Ku entgegevgehst. Aber so viel auch dagegen spricht, mein V-to einzulegen sühle ich mich nicht befugt. Thue, was Dein Herz Dir zu thu« gebietet!" (Fortsetzung folgt.)
Unsere Dienstboten.
Von Frau Professor Barthels, Bonn.
(Schluß.)
Jetzt zum letzten Punkt, welcher wichtiger ist, als die meisten Hausfrauen glauben. Manches Mävchen legt, trotz aller Mühe, die man sich mit ihm giebt, weder feine Nach- lässtgkeit noch Dreistigkeit u. s. w. ab, es macht sich selbst nicht» aus einer drohenden Entlassung, weil es aus Erfahrung weiß, daß es dennoch ein gutes Zeugniß mit auf den Weg und somit trotz seiner Fehler, schnell wieder einen neuen Dienst erhält. Wüßte da» Mädchen, daß sein Zeugniß unerbittlich lauten würde: „war nachlässig und faul," oder: «war ungehorsam und lügnerisch" u. f. w., so würde e» sich sicherlich mehr zusammennehmen, seine Fchler abzulegen suchen, aus Furcht, ein solches schlechtes Zeugniß zu erhalten, welche» ihm die Thüre zu jedem andern Dienst verschließt und es zwingt, als Taglöhnerin, al« Wäscherin, auf dem Felde oder in einer Fabrik sein Brod durch meist schwerere Arbeit und bei stets größerem Zwang zu Fleiß und Gehorsam zu verdienen. Manchs Mädchen, bei denen ungeachtet der Tüchtigkeit der Herrin in wirthschaftlicher Beziehung und trotz geeigneter Behandlung kein befriedigender Erfolg zu erzielen ist, wegen früher an ihnen begangener erziehlicher Fehler, können durch diese Furcht vor einem schleckten Zeugniß, von welcher sie aber auch überzeugt sein müssen, daß sie zur fatalen Wirklickkeit wird, gebessert oder doch wenigstens zu einigermaßen brauckbaren Geschöpfen gemacht werden. Sollte diese« in einzelnen Fällen, bet besonders hartnäckigen und trotzigen Eharacteren auch nicht« nützen, so würden wenigsten» durch ein solche«, durchaus nicht liebloses Vorgehen anders Hausfrauen über da« neu zu miethende Mädchen aufgeklärt, sie nähmen ein anderes und ersparten sich somit manchs böse Stunde und manche unangenehme Erfahrung oder gar Schaden und Nachtheile.
E« ist unsere Pflicht, unseren Mltschwestern gegenüber, sie durch ein der Wahrheit gemäß ausgestellte« Dienstzeugnch vor unbrauchbaren und böswilligen Dienstboten zu schützen. Würde sich diese Ansicht einbürgern, so wücve man auch nicht mehr den zur Zeit berechtigten Ausspruch hören: „Ich gebe nickt« auf die Zeugnisse der Mävchen," wodurch doch der stärkste Zweifel an der Wahrheitsliebe der zeugnißausstellsnden Herrschaft öffentlich ausgedrückt wird. Dabei soll man sich nicht durch den Scheingrund täuschen lassen, daß ein Mädchen durch ein unverdient gute« Zeugniß besser wird. Es ist dieses ein schöner, nickt dem wirtlichen Leben abgelauschter Wahn, für welchen Beweise kaum zu erbringen sind. Viele Frauen denken auch hieran gar nicht: ein unklares, unangebrachtes und absolut unbegründetes Mttleidsgefühl leitet sie, oder aber meistens die Furcht, das entlassene Mädchen könne schlecht über sie, über ihre Haushaltungsführung (ihre schwache Seite) sprechen, wa« übrigen«, wie langjährige Erfahrung lehrt, bei einem guten Zeugniß auch nicht ausgeschlossen ist. Solche Hausfrauen erscheinen mir rücksichtslos anderen Frauen gegenüber, die ihrer Angaben glauben, Vertrauen schenken zu müssen, sie geben der Wahrheit nicht die Ehre und kommen wahrscheinlich, wie ich schon zu beobachten Gelegenheit hatte, auch dazu, zuerst ein gutes Zeugniß auszuftellen und nachträglich über das Mädchen zu klagen und zu schimpfen. Bet solchen Anlässen findet man oft wenig die Würde unseres (der weiblichen) Geschlechtes gewahrt.
Es erübrigt noch zu bemerken, daß es auch unbedingt nothwendig ist, den Dienstboten regelmäßig ihren Lohn, etwa monatlich oder längstens vierteljährlich auszuzahlen, damit sie
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immer das nöthigs Geld für etwaig vorhandene BMrfnisse an Kleidern, ihrem Stande angemessenen Putz und sonstige Kleinigkeiten besitzen ; ich weiß nur zu gut, daß sich manchmal Mädchen, denen ihr Lohn unberechtigt vorenthalten worden war, zu kleinen Diebstählen htnreißen ließen, um ihrer doch meistens bescheidenen Putzsucht genügen zu können. Gelegenheit und Noth haben eben schon oft Diebe gezeitigt und habe ich für solch arme und irre geleiteten Wesen immer den Trost, daß sie nicht allein die Schuld tragen.
Fast jede Hausfrau — denn wer ist vollkommen? — wird nun, wenn sie ernstlich mit sich zu Rache geht, finden, daß ste wenigstens in einem der besprochenen Punkte nicht immer das Richtige in Beziehung auf ihre Dienstboten getroffen hat, daß ste mithin an der schlechten, sagen wir besser, mangelhaften Aufführung derselben „ein klein wenig" Schuld trägt. Zählt man diese „Kleinwenig" zusammen, so wird man zu dem erstaunlichen Schluffe kommen, daß die Summe derselben ein falsche« Erziehen, ein falsches Heranbilden und unangenehme Consequenzen, welche zu den mannigfaltigsten Klagen Anlaß geben, recht wohl erklärt, und daß vieles in dieser Beziehung beffer wäre, wenn eben jenes „Kleinwenig" in Wegfall käme, wenn mithin j de Hausfrau obige Punkte ständig beachtete und sich zur Richtschnur machte, in ihrer richtigen Anwendung, in ihrem Verhalten ihren Untergebenen gegenüber.
Es gibt natürlich auch noch andere Gründe, welche einige Mädchen zum Dienst in einem geordneten Haushalt ungeeignet machen, ich denke dabei vornehmlich an Eindrücke und Angewohnheiten, welche dieselben zu Hause, in ihrer Kindheit empfangen und angenommen, die aber wohl in fast allen Fällen im späteren Leben durch geeignetes Vorgehen ihrer Herrinnen leicht ausmmerzen find. Wir Hausfrauen müffen nur Muth haben und die EiNstcht, daß allerdings, wer andere erziehen will, zuerst stch selbst erziehen muß.
Ut sementem feceris, ita metes!
Vermischtes.
Auf dem Dienstwege. Der Herr Landgerichts- birector. der eine Jagd grpachtet hat, mußte zum Pü-schgang aus Höfllchkeitsrücksichten auch den Herrn Domänenrath ein- laden. «Wie mach' ich's nur," sagt er zu sich, „daß der unangenehme Mensch trotz meiner Einladung nicht kommt?!" ... „Halt, ich hab's. Ich schick' ihm die Einladung in Bureau- couoert, das die Aufschrift „Dienstsache" trägt- — Gesagt, gethan. — Und richtig, bis der Herr Domänenrath das Couvert öffnete, war dis Jagd längst vorbei-
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Genau ausgerechnet. Karl: „Wie alt bist Du jetzt, Fritz?" — Fritz: „Zehn Jahre!" — Karl: „Da Habs ich Dlch in drei Jahren emgehott!"
Kurz abgefertigt. *@ln Schwätzer hatte sich im Arbeitszimmer von Laplace niedergelaffen, der fortfuhr, zu arbeiten. Nach einer Weile sagte der Besuch: „Sie find beschäftigt, Herr Marquis, ich störe Sie vielleicht?" — „Nicht im mindesten. Sprechen Sie nur weiter, ich höre nicht darauf."
Literarisches
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Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverstkätS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


