Ausgabe 
21.7.1896
 
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Kor Thoresschluß.

Aus den Erinnerungen eines alten Seemannes.

--- (Nachdruck verboten.)

Dreißig Jahre mögen nun wohl bald verflossen sein, daß ich Capitän desNordstern" war. Der ^Nordstern, eine kaum mittelgroße, aber gut gebaute und vortrefflich segelnde Brigg, gehörte der alten Rhederfirma Barwicks und Sühne in Hüll an, und hatte unter meinem Commando schon ver- schiebens Fahrten nach der Ostseeküste und nach Spanien aus« gesührt. Jetzt aber sollte ich mit ihr dar erste Mal den Atlantischen Ocean kreuzen, denn ich hatte von meinen Chefs den Auftrag erhalten, eine starke Parthie Stahl- und Effen- waaren nach Montevideo zu bringen und dann auf der Rück­fahrt Rio de Janeiro anzulaufen, um daselbst als Ruck,rächt Kaffee und Baumwolle, welche Ladung sür ein Londoner Haus bestimmt war, mit nach England zu nehmen. Nachdem ich die letzten Instructionen entgegengenommen, lief ich an einem schönen Frühlingsmorgen mit demNordstern' von Hüll aus und erreichte mein nächstes Ziel Montevideo nach einer von Wind und Wetter ungemein begünstigten raschen Fahrt. Dieselbe war indessen dafür in anderer Weise beeinträchtigt worden. Mein bei Antritt der Reise neu engagirter Steuer- mann, ein Schotte Namens Max Clearce, vermochte mit der Mannschaft durchaus nicht auszukommen, in Folgs dry-n wiederholt unangenehme, ja, häßliche Scenen während der Ueberfahrt entstanden waren. Aber die Schuld an diesem unleidlichen Verhältniß trug offenbar der Steuermann, wie sich bald genug herausgestellt hatte. Er trank stark und war von leidenschaftlichem, aufbrausendem Character, und unter dem Banne dieser Leidenschaften sprang er mit den Matrosen in einer Art um, die mich mehr als einmal zum Einschreiten nöthigte, obwohl ich dies äußerst ungern that. Denn für einen richtigen Capitän ist e» immer sehr verdrießlich, sich in Differenzen zwischen Steuermann und Mannschaften ein­mischen zu müffen, und dies Geschäft war mir um so pein- kicher, als ich Max Clearce wegen seiner Eigenschaften als tüchtiger Seemann hochschätzte.

Die Löschung der Ladung in Montevideo vollzog sich glatt, so daß ich nach nur kurzem Aufenthalt nach Rio de Janeiro weitersegeln konnte, um daselbst die sür das Londoner Haus bestimmten Kaffeesäcke und Baumwollenballen aufzu­nehmen. Aber in der brasililanischen Hauptstadt passirte mir ein höchst fatales Mißgeschick. Er waren nämlich in der benachbarten Provinz Minas Geraes neue Diamantengruben aufgefunden worden, in Folge dessen sich aus Rio de Janeiro und Umgend ein wahrer Strom von allerhand Leuten nach den "neu entdeckten Diamantendistricten ergoß. Auch die Matrosen vieler im Hafen liegenden Schiffe desertirten trotz aller Vorsichtsmaßregeln der Capitäne, um ihr Glück in den Diamantgruben zu versuchen, und die Mannschaft derNord­stern" ließ sich von der Gier nach den lockenden Diamanten- schätzen ebenfalls verleiten, auszufliegen". Eines schönen Morgens waren an Bord desNordstern" außer mir und dem Steuer­mann nur noch zwei Matrosen und der Schiffsjunge, sowie Neptun, der schwarze Koch, vorhanden, die anderen hatten sich während der Nacht gedrückt. Von den beiden zurück­gebliebenenDeckhänden" lag der eine, ein Ire, der den see­männischen Allerweltsnamen Tom führte, krank in seiner Koje, indeß der andere, Charter,, ein Portsmouther Kind, vermuthlich der Geschichte mit der Diamantenherrlichkeit nicht recht getraut haben mochte. Jedenfalls sah ich mich aber zunächst außer Stande, mit einer so zusammengeschmolzenen Mannschaft wieder in See zu gehen, ich bedurfte zur Be­dienung des Schiffes wenigstens noch vier Mann, denn selbst dann fehlten an dem ursprünglichen Effectivstande der Schiffs- besatzung noch immer weitere süns Köpfe.

Glücklicher Weise gelang es mir durch das Zusammen­wirken verschiedener günstiger Umstände, die nöthigen vier Matrosen rascher, als ich dachte, an Bord zu bekommen; es

waren dies zwei Engländer, ein Amerikaner und ein Franzose Da die nach London bestimmte Ladung sich längst int Schiffs­räume desNordstern" befand und sich zudem ein kräftiger Südwestwind einstellte, so ging ich ohne Zögern mit dem Curse auf die Cap-Verde-Jnseln in See. Indessen schrahlte der Wind bald um und pfiff uns von Norden entgegen, so daß das Schiff nur sehr langsam Fortgang machte; nur die ausgezeichnete Bauart desNordstern" und seine gute Tacke- lung ermöglichten es überhaupt, daß wir bei dem schwierigen Laviren gegen den Wind noch vorwärts kamen. Viel widriger noch gestaltete sich aber die Fahrt durch die unangenehmen Scenen, zu denen es in Folge des rohen, gewältthätigen Auf- tretens de» Steuermannes gegenüber der Mannschaft aufs Neue kam. Max Clearce stand gar bald auch mit den in Rio auf das Schiff gekommenen frischen Leuten ebenso aus schlechtem Fuß, wie dies schon mit der bisherigen Mannschaft der Fall gewesen war, und kaum vergingen einmal ein paar Stunden, während derer nicht das Tauende in der kräftigen Hand des Schotten auf dem Rücken dieses oder jenes Matro'en getanzt hätte. Ganz besonders war es aber immer wieder Charter,, der unter den Wuthausbrüchen des jähzornigen Steuermannes am meisten zu leiden hatte, dessen Grimm schon auf der Ausreise «** Enrevweo ftwUft 'oen genannten Matrosen gerichtet gewesen war. Unter vier Augen machte ich dem Schotten zwar des öfteren Vorhaltungen wegen seiner Handlungsweise, aber er wußte mir immer die Noth- wendigkeit seiner Strenge so überzeugend darzustellen, daß ich mich genöthigt sah, ihm den Willen zu lassen.

Bei fortdauernd widrigem Winde waren wir in der Nähe der Canarischen Inseln angelangt. Ich hatte mich, er­müdet durch einen ungewöhnlich anstrengenden Tagesdienst, etwas zeitiger wie gewöhnlich in meine Cajüte zurückgezogen und lag im ersten Schlummer, als mich die im höchsten Zorne ertönende Stimme des Steuermannes aufschreckte. Deutlich hörte ich ihn direct über mir auf Deck brüllen.

(Schluß folgt.)

lieber die politische Hörigkeit der Frau. Es dürfte we­nig bekannt sein, daß einige Staaten den Frauen die politische Gleich­berechtigung schon längst verliehen haben. Im Territorium Wyoming besitzen die Frauen seit dem Jahre 1869 das politische Wahlrecht. Von größerem Werthe ist die politische Mündigkeitserklärung der Frauen in Neu-Seeland, denn dieser Staat ist vollständig unabhängig, während Wyoming dem großen GesammtwesenVereinigte Staaten von Nord­amerika" angehört. Erstaunlich ist es, daß zu Ende des vorigen JahreS Utah, der Mormonenstaat, wo vor einigen Jahren noch Vielweiberei herrschte, seiner neuen Constitution das politische Wahlrecht den Frauen einverleibte. Wir entnehmen diese interessanten Thatsachen dem Aufsatze Die politische Hörigkeit der Frau" , der im letzt erschienenen Heft 20 der »Wiener Mode* publicirt wurde. Diese Nummer der vortrefflich redigirten Zeitschrift bringt in ihrem Modetheile originelle und elegante Toiletten sür die verschiedenen Festlichkeiten geeignet, wie sie in Bade- und Erholungsorten arrangirt werden, ferner hübsche Sommerkleider, practische Hausroben, Sportcostüme, verschiedene andere Garderobestücke und geschmackvolle, leicht auszusührende Handarbeiten. DieWiener Mode" kostet per Quartal 2 Mk. 50 Pfg. (einzelne Hefte ä 45 Pfg.) und ist in allen Buchhandlungen erhältlich.

»Deutsche» Soldaleuhort^, Jllustrirte Zeitschrift für das deutsche Heer und Volk. Herausgeber: General-Lieutenant z. D. H. v. Below. Preis pro Quartal 1,80 Mk. Verlag von Karl Sigismund, Berlin W., Mauerstraße 68. VII. Jahrgang erschien soeben und enthält: Bootles Baby. Eine Erzählung aus englischen Offizier-Kreisen. Von Strange Winter. (Deutsch bearbeitet von Elisabeth v. P.) (Schluß.) Achtundvierziger. Humoreske von Carl Paeske. Die Einnahme Berlins durch die Russen und Oesterreicher im Jahre 1760. Von B. Steinbrink. (Mit Abbildungen.) Unsere Feldzeichen. Von Gene­ral der Infanterie z. D. v. Kretschman. Dienstmädchen - Parade. (Mit Abb.) Aus den bayerischen Bergen. Von I. Der Luftballon im Kriege. Von v R. Abfahrt der Schutztruppe für Westafrika am 31. Mai 1896. (Mit Abb.) Vaterländische Gedenktage. Vermischtes: Berliner Gewerbe - Ausstellung 1896. Splitter und Funken. Briefkasten. Inserate.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UmversttRS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießt".

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