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Inzwischen war jedoch der Löwe auf uns aufmerksam geworden, deutlich leuchteten die grünen Augen aus dem vollen runden Geficht zu uns herüber, indeß der mächtige Schweif den Erdboden peitschte. Dann aber entschied sich das maje- stätische Geschöpf für den Rückzug, den es in langen Sätzen und unter einem dumpfen zornigen Gebrüll nach einer niedrigen Hügelreihe hin nahm; die Schakale liefen knurrend in einer anderen Richtung davon. Sofort gab ich meinem braven Hengst die Sporen und setzte dem Löwen nach, meinen Leuten zurufend, mir zu folgen. Das verfolgte Raubthier hatte immerhin einen bedeutenden Vorsprung, und so brauste die Jagd eine beträcht­liche Weile fort, ehe ich in seine Nähe gelangte. Ich mochte etwa noch achtzig Schritt von dem Löwen entfernt sein, und konnte daher sehr wohl einen Schuß aus meiner guten Doppel­büchse riskiren. Ich hielt den Hengst an, visirte scharf auf den Löwen, der sich in diesem Augenblick gerade niederkauerte und zu mir herüberspähte, und sandte ihm die schwere Kugel des linken Laufes zu. Aber im Moment des Abdrückens hatte das Pferd eine unruhige Bewegung gemacht, sodaß meine Kugel ihr Ziel, die mir zugekehrte rechte Flanke des Thieres verfehlte und den Löwen vermuthlich nur ganz leicht streifte. Denn mit grimmigem Gebrüll erhob er sich rasch und bewegte sich in zwei Riesensätzen auf mich zu, so daß er kaum vierzig Schritt vor mir in das kurze Gras niederfiel. Hier blieb das Thier, wie zum neuen Spung fertig, liegen, peitschte mit dem Schweife abwechselnd die beiden Flanken und zeigte knurrend die Zähne, mich fortgesetzt wüthend musternd. Ich stieg ab und ergötzte mich an dem prächtigen Anblick, den das königliche Thier gerade in dieser Stellung darbot und dachte zunächst gar nicht daran, ihm die zweite Kugel zuzuschicken; freilich hätte ich bei dem zweiten Schuß meinen zornigen Gegner unbedingt tödtlich treffen müssen, sonst wäre es um mich geschehen ge­wesen. Dann sah ich mich nach meinen drei Helden um, sie waren wirklich herangekommen und streckten die Gewehre schuß­fertig vor sich hin, doch machten die Kerls keine Miene, ab- zusteigen, offenbar betrachteten sie die Pferde als ein schätzbares Mittel, erforderlichen Falles wieder aus der gefährlichen Nähe des Löwen zu kommen.

Eben wollte ich den Burschen befehlen, die Sättel zu verlassen, als sie ein heftiges Geschrei aus stießen und zugleich ihre Gewehre abfeuerten. Im Nu wandte ich mich wieder nach dem Löwen herum, den ich kaum zwei Minuten vorher aus den Augen verloren hatte, der aber floh in flüchtigen Sätzen einem Gebüsch von Tamarinden zu, das sich am Fuße eines der sonst gänzlich kahlen Hügel erhob. Sofort sandte ich dem Flüchtling meine andere Kugel nach, aber in der Erregung mußte ich ihn gänzlich verfehlt haben, denn der Löwe minderte nicht im Geringsten seinen Lauf. Natürlich hatten ihm auch die Kugeln meiner Begleiter nicht das Mindeste gethan, ob- wohl alle drei mit unendlichem Pathos betheuerten, ihre Kugeln hätten getroffen. Während der Löwe in dem Tamartnden- Gebüsch verschwand, lud ich die Büchse schleunigst wieder, be­stieg hierauf den Hengst von Neuem und sprengte, gefolgt von meinen Begleitern, die sich plötzlich ganz tapfer geberdeten, auf den Zufluchtsort des Raubthieres zu.

Ich hatte mich dem Tamarindengebüsch bis auf etwa dreißig Schritt genähert und sah nun die Umrisse des Löwen hie und da aus dem nicht allzudichten Strauchwerke hervor­schimmern. Rasch war mein Angriffsplan fertig; meine drei Leute sollten auf das Gebüsch feuern, wodurch sich hoffentlich der Löwe bewogen fühlen würde, seinen Zufluchtsort zu ver­lassen, dann wollte ich auf ihn feuern, da mir der Gegner im Freien doch ein weit günstigeres Ziel abgeben mußte, als drinnen in dem Blätterwerk der Tamarinden. Natürlich war es für unsere Schüsse entschieden sicherer, wenn wir abstiegen, ich sprang daher von meinem Hengst, und auch Charles folgte meinem Beispiel, aber Redboy und Makroff mußten von mir erst in sehr bestimmter Weise aufgefordert werden, das Gleiche zu thun, ehe sie von ihren Gäulen herabkletterten, wobei sie gar ängstlich nach dem ominösen Gebüsch schielten. (Schluß f.)

Redaktion: A. Scheyda.

GenrernniitzigHS.

Unfruchtbare Bohnenranken. Gartenbefitzer, die Stangenbohnen anbauen, haben gewiß schon die Beobachtung gemacht, haß bei der jedesmaligen Aussaat unter den aus­gehenden Bohnenpflanzen sich immer einzelne durch schnellerer Wachsthum Hervorthun wollen. Sie schießen rasch und schmächtig empor und haben oft schon vier oder gar sechs Blätter, ehe die anderen noch die beiden ersten vollständig entwickelt haben. Dabei stehen die einzelnen Blattpaare auf. fallend weit von einander und der Stengel wird bald so dünn daß er nicht mehr im Stande ist, weitere Blätter zur Ent«' Wickelung zu bringen. Solche Ranken sind unfruchtbar. Sie treiben wohl zuweilen dürftige Blüthchen, aber niemals Samen und sollten deshalb, wo sie sich zeigen, sofort als unnütze Düngerzehrer entfernt werden. Man hat nun die Erfahrung gemacht, daß diese Erscheinung um so häufiger auftritt, je öfter ein und derselbe Samen auf demselben Grundstücke an- gebaut wird, je weniger Werth also auf Samenwechsel und Eamenzuchtwahl gelegt wird.

Literarisches

D" erste Landung auf dem antarktischen Festlande. Die Erforschung der Südpolgegend nimmt augenblicklich mehr als je das Interesse der gebildeten Welt in Anspruch und es dürfte sich dieses Interesse angesichts der geplanten Südpolexpeditionen noch steigern. ? 2Bte bekannt, erstreckt sich in der Südpolregion ein weites Festland das, von James Roß bei seinen denkwürdigen Fahrten entdeckt von ihm auch Süd-Victoria-Land benannt, aber nicht betreten wurde. Die erste Landung auf dem antarktischen Continente ist erst ganz kürzlich gelungen, bei der von dem Norweger Svend Fovns ausgerüsteten Polarfahrt, die im Jahre 1894 bei 74° 3, südlicher Breite vordrana Em Therlnehmer an dieser Fahrt, der norwegische Walfischfahrer H. I. Bull, veröffentlicht in Nr. 38 der illustrirten Zeitschrift ,U«d«r Land «nd SReet* einen sehr interessanten Bericht über dieses erste Betreten des Süd-Victoria-Landes und fügt seiner Erzählung bildliche Darstellungen nach eigenen photographischen Aufnahmen bei. Es dürften das die ersten, vor einen weiteren Kreis der Oeffentlichkeit tretenden Landschaftsbllder aus einer Weltgegend sein, die sich bis jetzt nur den Blicken weniger Sterblichen gezeigt hat, die aber nach den Worten des erwähnten Reisenden so reich an fesselndem Naturreiz ist, daß derjenige dem sie ihre Geheimnisse enthüllt hat, von steter Sehnsucht nach der- ' selben verzehrt wird

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