Ausgabe 
18.8.1896
 
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der Unten Seite dicht herabwallenden grünen Hahnenfedern gaben ihnen etwas Eigenartiges und Achtunggebietendes. Die österreichisch' ungarische Gendarmerie kann sich rühmen, eine der tüchtigsten Polizeitruppen der ganzen Welt zu sein, und wenn man daran denkt, wie Großartiges sie unter den schwieMsten Verhältniffen und bei der vielsprachigen Be- völkerW der Monarchie leistet, kann man ihr die höchste Anerkennung nicht versagen.

(Schluß folgt.)

GeineinnNtziges.

Reinigen von Obst und Gemüse vor dem Genüsse. Nicht dringend genug kann gewarnt werden vor dem Genuß von Obst in jenem Zustande, wie es vom Markte kommt, weil dasselbe nicht allein durch den Staub der Straßen und Gassen sondern vielleicht auch die Krankheitskeime ver- unreinigt ist. Es ist unbedingt rathsam, die Früchte vor dem Genusie stets zu reinigen, und zwar größere durch Ab- wischen, kleinere wie Kirchen, Stachel« und Johannisbeeren durch Abspülen mit Waffer. Das Gemüse soll erst unmittel­bar vor dem Gebrauche in der Küche gewaschen und gereinigt werden, und zwar durch rasches Durchschwenken derselben in reinem Waffer, ja nicht aber, wie dies häufig mit Salat und Spinat geschieht, daß man es längere Zeit im Wasser liegen läßt, da hierdurch der Geschmack bedeutend leidet, indem es, wie man sagt, ausgewässert wird und insbesondere das volle Aroma, wie bei Carfiol, Sellerie und Petersilie voll­kommen verloren geht. Damit ist gewiß nicht gesagt, daß jedes Gemüse überhaupt nicht gründlich und vollkommen, selbst durch mehrmaliges Wechseln des Wassers gereinigt werden soll, um dadurch Bacterien und Unreinlichkeiten aller Art, wie solche durch die Düngung auf die Beete gebracht werden, zu entfernen, nein es soll blos gesagt sein, die Reinigung soll rasch, dabei aber gründlich geschehen.

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Das Düngen der Aurikeln geschieht am besten im Spätsommer. Von einem Düngen, so wie man Gemüse düngt, ist hier keine Rede- Sie verlangen gelindere, leicht verdauliche Kost und diese besteht in guter Composterde. Reiner Kuhdung, im Spätsommer und Herbst um die Pflanzen ge­bracht, ist gleichfalls ein paffender Dünger. Besser als ein Dünger ist aber ein Umpflanzen derselben auf Beete mit guter Erde. Ein Verpflanzen im Spätsommer oder Herbst ist bei ihnen zweckmäßiger ali im.Frühjahr.

Die Zeit nach der Blüthe der weißen Lilie, der Monat August bis Mitte September, eignet sich vor­trefflich zur Pflanzung der Zwiebeln. Hat man kein Plätzchen für sie fcei, so pflanze man sie einstweilen in nicht zu große Töpfe. Die Töpfe sind hierbei nur zur Hälfte mit Erde zu füllen, die Zwiebeln werden nur aufgefetzt, nicht mit Erde be­deckt. Das Begießen unterbleibt vollständig. Sobald es möglich ist, nimmt man im Herbst die Lilien vorsichtig aus den Töpfen und pflanzt sie so tief, daß sie völlig mit Erde bedeckt werden. Will man die weiße Lilie im Topfe cultiviren, so macht sich ein frühzeitiges Pflanzen noch viel mehr nöthig.

Den Himbeeren darf man nicht alle jungen Schöffe laffen, die maffenhaft aus dem Boden kommen; nur vier bis sechs, alle anderen am Boden wegschneiden.

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Gartenarbeit. Die Tomatensp'tzen werden abgekneist, auch überzählige freche Ranken entfernt, um den Fruchtansatz zu beschleunigen. Die allerschönste Gurke bleibt zum Samen hängen oder liegen. Würzkräuter zum Trocknen werden vor Beginnen der Blüthe geschnitten und büschelweise an trocken­luftiger, fchattiger Stelle aufgehängt. Gelbe, faulige Blätter aller Gemüse, besonders der Kohlpflanzen, sind abzunehmen

und am besten auf den Compost zu bringen. Ein Abblatten gesunder Blätter, z. B. an rothen Rüben re-, hat keinen Zweck.

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Behandlung der Papageien und wie man dieselben sprechen lehrt- Das Futter der Papageien soll in öligen und mehlhalttgen Sämereien bestehen- Man gebe ihnen also besten Hanfsamen und schwach angekochten, gut getrockneten Pferdezahnmais als regelmäßiges, tägliches Futter. Dazu darf man ihnen auch täglich in Milch geweichte Semmel, etwas Obst, wie Kirsche, Weinbeere und als am Zuträglichsten ein Stückchen Apfel reichen. Dieses ist die einzige fach- und naturgemäß richtige Ernährung aller sprechenden Papageien in der Häuslichkeit. Den Papageien zum Sprechen und zur Zähmung abzurichten, wende man ja keine Gewalt­kur an. Man gehe immer recht ruhig und liebevoll mit ihm um, rede ihm stets freundlich zu und reiche ihm jeden Lscker- biffen aus der Hand. Dann wird er bald zahm werden und ganz von selber Worte nachsprechen lernen. Man spreche ihm Morgens früh und Abends vor dem Einschlafen zunächst nur ein Wort klar und deutlich und in immer gleicher Be­tonung etwa zehn- bis fünfzehn Mal vor, und erst dann, wenn er es nachspricht, beginne man mit einem zweiten. Bei dieser Behandlung werden die hierzu veranlagten Arten bald sprechen lernen.

Humoristisches.

Der richtige Berliner. Drei Bekannte begegnen sich an einem kalten Wintertage. Erster:Verflucht, heute ist's kalt!" Zweiter:Ja, es sind aber auch 12 Grad." Dritter:Jott, wat is denn bet for 'ne Stadt, wie Berlin!?"

Anzeichen. Mutter:Denkst Du, daß der Affessor sich bald erklären wird?" Tochter:O ja, er fängt schon an, über Dich zu schimpfen."

Literarisches

Handbuch de« praktischen Aimmergärtnerei. Von Max Hesdörffer. Neber 500 Seiten mit 328 Textbil-ern und 16 Blumen­tafeln. Geheftet Mk. 7,50, gebunden Mk. 9,. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt), Berlin SW. 46.

Die Pflege der Blumen im Hause ist in allen Volskreisen vielleicht die verbreitetste und mit Recht die beliebteste aller Liebhabereien, denn keine andere bereitet dem Ausübenden so viel Freude und führt ihm die Erfolge seiner Mühe so dankbar vor Augen als gerade die Blumen­pflege. Von nicht zu unterschätzendem Werthe ist die Blumenpslege auch in erzieherischer Hinsicht, was auch in unseren Schulkreisen schon längst erkannt und in letzter Zeit in der Schule schon vielfach practisch erprobt worden ist. So kommt das vorliegende Werk Hesdörffers den Bedürf­nissen der Zeit in mehr als einer Hinsicht entgegen und es seien alle Freunde des Zimmer- und Hausgartens auf dieses Buch hingewiesen. Es ist in gemeinverständlicher Sprache geschrieben, übersichtlich in der Anordnung und reich an practischen Handgriffen, Winken und Rath­schlägen. Der Inhalt zerfällt in drei Theile, von denen der erste sich mit allgemeinen Regeln befaßt. In ebenso origineller wie anschaulicher Weise erleichtern eine große Anzahl bildlicher Darstellungen das Ver- ständniß der Anweisungen. Der zweite Theil gibt eine Uebersicht über die besten Zimmerpflanzen, ihre Kultur und ge-ignetste Verwendung je nach ihren zeitlichen und örtlichen Eigenschaften und Lebensbedingungen oder ihrer decorativen Verwendbarkeit. Hier finden auch die für Aquarien und Terrarien geeigneten Sumpf- und Wasserpflanzen eingehendste Behandlung. Der dritte Theil enthält Anleitungen für die Blumen­treiberei im Hause und eine Schilderung der zu diesem Zweck empfehlens- werthesten Pflanzen. Ein Monatskalender und ein ausführliches alphabethisches Sachregister beschließen das Buch. Auch der zweite und dritte Theil sind mit einer Fülle von künstlerischen Blumenzeichnungen geschmückt. 328 Textabbildungen und 16 Tafeln erfreuen das Auge des Lesers und geben dem Buche auch äußerlich em werthvolles und künstlerisches Gepräge. So sei diese aus reichen practischen Erfahrungen hervorgegangene Arbeit Hesdörffers überall da empfohlen, wo die Blumenpflege eine Stätte hat, und wo dies noch nicht der Fall ist, wird ihr die Seetüre dieses trefflichen Buches neue Freunde und Anhänger gewinnen.

Redaktion! I. V.: Hermann Elle. - Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.