entsteht im Wald ein Flimmern, Wie tausend Lichter seh idjS schimmern Auf Strauch und Bäumen weit und breit. Wenn nun auch kahl sind Thal und Höh'n, So ist doch auch der Winter schön In seinem Strahlcnkleid!

ES ist der gute Vater droben, Der ihm dies fchöne Kleid gewoben, Und dessen Auge immer wacht.

Er, der auch weiß die Zeit und Stunden, Wo wiederkehret, was geschwunden, Und der dann Alles neu erschafft!

Alsdann wird wie ein neues Leben Der Odem Gottes uns umschweben. Vorüber ist dann Ruh und Schlaf. Und was der Wintersturm verheeret In neuer Schönheit wiederkehret. Es bricht dann an der junge Tag!

So schlumm're nun, du schöne Erde, Bis daß ertönt des Schöpfers Werde, Bis milde Lenzeslüfte weh'n.

Und du verjüngt, mit neuer Kraft Vom Winterschlaie bist erwacht, Dann feire froh dein Aufersteh'n I S. P., Gießen.

Redaction: 8. Echeyda. Druck und Verlag der Brüblffchen UniversitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.