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sie meinte zu fühlen, daß auch für sie eine solche Zeit nicht mehr fern sei/ vielleicht war es eine Katastrophe, die ihrer wartete, einer jener gewaltigen Stürme, wie sie der Frühling zuweilen bringt, aber eine Katastrophe, aus der ein neues, gesundes, grünendes Leben für sie emporsteigen sollte. In solchen Gedanken saß Fran Ina die langen Tage, und wenn auch ihr Gesicht immer blasser und zarter stvurde, wenn ihr Herz ein rasches, angstvolles Schlagen lernte, das ihm sonst fremd gewesen war, wenn ihre Nerven zitterten bei Tönen und Worten, die sie ehemals kaum vernommen hatte, der Strahl der Hoffnung in ihren Augen leuchtete darum doch noch immer.
Es war ein stürmischer und dunkler Tag, der wildeste und unruhigste des bisherigen Frühjahrs, aber auf dem Gesichte des Doctor Jaksch lag trotzdem heller Sonnenschein. Er war zufrieden mit sich, mit dem Verlauf des Winters, mit den Fortschritten, die er auf feiner Bahn gemacht hatte. Die scheinbare Entfremdung zwischen feinem Neffen und Frau Henninger erfüllte ihn mit Freude und Hoffnung, die zahlreichen Krankheiten der langen Frostzeit hatten seine Praxis vermehrt. Vorsichtige und glückliche Speculationen hatten ihm reichen Gewinn gebracht. Eben erst war er vom Bankier nach Hause gekommen, wo er eine stattliche Zahl von Geldscheinen in gute, sicheren Gewinn bringende Papiere umgewechselt hatte, und während er diese dem schon vorhandenen, ansehnlichen Packet in seinem Geldschrank hinzufügte, betrachtete er seinenBesitz mit liebevollen Blicken. Vielleicht hätte Frau Ina wieder von einem Raubthiere gesprochen, wenn Sie den Mann hätte sehen können, wie er hier vordem geöffneten Schranke stand und feine Augen nicht abwenden konnte von dem willkommenen Anblick, wie er zuletzt mit feiner weißen, fleischigen Hand den Haufen von Werthpapieren liebkosend klopfte, wie ein Anderer feinen Hund oder sonst ein Thier liebkost.
Endlich riß er sich los und verschloß mit Sorgfalt die Thür des Schrankes. Ja, er war zufrieden! Sein Weg ging aufwärts, und der Gipfel war nicht mehr fern. Ein Einziges war bisher nicht so gelungen, wie er es gewünscht und erwartet hatte: die Spur, auf die der Taubstumme ihn hingewiesen hatte, war wieder verloren gegangen. Er hatte einen Brief unter der angegebenen Chiffre auf dem Berliner Hauptpostamt deponirt und die Polizei von dem Sachverhalt benachrichtigt. Aber Woche um Woche war vergangen, der Bries lag noch immer da, seltsamerweise war Niemand gekommen, ihn abzuholen. Das war es, was ihn kränkte und zuweilen mit Unruhe erfüllte. Aber wo verlies das Leben so völlig frei und glatt, ohne Hinderniß, ohne Gegenströmung? Nein, solche Dinge dursten ihm die Freude nickt stören,- er hatte Ursache zufrieden zu fein, und er war zufrieden.
(Fortsetzung folgt.)
„Unglück in bet Siebe."
Eine merkwürdige Bilanz stellt das New-Aorker Morgen- Journal auf. Das Blatt veröffentlicht in seiner Ausgabe v. 3. Jan. ein genaues Verzeichnis jener Amerikanerinnen, die durch Heirathen mit europäischen Aristokraten unglücklich geworden sind. Im Ton etwas amerikanisch robust, sind diese Liste und ihre Einbegleitung in der That doch so lehrreich, daß wir sie mit kleinen Kürzungen im Nachfolgenden reprodueieren.
Die meisten Ehen, — also beginnt das New-Iorker Morgen-Journal, — die von Amerikanerinnen mit Ausländern geschlossen wurden, sind unglücklich ausgefallen. In den Ehen dieser Art bilden Trunkenheit und grausame Behandlung geradezu die Regel und angesichts der Thatsache, daß von mindestens dreiviertel aller derartigen Ehen dieses traurige Verhältniß bekannt ist, bleibt es nur zu verwundern,
daß diese Ehen an Zahl eher zu- als abnehmen. Die Sucht Titel und Rang zu erobern, wie das in diesem Lande unmöglich ist, sowie die Neugierde, welche die amerikanischen Evastöchter womöglich noch mehr Peinigt, als die weibliche Jugend anderer Länder, dürften die Thatsache verschulden, die für den Kulturhistoriker dermaleinst von großem Interesse fein dürfte.
Nachstehend möge eine Liste der hevorragendsten Ehen der Eingangs bezeichneten Art hier folgen, damit der Leser sich überzeuge, wie viel Unglück daraus hervorging.
Der verstorbene Herzog von Manchester heirathete, als er noch Lord Mandeville hieß, die New-Uorker Schönheit Fräulein Cansuelo Aznaga, und fing einige Jahre nach der Hochzeit ein wüstes Leben an. Er unterhielt ein Verhältniß mit einer Tingeltangel-Sängerin Namens Bestie Bellwood und mußte mit dieser Gefährtin u. A. einmal im Gericht erscheinen, weil er nach einer Orgie in der Trunkenheit einen Kutscher geprügelt hatte. Die herzogliche Mttwe ist gegenwärtig noch eine der schönsten Frauen von London. Die jetzige Herzogin von Malborough, die frühere Consuelo Vanderbilt, wurde nach ihr benannt.
Die Abenteuer von Frl. Clara Ward aus Detroit, die den Prinzen Chimay heiratete, werden gerade jetzt genugsam besprochen. Ebenso kennt man die Geschichte der unglücklichen Ehe von Frl. Wheeler (Philadelphia), die trotz aller Warnungen den bayerischen Grasen Pappenheim heirathete. Die Gräfin ist jetzt zu ihrer Mutter zurückgekehrt.
Frau de Stuers, eine Tochter von I. Cary, war mit dem holländischen Gesandten in Paris verheirathet, sand aber diese Ehe unerträglich und ging nach Dakota, wo sie die Ehescheidung erlangte. Sie ist jetzt die Gattin eines Herrn Elliot Zborowsky in New-Aork.
Frl. Julia Scott von New-Uork heirathete den englischen Major Johnson, mit dem sie drei Kinder hatte. Sie fühlte sich indesten veranlaßt, in Dakota ihre Scheidung durchzufetzen und heirathete den ungarischen Grasen Erdödy.
Frl. Bestie Curtis von Boston heirathete einen Enkel des berühmten Talleyraud, wurde von demselben aber dermaßen ins Elend gestürzt, daß sie sich veranlaßt sah, ihn zu verlassen. Er setzte infolge dessen die Scheidung gegen sie durch und erhielt dadurch die Möglichkeit, auch noch die reiche Frau Frederick Stevens, die den Titel Herzogin von Dino führt, zu ehelichen.
Die Tochter des verstorbenen Commodore William Henry Me Vivker war zuerst an den Major Charles Grautley Norton verheirathet und wurde daun die Frau seines Neffen, des jetzigen Lord Grantley. Diese Ehe erregte insofern peinliches Aufsehen, als die Dame ihrem ersten Manne durchging, hierauf geschieden wurde und dann gerade fünf Tage vor ihrer Entbindung zum zweiten Male Hymens Feffeln auf sich nahm.
Frau George Stelle von Chicago ließ sich von ihrem amerikanischen Gatten scheiden, um den vornehmen Irländer Arthur Aylmer zu heirathen. Nach einem Jahre bereute sie aber diesen Schritt und ließ sich abermals scheiden.
Die Tochter von I. P. King aus Sand Hills, Ga., heirathete den Marchese von Anglesey, wurde von diesem aber so schamlos behandelt, daß sie sich scheiden lasten mußte.
Die Prinzessin Ferdinand Colonna, Stieftochter von John W. Mackey in San Francisco, mußte vor ihrem Gatten flüchten, der eine traurige „Berühmtheit" durch feine Versuche, ihr die Kinder zu stehlen, erlangte.
Frl. Winaretta Singer heirathete den sogenannten Prinzen Louis de Scey-Montbeliard, dessen Stammbaum unfindbar ist, mußte sich seines skandalösen Betragens wegen von ihm scheiden lassen. Sie heirathete alsdann den französischen Prinzen Eduard von Polignae.
Frl. Nellie Grant, die älteste Tochter des Präsidenten, heirathete Algernon Sartoris von England, mußte sich aber von ihm trennen.


