Ausgabe 
24.11.1896
 
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Niitrchaltllngsblatt Mm Gießener Anzeiger Wenrral-Anzriger)

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Nr. 138

1896.

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fvMmmer verschlossen, wie es mich ohne Zweifel auch Ihrer Achtung auf ewig beraubt hätte. So ging es fort bis zu Tage, wo meine Leidenschaft für einen einzigen um glückseligen Moment den Steg davontrug über alle Mahnungen der Klugheit und alle Gebote der Mannesehre dem Tage, der mich zu dem elendesten Menschen machte- Als ich zur Erkenntntß der Nichtswürdigkeit kam, die ich da begangen, hatte ich keinen anderen Gedanken mehr al» den an die Flucht.

. ., 3^ war einer Ohnmacht nahe, als ich Re wiederfah, denn inijrem schneeweißen Haar und in ihrem hinfälligen, krankhaften Aussehen gttch Re einer Siebzigjährigen. Ihr Geist war völlig umnachtet und Re erkannte mich nicht. Aber Re folgte wir willig und erwies sich als eine stille, geduldige Patientin auch auf der Reise, die wir alsbald antraten. Ich confultirte zunächst einige berühmte ärztliche Autoritäten in Wien und Paris; dann, als ich von ihnen übereinstimmend eine Be­steigung der hoffnungslosen Prognose erhalten hatte, reiste ich mit meiner Frau und dem Pflegepersonal nach SB., dessen ftlittiu mir als günstig bezeichnet worden war und wohin mich außerdem der Wunsch zog, Ihren Vater kennen zu lernen. Was dann weiter geschah, ist Ihnen ja bekannt. Ich liebte Sie von dem Augenblick an, da ich Sie zum ersten Male gesehen, und ich fühlte, daß die« die erste wirkliche Liebe

Lebens sei. Ich war unaussprechlich glücklich in 3brer Nähe, und in der Seligkeit der wonnigen Gegenwart unterdrückte ich jeden Gedanken an die Zukunft gewaltsam sLalPem $er3en ®8 war nicht von allem Anbeginn meine Absicht gewesen mix durch eine schändliche Lüge Ihrer Gegen- liebe zu erschleichen. Aber als ich nach unserer ersten Be- Segnung auf der Promenade wahrnahm, daß Sie meine weißhaarige Begleiterin für meine Mutter gehalten hatten da raubte mir eine unsinnige Furcht, Sie zu verlieren, in dem entscheidenden Augenblick die Kraft, Ihren Jrrthum zu

6n e^e Flucht aus dem Leben, dessen - n°VrböfUe;E »ür wich ja nur noch eine einzige, unaufhörliche Sri»e fonn e; 2tber legte den Revolver, der schon geladen war, wieder an seinen Platz zurück, denn ich batte doch nicht den Muth, der ersten Erbärmlichkeit eine zweite ST R' ?m ber armen Wahnsinnigen willen mußte ^hie Last meines verpfuschten Dasein« auch weiter tragen. Was in chrtt umnachteten Seele vorging ob ihr vielleicht ®rnne? aufgedämmert war an das, was wir, emander dereinst gewesen ich vermag es ja nicht zu sagen aber sie legte in unserem erneuten, und doch so ganz /er- änderen Zusammenleben eine gewisse kindliche Neigung an den Tag, die bei diesem unglücklichen, lebendig tobten Wesen etms doppelt Ergreifendes hatte. Sie war unruhig und traurig, wenn sie mich nicht in ihrer Nähe sah; nvtn S tritt aber genügte, sie still und heiter zu machen. Wenn es i^rem armen, glücklosen Leben noch ein letztes Mißgeschick geben konnte, so war es mein Tod und deshalb batte bft*elifte Mcht, wich für sie zu erhalten.

di- -N ° htese Pflicht erfüllt, habe mit schwerem Herzen «1C erfte Öerau8forberung Ihres Bruders zurückzewiefen Bru§ s- » Qetrabe^ sehnsüchtiges Verlangen fühltt, meins Brust feiner Kugel preiszugeben, unb ich habe zum Lob» für bMona^9e Martyrium bett Trost gehabt, meine un« glückliche Maud mit einem Lächeln auf den Lippen scheiden 3hr letzter dankbarer Blick, ihr letzter zärtlicher Händedruck galt mir sie wenigstens hat in ihrer Sterbe, stunde keinen Vorwurf gegen michHrhoben 9 e ,. .. Bor drei Tagen habe ich ihre irdische Hülle unter italienischem Himmel begraben» und soeben bat mitfi n-» Kartellträger Ihres Bruders verlassen. Ich hoffe, bo§ die Land d-8 .fSerrn WSLffn«.« .k r'V. l|c'. . aB ole

vy jen UNO teilt Blick sicher sein wird

denn es wäre eine traurige Nothwendiakeit wenn t-b Richteramt zuletzt doch noch selbst übernehmen müß?e b Dir aber, meine angebetete Erika, der diese ri-js-» Mann^bü/^^ ^wmen werden, wenn ich bereits ein stiller Mann bin Dir muß ich s am Schluß meines Bekennt.

ich auf ^dieser W°I, nur Dich Lich Ä V s*-

In Fesseln.

«rzählung von Reinhold Ortmann.

lSchluß.)