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- Druck und Verlag der Brühl',chen UniverstMS.Buch. und Steindruckerei (Pietsch * Sch.Yda) in
Redaction: St. Scheyda.
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Würgeengel an bett Thüren der weifte* ebenss unbeschadet vorübergehen müflen, wie einst sein mordgieriger Genösse t* Aegytenland an den Häusern der Jsraeliten.Sowiffen wir jetzt, daß ein Dixhiherittskranker meist noch mehrere Tage nach dem Schwinden der Beläge im Halse arsteckung«- ähige Bazillen bei sich beherbergt, also sür Geschwister und kameraden noch höchst gefährlich ist. Deßhalb dürfen die Vatienten nicht früher al» mindesten» acht Tage nach dem Verschwinden aller localen Erscheinungen au» ihrer Jsolirung entlasten werden. Die Fernhaltung von der Schule aber soll auf mindesten» vier Wochen von Begtnn der Erkrankung an gerechnet werden, vorausgesetzt natürlich, daß man alle Gegenstände, welche mit dem Erkrankten in Berührung kamen, wie Kleider, Wäsche, Bettzeug, Trink- und Eßgeräth, durchange« Kochen im Master dertnfizirt, die Fußböden mit Sublemat- lösung scheuert, die Tapeten und Möbel mit Brod abreibt. Denn die Untersuchungen de» bedeutenden japanischen Forscher» Kitasato in Berlin haben ergeben, daß die Diphtheritirbacterien sich in trockenen Räumen vier bi» fünf Monate leben»- und ansteckungsfähig erhalten, in feuchten fogar sieben Monate. Daher sind auch in einzelnen, meist unbewohnten norwegischen Gehöften Fälle vorgekommen, daß Leute an Diphtheritis er ttankten, welche solche Räume, in denen vor mehreren Monaten Diphtheritiskranke gelegen, oder Kleider, welche lene damals getragen, benützt haben, Besonder-vorsichtig muß man zur Zeit einer Epidemie mit der Milch sein, ba auf diese? die Batterien sehr gut gedeihen. Man vngewiffere sich also möglichst, ob in der Behausung des Milchlieferanten keine Diphtheritis herrscht. Jedenfalls ist die Milch vor dem Gebrauche längere Zeit durchzukochen. Stets und vor allem aber fei man sich bewußt, daß eine gesunde und widerstandsfähige Hals« und Mundschleimhaut am besten vor Diphtheritis schützt. Ohne Zweifel haften die Batterien viel leichter auf katarrhalisch oder sonstwie affizirten Schleimhäuten. Vermag doch dagegen in dem viel weniger empfind- li hen, oft durch Rauchen und Alkoholika abgehärteten Halse der Erwachsenen das Gift sich fast nie zu entwickeln. Deß« halb ist es durchaus geboten, namentlich in Zeiten und an Orten epidemischer Verbreitung der Diphtheritis, jebe, selbst die geringfügigste Entzündung bes Halse» fotflW zu be» achtm und zu behandeln. Aber auch sonst sollte man die Kinder von klein auf morgen» und abend» zum Gingest, und Mundaurspülen anhalten, indem man mit warmem Master aniänat und allmählig zu ganz kaltem übergeht. Dadurch werden täglich alle schädlichen Eindringlinge immer wieder entfernt, die Schleimhäute abgehärtet, und die Kinder lernen frühzeitig gurgeln, ohne etwa» von der Flüssigkeit zu ver schlucken, so daß der Arzt bei einer Erkrankung auch stärkere Gurgelmittel verordnen kann. Herrscht Diphtheritis am Orte, so möge man anstatt de» gewöhnlichen Master» aromatischer t nehmen. Bei geringerer Röthung oder Schwellung im Halse l oder Belag seien zunächst folgende Hau-mittel empfohlen, i äußerlich nasser, sogenannter Prießnitz scher Umschlag, oder auch feuchte Einwicklung be« ganzen Körper» und, al» be» sonder» wohlthuend, warme Bäder mit kühlen Übergießungen, welche tiefere Athemzüge und energischere Blutcirculationan- reaen. zugleich auch auf da« gesummte Nervensystem höchst S»b dnrnirfe«. V°» °--m tonli»« M<(n «6« laste man die Hand weg, weil man zugleich Reizungen und Verletzungen der entzündeten Schleimhaut hervorruft. Da« Haupterforderniß jedoch ist und bleibt stet»: frische, staubfreie kühle Lust! Sobald sich Belag int Halse zeigt , ist natürlich sofort die Hilfe be« Arzte« in Anspruch zu nehmen-
Wenn man diese Regeln der hygienischen Praxis^ allgemein befolgt, werden nicht mehr so übermäßig viel Hoffnung«» volle Menfchenknösplein von diefer grausigen Krankheit dahin- gerafft werden. Und wenn dann doch hie oder da ein ro stge« Kindlein al» Opfer fällt, so kann sich, wenigsten« btt den Eltern nicht zum tiefen Schmerze noch die furchtbare Selbst anklage wegen versäumter Pflicht gesellen.
Die abwehrenden Streiche trafen in bis Lust, und allgemach . erlahmte die kampfesmuthige Hanb im vergeblichen Ringen. ■ Jene Reit be« nnsichern Umhertasten« war beim auch die Blütheperiode unzähliger „ganz unfehlbarer" Heilmittel. Viele Aerzte und Laien, Kurpfuscher unb Natur heilkundige priesen dasjenige Mittel, mit welchem sie einige Kranke curirt hatten, sofort als eine Panazee, al» ein Wundermittel an, bestehend in Pinseln, Jnhaliren, Frieren oder Schwitzen, frischer Lust oder Räucherung. Aber immer von Neuem rüttelte der unerbittliche Feind den Menschen auf »n neuem Kampfe, zur Verbefferung feiner Kampserweife, zur Schärfung seiner Waffen. Da gelang e» endlich im letzten Jahrzehnt , Dank der bacteriologischen Forschung, dem Feinde da» Vifir zu öffnen, und mit neuer Kampsessreubigkeit wurden die Gemüther aller Aerzte erfüllt. Im Jahre 1884 entdeckte Profeffor Löffler in Greifswald bett Bazillus, der bie Diphtheritis erzeugt. Freilich würben baran, ebenso wie bei Kochs Enbeckung be» Tuberkelbazillus, im großen Publikum gleich zu hochtrabende Hoffnungen geknüpft. Aber mit neuer Kraft, mit frischer Energie hat seitdem die Hygiene den Kampf gegen die Diphtheritis ausgenommen, auch mehrt sich von Tag zu Tag bas Rüstzeug, und zuversichtliche Hoffnung auf baldigen Sieg begeistert die um das Banner der Hygiene gefchaarten Kämpfer. Sind doch erst in neuester Zeit Profeffor Behring unb Dr. Roux, ein Deutscher unb ein Franzose, wieder ein gut Stück vorwärts gekommen durch Anwendung der „Serum-Therapie." _ . .
Es besteht nämlich bas Wesen aller ansteckenden (In- fectione») Krankheiten, also auch der DiphtherUis, in einem Kampfe auf Tob unb Leben zwischen den in» Blut gelang en Krankheitserregern (Batterien) und gewissen Be^ndt^ilen unseres Blutes Im Körper äußert sich dieses Schlachtge- tümmel durch Fieblr und ändere Krankheitssymptome Unter- liegen die Batterien, so tritt bei dem Patienten Genesung ein , erringen sie aber den Sieg, so wird der Feind also dar Blut, gleichsam lebensunsähig gemacht, und die natürliche Kolae ist der Tod des Patienten. Durch das glückliche Ueberstehen einer Jnfettionskrankheit wird nun das Blut aeaen Batterien so kampsgeübt — wenn ich so sagen darf, — daß er für längere Zeit unüberwindlich und die betreffende Perfon für» erste gegen diese Krankheit gefeit oder »immun ist. Hierauf ruht auch die Schutzpockenimpfung, welche einen aerinaen Ausbruch der Pocken bezweckt und dadurch gegen eine etwaige spätere Pockenerkrankung unempfänglich machen will Derjenige Bestandtheil de« Blutes welcher hierbei die Hauptrolle spielt, ist da» Serum, weßhalb man diese Heilmethode (Therapie) die Serum-Therapie genannt hat. Den genannten Aerzten ist es nun gelungen, diese Behandlung auf die Diphtheritis anzuwenden. Dr. Roux überträgt da» Blutferum immunisirter, da» heißt gegen Dipher^tis unempfänglich gemachter Pferde auf diphtheritiskranke Kmber und soll dadurch fchon große Erfolge erzielt haben. Auf dem tn Wien (1894) abgehaltenen Aerztecongreß war es dann Profeffor Behring aus Halle, welcher durch die günstigen Resultate feiner verbefferten Heilserum^Melhode die medl. cinische Welt in Begeisterung versetzte. Wirklich hat sich seit- dem da» Verfahren ganz gut bewährt, namentlichwenne» sofort nach den ersten Anzeichen der Erkrankung zur Anwendung kam, so daß e» vielleicht allmählig Klingt, den furchtbaren Würgeengel fast ganz kampfunfähig zu machen. Möge dieser sehnlichste Wunsch von viel tausend liebenden Elternherzen endlich in Erfüllung gehen.
Aber der Heilkunde höchste und erhabenste Aufgabe besteht nicht in der Verhinderung der Todesursachen, sondern der Krankheitsursachen. Die« ist i^c auch bei der Diphtheritis durch die letzijährigen Untersuchungen in hohem (Stabe gelungen. Wenn nur „da« liebe Publikum die Er- gebniffe die mühseligen unb lebensgefährlichen Forschungen mehr beherzigte, wenn es die hygienischen Maßnahmen und praktischen Rathschläge beffer aussührte, bann würbe ,ener


