Nachdem sich die beiden würdigen Spießgesellen noch einmal davon überzeugt hatten, daß kein Horcher sich in der Nähe befand, setzten sie sich auf die Moosbank und begannen eine halblaute Unterhaltung, die sie der Vorsicht halber in englischer Sprache führten, wodurch sie stellenweise lauter wurden, al« beabsichtigt war.
„Wir find also einig?" fragte Han« Justus endlich, sich tiefathmend erhebend. , , ,, „ _
„All right, Sir! — Ihr könnt Euch auf mich verlassen, doch erwarte ich vorher das Bewußte von Euch."
„Mein Wort darauf, Joe! - Entfernt Euch nun in unauffälliger Weife, während ich von hier aus in's Herren, haus gehe."
Eatton gehorchte, als feine Schritte verhallt waren, erhob fich auch Han« Justus, um die Grotte zu verlassen. Da fühlte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter und wandte fich entsetzt um. Eine hohe, imposante Frauengestalt, in einem leichten seidenen Mantel gehüllt, da» schöne Anllitz von einem Spitzentuch umrahmt, stand, wie äus dem Erdboden emporgestiegen, vor ihm.
„Ebba Regina, Sie find'«!" stammelte er mit stockendem Athem, „wie kamen Sie hierher?"
Der kecke Hans Justus schien vielleicht zum ersten Male in seinem Leben völlig fassungslos zu fein, was ihr ein dämonisches Vergnügen zu bereiten schien, da fie lautauflachte. Die Nichte des Herrn Melwig mochte ein und zwanzig Jahre zählen. Sie glich mehr einer Südländerin als einer nordischen Schönheit, da ihre schwarzen funkelnden Augen sogar etwas Astatische« besaßen. Ebba Regina war unheim. lich schön, eine jener dämonischen Frauen, denen die Männer erbarmungslos zum Opfer fallen.
„Sie erschrecken ja vor meinem Anblick wie vor einem Medusenhaupt, Baron Alting!" sagte ste spöttisch. „Ich möchte Ihre Frage zurückgeben, — wie kommen Sie hierher in diese abgelegene Grotte?"
Han« Justus hatte flch gefaßt.
„Ich wollte zu Ihnen, kam vom Wege ab und gerieth so hierher," sagte er leichthin. , ,
„Nun, ich befand mich während Ihrer Abwesenheit in einer Einsiedler-Klause," bemerkte ste im selben Ton. „Sehen Sie, lieber Baron, ist dieses Versteck nicht interessant?"
Sie griff bei diesen Worten an die Felswand, die sich alsbald öffnete und einen kleinen Raum mit einer lagerartlg gestalteten Moosbank zeigte, auf der noch die Ueberreste einer als Eremit gekleideten Puppe lagen.
„Dm Teufel auch," rief Hans Justus, erschreckt zurück- prallend, „was ist denn das für ein Spuk?"
„Der Vorfahr eine» hochedlen Geschlechts, der feine Sünden hier als Einfledler abgebüßt hat," spottete die junge Dame- „Wie Sie sehen, büße auch ich hier zuweilen."
„Ach, lassen Sie den Unstnn, Ebba Regina," erwiderte Alting mit gepreßter Stimme, „wie lange waren Sie in diesem Moderloch, da» für eine junge, schöne Lady doch wohl kein paffender Aufenthalt ist?"
„Hm, zuweilen find solche Verstecke sehr nützlich," meinte sie, ihn fest anblickend, „doch dürfen keine unberufenen Augen und Ohren fie kennen. Dieses hier zum Exempel ist mir nur allein bekannt, da mir der Zufall des Räthsels Lösung in di» Hand spielte. Uebrigen«, mein lieber Baron," setzte ste lächelnd hinzu, „war ich bereits hier, bevor Sie mit Ihrem Diener," ste betonte das letzte Wort etgenthümlich, „die Grotte betraten."
Hans Justus fühlte sich von einem eisigen Schrecken durchrieselt, sein Gesicht wurde aschfahl.
„So haben Sie auch unser Gespräch gehört?" fragte er mit heiserer Stimme.
„Nun freilich, lieber Baron," erwiderte Ebba Regina mit ihrer liebenswürdigen Miene, „meine Sinne find so fein organisirt, daß ich mich vergeblich dagegen wäppnel, ein in meiner Nähe geführtes Gespräch nicht zu verstehen. Ich habe leider vorhin die Ueberzeugung gewonnen, mein Freund, daß Sie sehr unvorstchtig gewesen sind, einen für jeden unserer
Bediensteten so leicht zugänglichen Ort wie diesen hier für eine solche Unterredung zu wählen."
Hans Justus blickte das schöne Weib forschend an und ergriff dann mit einem plötzlichen Entschluß ihre Hände, um fie dicht an fich zu ziehen.
„Sie wissen oder haben verstanden, was mir droht, Ebba Regina?" fragte er leise.
Sie nickte. Ihre schwarzen Augen funkelten ihn dämonisch an. Sie sprach englisch wie ihre Muttersprache.
„Es ist hier gefährlich", sagte sie bedeutsam, „kommen Sie in mein Versteck, Baron!"
Er folgte ihr mit einem seltsamen Gefühl in die geheime Klause, deren Eingang sich geräuschlns wieder schloß. Eine halbe Dämmerung herrschte in dem kleinen Raum, welcher Licht und Luft von einem ganz oben befindlichen, ebenfalls durch eine künstliche Vorrichtung zu öffnendes Fenster, dessen Scheibe au» durchsichtigem Horn bestand, erhielt. Obwohl die Luft nun auch ganz rein, so empfand Hans Justus doch ein ungewohntes beklemendes Gefühl der Angst, das sich ihm wie ein Alp auf die Brust legte und mit dem ganzen Aufgebot seiner Willenskraft nicht zu bannen war. Es war ihm urplötzlich, als Hobe sich vor jenen geheimnißvollen Eingang fein eigener Grabstein gewälzt.
„Zittern Sie, Hans Justus?" fragte Ebba Regina spöttisch. „Vielleicht vor den Ueberresten der Eremiten oder am Ende gar - vor mir?'!
„Ja, ich zittere vor Furcht, Dich zu verlieren; wisse, daß ich um Deinen Besttz ein Verbrechen, eine Welt in Flammen aufgehen lassen könnte."
(Fortsetzung folgt.)
Gemeinnütziges.
Der üble Geruch der Nachtiampe. Lampenöl hinterläßt durch da» Dampfen der Nachtlichtchen stets einen üblen Geruch, der sich leicht auf die Lungen, besonders kleiner Kinder, aber auch Kranker wirft. Um diesem schädlichen Einfluß vorzubeugen, hängt man in die Nähe des Nachtlichtes etwas höher als die Flamme brennt, einen Schwamm auf, getränkt in Essig. Dieser zieht den Geruch und auch etwaiges Blacken an; der Schwamm muß.öfter ausgewaschen werden.
Emaillirtes Kochgeschirrr wieder hell zu machen, ohne daß die Glasur darunter leidet. Man thut für etwa drei Pfennig Pottasche und ebensoviel Chlorkalk zusammen in den dunkel gewordenen Topf, gießt drei Liter Wasser hinzu, und stellt den Topf eine Zeit lang an einen warmen Ort- Das Geschirr wird wieder »klar und rein.
Obstflecken zu entfernen. Um Obstflecken au» weißen oder bunten Stoffen zu entfernen, legt man letztere einen Tag in saure Milch; sollte der Fleck noch nicht sortgehen, so muß die Milch erneuert werden, überhaupt so oft, bi» der Fleck verschwunden ist. Dünn werden die Stoffe in Seifen- wasser ausgewaschen. » »
Um das Atter von Eiern sicher zu erkennen, löse man in ‘/2 Liter Wasser 521/2 Gramm Kochsalz auf; ein ganz frisches Ei in diese Lösung gebracht, sinkt alsbald bis auf den Boden des Gefäßes unter, während weniger frische Eier auch weniger tief in die Flüssigkeit einstnken. Schwimmt ein Ei oben auf, so ist e» alt.
Eine Mischung von 2 Lot Weinstein mit 1 Lot Alaunpulver tilgt die Rost- und Tintenflecken aus der Wäsche und dem Leinenzeug.
Die wenigsten Schönheitsmittel bestehen vor dem Forum einer strengen Kritik, fast alle jenen kosmetischen Products, die unter den pomphaftesten Namen angepriesen werden, und mit theurem Gelds aus dem Auslande geholt


