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VomDeutschen Gretna-Green."

Eine Plauderei aus Helgoland. Von Gustav Kopal.

(Schluß.)

Doch, um aus unser Thema zurückzukommen, vermeiden wir Conjcctural-Politik und beschäftigen uns nicht mit denen, die nach erhaltenem Bescheide seufzend verzichten müssen. Interessanter dürfte der Versuch einer Forschung sein, welche Beweggründe wohl die 50 Brautpaare des laufenden Jahres gerade nach Helgoland geführt haben. Wie aus dem Schema des Pastorats ersichtlich, hätten zweifellos sehr viele unter ihnen die Trauung auf dem deutschen Festlande gleichfalls haben können, wenn sie nur gewollt hätten, denn viel mehr Papiere, als hier verlangt werden, nimmt ja auch der deutsche Standesbeamte von der Etsch bis zu dem Belt schwerlich in Anspruch. ..

Meine Ermittelungen hierüber sind naturgemäß lückenhaft, denn die indiskrete Frage, wie man überhaupt dazu komme, sich gerade aus Helgoland trauen zu lassen, wird selbstverständlich von den Helgoländern nicht gestellt; die stellen überhaupt keine überflüssigen Fragen, das überlassen sie den zahlreichen wißbegierigen Badegästen, denen sie mit unerschöpflicher Geduld zu antworten gewöhnt sind. Also zunächst stellen die so­genanntenUeberseer" ein starkes Contingent. Es ist, so schmerzlich es auch ein deutsch-staatsbürgerliches Gemüth be­rühren muß, eine traurige Thatsache, daß man an sehr vielen Orten jenseits des Oceans von solchen Papieren, die dem biederen Germanen so unerläßlich scheinen, wie die Lebenslust, gar nichts weiß; Imps-, Confirmations-, Militärbefreiungs- ünd so manche andere Scheine, für die ein reich mit Nach­wuchs gesegneter Familienvater sich füglich einen eigenen Schrank ansckaffen kann, hält man in transatlantischen Gegenden für entbehrlichen Luxus. Nun kommt so ein unglücklicher Amerikaner, Asiate, Afrikaner rc. nach Deutschland, verliebt sich in blonde Locken nebst Zubehör, möchte heirathen und will mit dem nächsten Steamer wieder hinüber. Für ihn ist der Umstand, daß man in Helgoland wirklich nur die durchaus nothwendigen Documente verlangt, ganz unschätzbar und mit 200 Mark sehr billig bezahlt.

Eine zweite Kategorie entgeht duich die Helgoländer Trauung den noch bedeutenderen Kosten und Umständen, sowie dem Zeitverluste, die durch das Aufgebot verursacht werden. Hiervon können namentlich Bühnenkünstler ein Lied fingen. Ich habe einmal in Hamburg einen derartigen Aushang ge­lesen, der die Proklamirung des Aufgebots in Wien, Riga und noch einem Viertel Dutzend anderer Städte verfügte, als an denjenigen Orten, wo die Brautleute innerhalb der letzten Jahregewohnt haben", d. h. engagirt gewesen waren. Deshalb wissen auch die Herrschaften vom Theater dieTrauung ohne Aufgebot" zu schätzen.

Das wären die Haupt-Kategorien. Zu ihnen gesellen sich noch vereinzelte Paare, die besondere Gründe haben, sich in der Hcimath nicht trauen zu lassen. Beispielsweise ver­weigern in Mecklenburg die orthodoxen Geistlichen die Trauung zwischen Vetter und Base; den Grund weiß ich wahrhaftig nicht, denn in manchen anderen lutherischen Ländern Deutsch­lands nimmt kein Pastor hieran Anstoß. In England darf man die Schwester der verstorbenen Gattin nicht heirathen; auch das ist mir unerklärlich, weshalb trotz der Bestrebungen vieler Jahrzehnte die vielbesprochenedeceased wifes sister- bill noch nicht durchgedrungen ist. Ferner gibt es Braut­paare, in deren Familiengeschichte irgend ein dunkler Punkt vorhanden ist, von dem man nicht gern spricht, selbst nicht vor dem Standesbeamten und vor dem Geistlichen, denn neben diesen Respectspersonen, deren Diskretion man sicher ist oder doch sein sollte, gibt es Hilfskräfte als da sind Schreiber, Kirchenbeamte re., die man nicht gern im Stammbaum- Geheimniß einweihen möchte.

Schließlich last not least bin ich der festen Ueber- zeugung, daß es selbst in unserer nüchternen Zeit noch Braut­paare gibt, denen es Freude macht, nicht auf dem allgemein üblichen Wege, vielmehr auf hochromantische Art den Herzens­bund zu schließen. Wer unabhängig von Erbtanten und Amtsvorgesetztcn, Geschäftsrücksichten und allen sonstigen leichteren oder schwereren Fesseln, die Lebensstellung oder Convenienz auferlegen, die Eheschließung ohne Polterabend- und Hochzeitsfeststrapazen geschehen lassen möchte, welchen herrlicheren Ort könnte er finden, als dieses wundervolle Eiland, das ein Zauber der Poesie umgibt, wie er einzig in seiner Art ist! Hier mit der Neuvermählten zur Düne zu fahren, auf dem Oberlande die gigantischen Felsmassen zu bewundern, am Strande der dröhnenden Brandung zu lauschen welcher Rahmen wäre schöner, das junge Eheglück zu umfassen! Nun ja, es gibt Alpen, Riviera re., die gewiß auch nicht zu verachten sind, aber die vortreffliche Küche, die Sauber­keit in den Logierhäusern und die vielen sonstigen schätzbaren Eigenschaften Helgolands sind doch auch kein leerer Wahn. Deshalb halte ich dafür: Es haben sich ganz gewiß hier auch Leutchen trauen lassen, die es nicht nöthig gehabt hätten, nur, weil cs doch sicherlich etwas Eigenartiges ist.

Schließlich möge noch erwähnt sein, daß meiner lieber« zeugung nach dieTrauung ohne Aufgebot" noch ein Ueber- bleibsel aus dänischer Zeit ist. Nach früheren dänischen Ge­setzen war die Trauung ohne Formalitäten auf sogenanntem Königsbrief" auch in Schleswig-Holstein zulässig, und es mag namentlich in Hamburg noch alte Ehepaare geben, die sich aus diese Weise in Altona haben trauen lassen. Eine berühmte und hochverehrte Hamburgerin, deren Andenken noch lange in einem von ihr gegründeten Stift fortleben wird, erzählte mir vor etwa vierzig Jahren persönlich, wie sie mit ihrem Verlobten zu einem Altonar Pastor gefahren war, der sie nach anfänglicher Weigerung seufzend und sehr ärgerlich sofort traute, nachdem sie denKöuigsbries" aus der Tasche gezogen hatte.

Literarisches.

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Wie glänzend unsere Feldpost ihre Aufgabe im Jahre l870,71 gelöst hat, ist bekannt; von den ungeheuren Schwierigkeiten hlNgeg , welche für sie in einem zukünftigen Kriege zu überwinden f werden, kann sich der Laie kaum eine Vorstellung machen. Es wird vay von Vielen mit Dank aufgenommen werden, daß die bekannte Fami - ZeitschriftJllnstetrle Chronik »te 3«"« diesen Schwierigkeiten eine eingehende Betrachtung ans der Feder von A. O. Klaußm widmet.

RedaetiotU T. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Üniverfitäts-Buch» und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Ließen.

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