Ausgabe 
28.4.1896
 
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keine Carolina-Wiese und wer sich wie Sie nicht gern in

Gefahr begiebt, sollte sich nicht ans eine solche Unternehmung

Preis einsanzen müsse, darüber gab ues für Fred Houston keinen Zweifel. t M

Mit einigen raschen Warten befahl er dem Neger, abzu­steigen und ihm sein Pserd zu überlaffen.

Eine Minute später war der junge Mann im Sattel und' jagte, ohne einen Blick auf May zu werfen, dem Flücht­

ling nach.

Bis auf beinahe zweihundert Schritte ließ ihn bar bos­hafte Thier herankommen; dann nahm es von neuem Reißaus und Fred sprengte wie ein Rasender hinterdrein; denn es war ihm, als ob das leise, höhnische Lachen noch immer in seinen Ohren klänge und dies Lachen würde ihn vorwärts gepeitscht haben, auch wenn er sicher gewesen wäre, gerade­wegs in Tod und Verderben zu reiten.

eintafsen."

Steig' ab!" rief Fred, dem das Blut heiß in die Schläfen schoß, dem Reger mit so drohender Stimme zu, daß der arme Bursche keinen weiteren Widerspruch wagte.

Mustang wird sich gewiß nicht ohne meine ausdrückliche Zu­stimmung von mir trennen."

Da der begleitende Reger ziemlich weit hinter ihnen war und ihr Gespräch somit keinen lästigen Zeugen gehabt hätte, würde die Gelegenheit zu einer Erklärung jetzt günstiger ge- wesen sein denn je. Wirklich hatte Fred im Verlauf der ersten halben Stunde das entscheidende Wort ost genug auf den Lippen; aber jedesmal genügte doch ein Blick auf dar , w marmorne, unbewegte Antlitz feiner Begleiterin, um es wieder kältesten und spöttischsten Ton. in die verschwiegene Tiefe des Herzens zurückzudrängen. Auch - - - -

wenn es nichts als mädchenhafte Sprödigkeit war, was sie bestimmte, bei diesem tete-ä-tete eine so stolz abweisende Haltung anzunehmen, lag darin doch etwas so Verletzendes für sein männliches Selbstgefühl, daß seine heitere Laune mehr und mehr einer ernsthaften Verstimmung wich und daß sie zuletzt stumm nebeneinander her ritten wie zwei Menschen, die sich durchaus nichts zu sagen wissen.

«Haben Sie Lust, die Heerde unserer frei umherlaufenden Mustangs zu sehen?" fragte May plötzlich. «Wenn wir auf jene Insel dort zuhalten, müssen wir ihrer, wie ich meine,

ansichtig werden."

Fred hatte natürlich nichts dagegen einzuwenden und May rief den Reger heran, um sich von ihm genauer über die Richtung orientiren zu lassen.

Run konnte von einem intimen Gespräch über Herzens­angelegenheiten vollends nicht mehr die Rede sein und Houston, dessen Gedanken sich merkwürdigerweise seit einer Viertelstunde mehr mit Ellinor Real und ihrer kindlichen Sorge als mit dem schönen jungen Weibe an seiner Seite beschäftigt hatten, empfand ein lebhaftes Verlangen, daß die gesuchte Heerde bald auftauchen möge, weil man sich alsdann doch wohl zur I Heimkehr wenden würde. , ,

Und sein Wunsch ging in Erfüllung, denn noch ehe sie die von May bezeichnete Baumgruppe oderInsel" erreicht hatten, gewahrten sie in der Ferne auf dem hellen Grase eine Anzahl beweglicher dunkler Flecken, deren Gesammtheit ohne Zweifel jene Heerde weidender Mustangs darstellte.

Während Fred nach ihnen ausspähte, erschallte dicht hinter feinem Rücken plötzlich der angstvolle Ruf des Negers: Mind your beast, Massa! Utto in demselben Augen­blick machte sein Pferd einen unerwarteten Seitensprung, der ihn um ein Haar aus dem Sattel geworfen hätte. Doch ge­lang es ihm noch, sich zu halten und nun preßte er das Thier zornig zwischen die Schenkel, indem er ihm zugleich nachdrück­lich die Peitsche gab, um es für seine Unart zu strafen.

Aber der eben noch so sanfte und folgsame Gaul schien jetzt, wo er die Nähe seiner freien Genossen witterte, plötzlich wie ausgewechselt. Als wäre er von einer wilden Raserei befallen, sprang er, ohne sich um den Zügel zu kümmern, nach rechts und nach links, tanzte große Strecken weit auf den Hinterfüßen und warf dann mit einem Mal, als sein Reiter just am wenigsten darauf gefaßt sein konnte, mit so blitzartiger Geschwindigkeit den Kopf zwischen die Vorderhufe, die Hinterbeine aber so hoch in die Luft, daß es dem be- dauernswerthen Fred unmöglich war, sich noch länger auf seinem Rücken zu behaupten.

In weitem Bogen flog er über den Hals des Mustang herab und wie ein teuflisches Hohngelächter schallte ihm bei seinem Sturz das gellende Gewieher des wild davonstürmen, den Thieres an das Ohr.

Aber auch ein anderes, ein wirkliches Lachen aus mensch­lichem Munde glaubte er in diesem fatalen Augenblick zu ver- nehmen und diese an und für sich so wohlklingenden melodischen Laute waten es, die ihn mit einem beinahe leidenschaftlichen Zorn erfüllten. , . , .

Er raffte sich aus dem hohen Grase auf, das ihn wie ein weicher, elastischer Teppich vor jeder Beschädigung bewahrt hatte und blickte dem entlaufenen Mustang nach.

Das Pferd war nicht mehr als etwa fünfhundert Schritte weit gerannt und war dann, scheinbar ruhig grasend, stehen geblieben. Es konnte also keine besonderen Schwierigkeiten haben, dasselbe wieder einzusangen und daß er es um jeden

O, Massa, das nicht thun!" bat der Schwarze.An­thony Mustang leicht einsangen, wenn wieder zurückkommen von San Felippe. Massa ihn niemals bekommen."

Ja der That, Mister Houston," sagte May in ihrem ' ......... ~ .Eine Texas-Prairie ist

VI.

Wohl zehnmal schon hatte der Mustang seinen Verfolger bis auf eine winzige Entfernung an sich herankommen lassen, um dann immer aus's Neue in tollen Sprüngen auszubrechen. In feinem leidenschaftlichen Verlangen, sich des Thieres zu bemächtigen, dachte Fred weder an die Zeit, die er mit dieser unsinnigen Jagd vergeudete, noch an die Entfernung, die er dabei zwischen sich und seine Begleiter legte. Erst als er fühlte, daß der beständig in der wildesten Gangart zurück­gelegte Ritt ihn selbst wie das keuchende Pferd zu erschöpfen begann, faßte er mit ingrimmiger Resignation den Entschluß, nur noch einen letzten, einen allerletzten Versuch zu machen.

Der entflohene Mustang stand j-tzt vor einer der sogen. Inseln, die kleiner schien als die meisten anderen dieser isolirten Gehölze.

Fred nahm sich vor, die Baumgruppe zu umreiten, bann vorsichtig zwischen den Stämmen hindurch zu dringen und so das am Rande grasende Pferd zu überrumpeln oder es doch wenigstens der Pflanzung zuzutretben. Er hielt diesen Plan für sehr geschickt angelegt und führte ihn auch mit aller ge- gebotenen Behutsamkeit aus. Aber als er dann an der Stelle aus dem Hölzchen hrrauskam, wo er den Ausreißer bestimmt vermuthete, war weit und breit nichts mehr von ihm zu sehen. Das Thier war doch noch schlauer gewesen i als er und hatte die günstige Gelegenheit benutzt, sich ihm durch einen gestreckten Galopp ganz aus den Augen zu btitl0Steb murmelte eine Verwünschung zwischen den Zähnen, riß sein Pferd herum und gab ihm die Sporen, um nach der Stelle zurückzukehren, wo er May und den Neger verlassen hatte. Zwar konnte er trotz des völlig flachen Terrains weder ! sie noch die weidenden Mustangs entdecken. Aber das machte ihm wenig Sorge. Er wußte ja, aus welcher Richtung er gekommen war oder er glaubte es doch wenigstens mit voller Sicherheit zu wissen- Im schlimmsten Fall also würde er die Pflanzung erreichen, ohne vorher wieder mit Miß Burnet zusammengetroffen zu sein.

Und diese Vorstellung hatte durchaus nichts Schmerzliches für ihn; denn ihr Benehmen bei feinem kleinen Unfall hatte ihn tiefer beleidigt al« irgend ein früheres Vorkommniß und seine bisher mit aller Energie bekämpften Vsrmuthungen hin- sichtlich ihrer Herzlosigkeit waren ihm jetzt zu einer traurigen Gewißheit geworden. , ,

(Fortsetzung folgt.)