Ausgabe 
24.3.1896
 
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Langsam erhob er sich.

»Aber Herr Majori" rief Heller.

, , '-Msch, bist Du toll? Um zehn Minuten nach elf heim?" fragte Herr von Wolfrum, ein Gutsbesitzer, der als Intimster den Platz an des Majors Seite ausfüllte.

Man sollte meinen, er wäre verheirathet," stichelte Doctor Erwe.

Das dringendste Argument brachte der Wirth. Ein soll» des GlasSteifen", das der Major alsSchlummerpunsch« allabendlich sinnahm. So ließ er sich denn, wenn auch grollend, in seinen Sitz zurückdrückeu.

Und nun die Geschichte," baten ein paar Herren auf einmal. '

Schwefelzeug!" brummte Pitsch.Na weil eben vom Heirathen die Rede war--aber das bitte ich mir

aus: keine grünfchnäbeligen Bemerkungen! Also das Hei.

ja so das Schnarchen hat mir's eigentlich ver. leidet. Da war damals eine Cousine, die hübsche--na,

Namen thun nichts zur Sache--führt heute längst ein

paar stattliche Töchter zu Balle ---also flottes Ding,

nichts Gesuchtes, Gedrechseltes dran, reine Raffe! Frisch keck ging auf's Ziel los wie ein Donnerwetter. Ich auch, als junger Premier, und weiß der Teufel, das Mädel hätte mich 'rumgekriegt! Traf sie auf meinem Weihnacht-, urlaub bei den Wiedenbachs auf Wiedenhausen. Wie das so auf dem Lande geht - Einladung zum Hausball auf ein Nach, bargut mit drei Töchtern, infolgedessen riesiger Festzauber mit leidlichem Amüsement. Zum Schluß Schlittengeklingel und Peitschenknallen durch die mondhelle Dezembernacht. Ich mit ihr zurück nach Wiedenhausen. Müde mußte sie sein, denn getanzt hatte sie wie Quecksilber so that das bischen Frost« lüft das seine: das Mädel schlief mir einfach ein."

Ein schmeichelhaftes Zeugntß für Deine Unterhaltungs. gabel" wandte Wolfrum ein.

Pitsch zauste ein paarmal an seinen langen, weißen Schnurr« bartspitzen.

Pfeffer, reichen Sie doch Herrn von Wolfrum 'mal die Riechbüchse!"

Pftffer war der Wirth und dieRiechbüchse" eine in Form einer Pfeffermühle construirte Spardose, in die Wolfrum nun wehmüthigen Lächeln, seinen Strafgroschen legen mußte. So wollten e» zu Gunsten der Armen von einem Störenfried die übrigens ungeschriebenen pfeffersäcklichen Satzungen.

Nachdem der Major sich noch mit einer olymphaften Rauchwolke umgeben hatte, fuhr er fort:

Schlief mir also ein. Miserables Gefühl, sage ich Ihnen! So als Mensch von siebenundzwanzig Jchren neben einem Mädel, das einem nicht ganz gleichgültig ist, durch die discrete Nacht zu sausen und dabei so peu ä peu 'was meines, warmes an so an gewissermaßen an den Schnurrbartspitzen zu fühlen. Zu wecken riskirte ich das liebe Kind nicht. Saß also madonnengleich. Steif, still, unbe­weglich."

Na, na!"

Da» war natürlich der Steuerrath.

(Fortsetzung folgt.)

Mdaction: N. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMz-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.

Wurm der Major 0011 Misch nicht heirchete.

Humoreske von Hermann Birkenfeld.

(Nachdruck verboten.)

Es war Ende Januar, kurz nach elf Uhr.

Natürlich Abends, denn Vormittags pflegte die Gesellschaft Pfeffersack" in Kringelheim sich nicht zu versammeln.

Zum zehnten Mal im neuen Jahr drehte sich das Ge« spräch um's Schnarchen.

Das war nicht zu verwundern. Denn erstens lag Kringel, heim ein bischen reichlich abseits vom Wege, wenn's auch sonst ein behaglich Nest war und aus diesem Grunde ein halbes Dutzend ältliche Pensionäre mit und ohne Familie in seinen Mauern einschloß. Solche hatte es nämlich wirklich noch auf« zuweisen, reguläre Stadtmauern mit anderthalb erhaltenen Thürmen, auf die man stolz war, weil er einem doch da­von wollte ich nicht erzählen. Erstens aber fehlte es manch­mal an einem reellen Unterhaltungsstoff, und zweitens pflegte der breitschultrige Amtmann Strube um diese Zeit, nämlich täglich Schlag elf Uhr, seinem Sessel einen kleinen Ruck zu geben, sodaß er aus der gemüthlichen Kreislinie der Pfeffer, fackler heräuspflog, sich behaglich zu stecken, das fleischige Haup! auf die Brust sinken zu lassen und ein paar Minuten später in ein schwermuthsvoll düsteres Geschnarche zu ver­fallen.

Der Pfeffer sack hatte sich so ziemlich an diese menschliche Schwäche seines amtmännlichen Mitgliedes gewöhnt. Nur den Major von Piisch reizte das uniforme räps raps leicht« lich zu schnöden Bemerkungen.

Wenn Strube nicht so'n guter Kerl wäre die Schnarcherei könnte einem den Schoppen in seiner Gesellschaft verleiden," brummte er jetzt.Da sieht man nebenbei, wie weit« die Herren von der Medicin noch nicht gebracht haben. Nicht 'mal dem Menschen dies viehische Gesäge abge. wöhnen zu können!"

Verbrauchte Leiertöne 1" grunzte der Kreiswundarzt Erwe, was ihn aber nicht hinderte, dem Major in aller Freundschaft seine Dose anzubieten.Macht klaren Kopf und stärkt die Nerven," sagte er dabei.

Na, davon hättte ich nun noch nichts gespürt," erwiderte Pitsch, stopfte aber doch ein Erkleckliches von dem braunen Kraut in seine Nase.Schnarchen ist einfach schandbar. Daran gewöhnt sich der Mensch in seinem achtundfünfzigsten Jahre nicht mehr. Habe ich da einmal eine Geschichte erlebt«

Um des Himmels willen, Saint Privat zum neunund­vierzigsten Male!" raunte der Steuerrath Heller seinem Nach- bar, dem Bürgermeister, zu.

Nicht leis' genug, daß der Major es überhört hätte.

Wenn andere erzählen wollen--"

In sich selbst zurückgezogen sog er. verdrießlich an seiner schwarzbraunen Meerschaumspitze.

Heller ließ fich's nicht ansechten.

Jetzt thut er, als ob er uns nicht wieder die Affaire von dem schnarchenden Vicefeldwebel, mit dem er ein paar Nächte das Zett theilen mußte, aufttschen wollte! Leider war der Aermste unheilbar!" schloß er feierlich, ganz in dem Tonfall, mit dem die Erzählung gemeiniglich von Pitsch zu Ende geführt wurde.

Fertig, Heller? Ja? Nun, dann darf ich hier« mit Sie als neunundvierzigjährigsten Erzähler einer der schmerzlichsten Episoden meines Lebens festnageln. Nummer fünfzig übernimmt vielleicht demnächst ein Anderer."

Ganz hübsche Idee! - Anlaß zu einer Jubiläums, bowle!"

Zu der wir nur von Ihnen nicht den Wein nehmen würden, Bonecke," sprach der Major bedächtig, mit einer halben Drehung seines Kopfes nach dem Sprecher, dem Kaufmann und demRathsherrn" Bonecke.

Gr war verdrießlich.

VeriiMehtss.

Umwegen. Banquier (zu seinem Buchhalter): Mit Ihrem geringen Gehalte wollen Sie heirathen? Ich sage Ihnen, unter zwei Jahren dürfen Sie an eine Auf. befferung desselben von meiner Seite nicht denken." Buch. Halter:Das macht nichts, Herr Banquier, für unser Aus« kommen sorgt schon während dieser Zeit meine Schwieger« mama." Banquier:Wer ist denn diese gütige Schwieger« mama, wenn ich fragen darf?" - Buchhalter:Ihre Frau Gemahlin, Herr Banquier."