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Sie meinen doch nicht, daß der Bösewicht dort bei dem Onkel Ihre Roll« spielen will, Herr Romberg?" fragte
abwarten, Romberg, und da heißt'« nun, ihm den Borsprung abzugewinnen."
Der junge Farmer seufzte und fuhr sich dann wie verzweifelt durch das volle dunkle Haar.
„Heißt es nicht vielmehr, einen abscheulichen Wettlauf um Geld und Gut anstellen, der nichts weiter als die erbärmlichste Erbschleicherei bedeutet?" rief er aufstöhnend. „O, alter Freund, rathe, hilf mir, damit ich das Rechte thue und nicht Schiffbruch an meinem einzigen Reichthum, an
„Lu hast es von Anfang an gewußt, daß ich fein Sohn
„Ich wußte es; er «ar Ihnen aber stets ein besserer Vater al« der andere." „ r .
„Dar steht mir im Herz geschrieben," versetzte der junge Mann mit weicher, thränenumflorter Stimme- „Doch daß ich zu jenen Menschen gehöre, deren Name tragen soll —
„Wer zwingt Sie denn dazu?" fiel der Alte ungestüm ein, „steht's vielleicht in dem Unglücksbriefe des dänischen Lieutenants? Dann thut's mir leid, daß ich ihn nicht bei mir behalten und ihn nicht dem Räuber überlassen habe.
Der junge Romberg dachte eine Weile nach und zuckte dann erschreckt zusammen. , .
„Paulsen," sagte er halblaut, „ich habe die Mings n e gesehen, sage mir aufrichtig, ob ich so große Aehnlichkeit mit ih«bN„Das läßt sich nicht leugnen, junger Herr," erwidnte der etwas Alte zögernd. „Kommt natürlich daher, daß Sie beide, was das Aeußere anbelangt, nach dem Vater geartet find. Aber anders sehen Sie doch aus als der Bruder, das würde sich auch bald Herausstellen, wenn Sie nebeneinander
ständem » le{ne A^ung, was der Brief vom Lieutenant Alting enthält?" fragte der junge Mann nach einer Weile.
"Auch nicht, welche Papiere der junge Alting dem Hauptmann übergeben sollte ?"
„Hab' keine Ahnung, Herr Romberg!"
„Nun, der versiegelte Brief enthielt meinen Geburtsschein, den der Sohu des Lieutenant« also behalten hat , und der Inhalt des Briefe», den Jos Catton Dir auf fein Geheiß rauben sollte, war die Wiederholung dessen, was das erste Schreiben besagte, das also der Ueberbringer, der hier nicht erfthienen ist, ebenfalls, wie sein Vater befürchtet, behalten hat.
Aber weshalb denn nur, was können dem wilden John Alting die Papiere nützen?" fragte Paulsen kopffchüttelnd.
Hm, in dem Schreiben an Hauptmann Romberg, meinen unvergeßlichen Vater, beauftragte Lieutenant Alting ihn, mich nach Deutschland zu seinem Bruder zu senden, der dort, wie er wisse, unvermählt auf seinem Stammgut lebe. Er mahnte den Hauptmann an ein gegebenes Versprechen und drängte zur unverzüglichen Abreise. Ein Brief unseres theuren Tobten, den ich als sein Testament betrachte, hat mir Alles enthüllt und bestätigt. Ich muß sein Wort ein lösen, muß hinüber in jene« Land, das ihn hmausgestoßen hat und das ich ldeshalb Haffe. Du aber, mein alter Freund, sollst mich dorthin begleiten, da« ist sein Wille."
„In die Heimath zurück!" — Der alte Schleswig» Holsteiner zuckte wie im freudigen Schreck zusammen. Es war immerdar sein geheimster Herzenswunsch gewesen, aber ohne seinen Hauptmann? - Er schüttelte kummervoll den grauen Kopf, und seufzte tief uud schwer.
„Seinem Befehl muß ich gehorchen," sagte er, „wer sorgt aber für sein Grab? Wer für seine Farm?"
„Darüber reden wir mit Herrn Sander, Alter, denke jetzt aber erst einmal darüber nach, weshab der junge fAIting meinen Geburtsschein behalten und Joe Catton gedungen hat, um Dir den zweiten Brief seines sterbenden Vaters zu rauben.
Paulsen blickte ihn starr an, bis feine Züge nach und nach erregter wurden und e» unruhig in seinen Augen aut#
es athemlos.
„Das ist meine feste Ueberzeugung, ja, ich glaube sogar, daß er bereits auf der See schwimmt."
„Er wäre dazu wohl im Stande, zumal ihm ein reiches Erbs winkt," meinte Paulsen in heftiger Erregung. „Der säet Unkraut und nimmt Anderen die guten Ernten. Der arme Rittmeister, einen solchen Neffen hat er gewiß nicht verdient. Aber am Ende muß er doch den Tod seine» Vater»
meiner Ehre leide."
„Ruhig, junger Herr," ruhig," mahnte Paulsen, theil- nehmend die Hand auf seinen Arm legend. „Wir haben ia noch einen Hauptpunkt zu bedenken, nämlich das Reisegeld. Erst von hier nach Newyork, dann mit dem Dampfer nach Hamburg oder Bremen, und von da mit der Bahn nach Norden. Das ist ein ganzer Berg von Kosten für zwei Passagiere; woher nehmen und nicht stehlen, Herr Romberg?
Siehst Du, Alter, daran hat weder mein theurer Vater, noch der dänische Lieutenant gedacht," sagte jener fast triumphi- rend, „und ich denke mir, daß daran auch die Reise des jungen Alting scheitert." , ,
„Hm, wenn's dem ernst damit ist, dann werd er das Geld anschaffen, es liegt für ihn auf der Straße. - Uebrigsns hat Herr Sander auch ein Wort mitzusprechen. Sie müßten ihm die Farm überlassen und dann ist unsere Frau Reimers noch da — es ist eine verflixte Geschichte!
„Ja, und deshalb kann ich die Reise nicht machen, das siehst Du doch ein, Paulsen!"
Der junge Mann verstummte plötzlich. Das Testament seines väterlichen Freundes stand mit Flammenschrtft vor seinen Augen und schien ihn des Undanks anzuklagen.
„Der Herr Hauptmann hat'« aber doch befohlen, be> merkte Paulsen, „es war sein letzter Befehl, mein lieber, junger Herr! Wollen Sie mich ruhig anhören?
„Sprich, alter Freund!"
"Nun, ich denke mir, daß wir doch reisen müssen. Sprechen Sie mit Herrn Sander, sagen Sie ihm Alles, er ist ein Landsmann und was noch mehr sagen will, ein red. licher Mann und Ihr aufrichtiger Freund. Widersteht s Ihnen? Dann geben Sie mir die Erlaubniß dazu.
„Nein, das muß ich selber thun," erwiderte der junge Mann mit gepreßter Stimme. „Ich sehe ein, daß mir kein anderer Ausweg bleibt, obwohl ich gestehe, daß es mir schwer ankommt. Ach, mein lieber, alter Freund, glaubst Du denn nicht, daß es auch für Willi Sander ein himmelweiter Unterschied ist, ob ich ein Romberg oder Alting, und nun gar einer von diesem amerikanischen Zweig bin?"
„Nein, das glaub' ich nicht, junger Herr, dazu ist Herr Sander ein zu redlicher Mann. Aber es ist doch besser, wenn ich ihm die Geschichte von A bis Z erzähle, tust, weil ich Sie genau kenne und Sie auf diesen Armen gewiegt habe. Die Geschichte kommt Ihnen doch nicht über die Lippen, was ja auch in der Ordnung ist, Herr Romberg! — Heut am Sonntag ist just der rechte Tag dazu, ich will mich gleich nach der Rtnderfarm aus die Füße machen, well er morgen nickt zu Hause sein könnte." , „
„Es wird das Beste sein," meinte der junge Mann seufzend, „spann nur den Schimmel an den Wagen, sonst kommst Du vor Nacht gar nicht hin."
Nach zehn Minuten fuhr Paulsen, der sich ganz erholt hatte, aber noch ein Pflaster auf dem Kopfe hatte, fort und traf Willi Sander mit der Pfeife im Munde unterwegs auf der Landstraße, wenn man den breiten Fahrweg, den der Rinderfarmer selber angelegt hatte, so nennen durfte.
„Na, old boy, wieder hoch?" rief er verwundert, als Paulsen anhielt, „wohin wollt Ihr denn am Sonntag und
$ Ihnen/Herr Sander, wollt' ein Wort mit Ihnen im Vertrauen reden. Wenn Sie aufsteigen möchten, dan könnten wir nach unserer Farm zurückfahren, ich kann» dann
unterwegs abmachen." , r , 9„
„Ist mit dem jungen Herrn was los 4


