- 451 -
„Ja, es ist eine verflixte Geschichte, können's allein nicht fertig bringen, und möchten um ihren Beistand bitten, Herr Sander!
„Bill," wandte sich dieser an einen seiner Knechte, der aus einem Feldweg hervor, „sag' Missis Sander, daß ich mit nach Rombergs Farm fahre, sie sollt' nicht mit dem Abendbrod auf mich warten."
Er schwang sich auf den Wagen und nahm neben Paulsen Platz.
„So, old boy, nun laßt den Schimmel Schritt fahren und legt los."
Langsam setzte sich der Wagen wieder in Bewegung und Paulsen begann seine Erzählung, welche Sander erst mit stiller Verwunderung', die sich schließlich zu , einer heftigen Erregung steigerte, anhörte.
Als der Alte geendet hatte, herrschte eine Weile tiefes Schweigen.
„Daß Dich der Deuksel!" schrie Willi Sander dann plötzlich, sich aus's Knie schlagend, „wäre in meinem ganzen Leben auf eine solche Geschichte nicht gekommen- Unser Justus Romberg soll ein Alting sein? Einer von diesem dänischen Lieutenant, und ein Bruder von dem wilden John, vor dem sich jeder redliche Mensch im ganzen County fürchtet? Und das erfahre ich erst heute?"
„Mit Verlaub, HerrzSander," bemerkte Paulsen, „Sie kamen erst fünf oder sechs Jahre später als wir in diese Gegend, und er selber, der gute Justus, hielt sich doch auch bis jetzt für den Sohn den Herrn Hauptmanns."
„Richtig, so ist'« auch, old boyi — der Lieutenant will also sterben oder ist schon tobt und nun soll der junge Herr zu seinem Onkel, meinem prächtigen Rittmeister? — Ihr wißt es genau, daß er noch lebt?"
„Ja, das wird wohl gewiß sein —"
„Ra, dann soll Herr Justus zu ihm reisen," rief Sander im bestimmtesten Tone, „noch dazu, wenn mein Rittmeister unbeweibt geblieben ist. Kann er sich einen besseren Onkel, und kann sich dieser einen prächtigeren Reffen wünschen? Das stimmt, sollt' ich denken, old boy!"
„Stimmt, Herr Sander, aber nun hören Sie weiter, weil Sie doch die Geschichte in* und auswendig kennen müssen, und warum dieselbe eine so verflixte ist."
Paulsen erzählte nun von dem Brief des dänischen Lieutenants und von dem Geburtsschein, den John Alting dem verstorbenen Romberg hatte bringen sollen.
„Er hat's natürlich nicht gethan," sagte Sander, der gespannt zuhörte.
„Rein, er hat das versiegelte Schreiben nicht gebracht, mich aber jedenfalls bei feinem Vater gesehen, — von draußen durch's Fenster nämlich, die Kammer lag zu ebener Erde und ein Jeder konnte uns sehen — natürlich sah Herr John auch, daß der Lieutenant mir den Brief gab, worin er noch einmal Alles niedergeschrieben hatte."
„Aha, ich riech'Lunte, er traute dem Söhnchen nicht—"
„So war's justement, Herr Sander, darum — gab ich ben Brief Ihrem Jimmy, merken Sie was, auch von wegen dem Ueberfall von dem Räuber?"
„Dann hat's der Joe Cation gethan," rief Sander, broyenb bie Faust ballend. „Aber warte nur, Schuft, wir fassen Dich noch, hat schon von meinen Leuten esinen Denkzettel bekommen, als er einen Ochsen mitgehen heißen wollte. Run weiter, old boy!"
»Na ja, Herr Sander, merken Sie denn nicht, was Herr John Alting mit dem Geburtsschein meines jungen Herrn und mit dem Brief vor hat?"
Der Rinderfarmer sah ihn starr an und stieß dann eine gewaltige Tabakswolke von sich.
„Daß Dich der Deuksel, er wird doch nicht, der Halunke? Ihr meint, er würde hinüber gehen und meinen Rittmeister überfallen?"
„Mein junger Herr glaubt es ganz bestimmt."
„Das darf nicht fein, Paulsen, dann muß die Reise gleich vor sich gehen. Himmel Element! wenn ich mir das
vorstelle, diesen Verwandten! — O, nicht so stark laufen, John Alting, wir find noch hier, um Dir *bie Suppe zu versalzen. Wißt Ihr was, old boy! Er wäre int Stande, meinen Rittmeister um die Ecke zu bringen, um ihn früher zu beerben."
„Das wäre ja schauderhaft," meinte Paulsen, der nun zu dem Hauptpunkt, den Reisekosten übergehen mußte, was ihm diesen Gläubiger gegenüber doch schwerer wurde, als er's sich gedacht hatte.
„Na ja, Herr Sander," fuhr er dann, sich einen Ruck gebend, fort, „reifen wir ja sicherlich, aber es giebt da noch so vielerlei, was sich jetzt partout nicht machen läßt. So ne' Reise ist nicht von Pappe und kostet unmenschlich viel. Dann müßten Sie doch die Farm übernehmen."
„Na, was weiter?" fuhr Sander ihn an, „natürlich soll ihm die Farm unverloren bleiben, wenn's ihm drüben gegen den Strich geht. — Wofür bin ich denn da? — Schnack! Das Reisegeld leihe ich her, old boy, was würde mein Rittmeister von mir denken, wenn ich feinem leiblichen Neffen nicht beistehen wollte, das könnte ihm gefallen, he? Und nun kein Wort weiter davon, bringt den Schimmel in Trab, daß wir vorwärts kommen, ich kenn' mich nicht aus."
Nach einer Viertelstunde war die Farm erreicht. Der junge Romberg begrüßte verlegen feinen Gast, mit dem er erst vor wenigen Stunden an der offenen Gruft des Hauptmanns gestanden hatte, und führte ihn in die Wohnstube.
(Fortsetzung folgt.)
Ein Elrrwurf-Anzeige-Apparat für Hausbriefkästen, mittelst welchem der Einwurf eines Briefes durch ein kurzes Glockensignal angezeigt wird, dürfte wohl manchen Brieskastenbefltzern, insbesondere aber denen, deren Kasten nicht birect an bet Wohnungsthür angebracht ist, sehr willkommen sein und auch bent rastlosen Postboten viel Zeit ersparen. Eine solche Vorrichtung hat sich O. Jfflänber jun- in Kempten in Posen gesetzlich schützen lassen und ist dieselbe wie folgt con« struirt: Die Aeste der durch Briefeinwurf zu schließenden Läutewerkleitung bilden die Spule des Auslöse-Electromagneten für die Anzeigescheibe. In einem der Aeste sind federnde Stromschlußstücke derart eingefügt, daß sie durch die herab- fallende Anzeigescheibe außer Berührung mit einander gebracht werden. Hierdurch wird ein kurzes Anläuten bewirkt, da» dem Briefkastenbefitzer Kenntniß von dem soeben erfolgten Briefeinwurf giebt.
•
Feuer- und säurefester Kitt. Zum Kitten von Glas-, Porzellan- und anderen Gefäßen, welche zur Aufnahme starker Säuren bestimmt sind, wird im „ Journ. de Pharmc. et de Chemie“ ein aus Asbestpulver, Wasserglas und einem indifferenten Pulver (Permanentweiß, Sand) gebildetes Gemisch empfohlen. Versuche, nach dieser Richtung angestellt, ergaben die Zuverlässigkeit der Angabe. Zunächst wurde Asbestpulver mit der drei- bis vierfachen Gewichtsmenge Natronwasserglar- lösung (von 30° R) zu einem Brei angemacht. Derselbe ist äußerst fett und plastisch, eignet sich jedoch zur Verarbeitung weniger gut, weil er beim Austrocknen zu stark schwindet und rissig wird. Durch Beimischen von feinem jStreusand in gleichem Gewicht wie der Asbest ließ sich die Masse so weit magern, daß das Schwinden gehoben wurde, ohne Schaden der Plastizität. Es wurden daraus kleine Gefäße geformt und diese von der Luft getrocknet, um sodann an der Lust erprobt zu werden. In Wasser eingelegt, wird die erhärtete Masse wieder weich und fällt auseinander. Bringt man sie dagegen mit hochgradigen Mineralsäuren in Berührung, so wird sie nur um so fester und widersteht der Flüssigkeit vollkommen. Es wurde in derartigen kleinen Behältern concentrirte Salpetersäure aufbewahrt, ohne daß die Masse sichtbar angegriffen worden und etwa« durch dieselbe hindurchgedrungen


