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denn? — Erst überlegen Sie's, und dann machen Sie mit'« nach: Abendsitzung auf Stubenkammer, Fußmarsch nach Saß' nitz, Strandbummelei, keine Nachtruhe, wieder Strand getreten und nochmals keine Nachtruhe — meinen Sie, ich wär'n Perpetuum mobile? — Also ich aufgefahren, weil — na, natürlich kam sie daher. Dieser Blick I — Nur gestreift hatte sie den Winkel, in dem ich hockte, aber gestreift mit dreifach potenziertem Eis in den braunen Augen. Das im Kübel vor mir war bademäßig warm gegen so was. Ich wagte nicht 'mal zu grüßen. Die Ditto's hinter ihr, augenscheinlich zu 'ner Frühpromenade gerüstet. Er sah mich und machte so'ne verlor'ne Bewegung nach mir hin, aber Frau Cölestine zupft ihn leis' am Aermel. Ich verstand. „Ein Mensch, der die Nächte bei Rothspohn und Scct durchkneipt, ist keine Parthie mehr sür unsere Sonny," wollte das bedeuten. Als ob mir so was Wurscht gewesen wäre, jetzt! Aber schämen that ich mich doch.
Als ich damit fertig war, stand ich auf und kroch auf mein Zimmer. Konnte ja nun noch ein paar Züge Schlaf mitnehmen.
Wie ich gegen Mittag mein Frühstück einnehme, fällt mir ein, daß heute ja mein Freund Apel kommen wollte. Das hatte ich über der verflixten Liebelei und Schnarchaffaire total vergesien. Also nach dem Landungsplätze gerannt- War auch just ein Dampfer von Greifswald angekommsn, aber natürlich ohne Apel. Schlängle mich deshalb bis gegen Abend herum, mächtig verschnupft. Daß Apel mir auch Routs und Ankunftszeit nicht genauer angegeben hatte. Das Infamste war, daß ich liebend gern gleich möglichst viele Kilometer zwischen mich und dies ganze Rügen gelegt hätte, und nun konnte ich nicht, der Abrede mit Apel wegen.
Eip einziges war mein Trost: mein Zimmer hatte der Oberkellner in eine andere Ecke von seinem Quisisana verlegt. So hoffte ich diesmal auf 'ne leidliche Nacht, saß gegen Abend auf der Veranda draußen und genoß ein bischen.
„Nun, was meinen Sie, wer da ankommt?"
Pitsch sah mit großen Augen in der pfeffersäcklichen Runde umher.
Bürgermeister Greifer grunzte:
„Natürlich die Dittos. Konnten ja nicht ewig draußen bleiben!"
„Hm!" Sie müssen'« wissen," versetzte der Major verdrießlich.
Greifer hatte ihm zu rasch gerathen.
„Recht aber haben Sie: die Dittos. Aber wem Sonny am Arm hing — hing mit so'ner sich anschmiegenden Entschiedenheit, als wollte sie sagen: Hier gehöre ich ganz genau hin und nirgends sonst wo — strahlend in Glück und Zärt- lichkeitsgethue? Das war — Apel meine Herren! — Hauptmann Apel vom xten Garderegiment."
Na, ich petrefiziert!
Der alte Kerl nimmt mich beiseite.
„Nich bös fein, Pitsch! Nacht durchgefahren, früh von Stettin Fahrgelegenheit gehabt, alte Bekannte wiedergefunden, und — na, Du kennst sie ja schon, wie ich hörte- Sonny —" dabei wirft er so'ne halbe Handschwenkung und ’nen ganzen Augenaufschlag nach ihr hin „meine Braut."
Was sollte ich machen? — Seine Braut! Und das sagt der Mann mit einer Miene, als hätte er die halbe Million in der Preußischen gewonnen! Können sich vorstellen, was ich fühlte — so um Herz und Magen 'rum. Gestern noch um sie geworben — heute in der allerersten Herrgottsfrühe Entsagen auf ewig — und am Abend sie die Braut von meinem bravsten Freunde und mir die Hand gereicht, als hätte sie Alles vergessen, was es zu behalten gab: Buchenwald und Kieler Bachblumen, Strandpromenade und Geschnarche, meine Nachtkneiperei und ihren Eisblick als Quittung drauf! Und ihr--dieser Schnarchkönigin — sollte ich meinen besten
Freund opfern? Müssen nämlich wissen, daß Apel die Schnacherei fast ebenso haßte wie ich. Und da« war eigent
lich der Anfang unserer Freundschaft gewesen. Schon al« wir als Fähnriche bei demselben Regiment standen —"
„Muß das miterzählt werden?" fragte Heller.
„Na, meinetwegen nicht. Jedenfalls stand bei mir fest: Aus dieser Parthie durfte nicht» werden, ä tout prix nicht! — Wenn ich je in meinem Leben 'ne dämliche und gnädige Visage aufgesetzt habe, dann an diesem Abend. Und die Andern dabei so in Stimmung, so--natürlich, 's war
ja 'ne Verlobungsfeier! Ebenso natürlich hatten die Ditto'r ihm erzählt, in welcher Verfassung sie mich in aller Frühe gefunden hätten. Aber meinen Sie, ich wäre auf seine An» zapfungen eingegangen? — Ging's denn die Ditto» 'was an, wie viel Nächte ich durchkneipte? — Sagte dsßhalb kurz ab, ’s wäre mir auf dem Zimmer zu warm gewesen, und so 'war machte ich öfter." (Schluß folgt )
VermEchtes.
Aus den FliegendenBlättern. — Vor Gericht Richter (zum Angeklagten): „Sie sind wegen einer, Ihrem College» gegebenen Ohrfeige zur Zahlung von zehn Marl Strafe verurtheilt I" — Angeklagter: „Darf ich, Herr, die zehn Mark nicht ratenweis zahlen?" — Richter: „Nein! Sie haben ihm die Ohrfeige auch nicht ratenweis gegeben I"--
Theorie und Praxis- A.: „Was wirst Du nun mit dem vielen Gelbe anfangen, das Dir Dein Buch gegen die Ehe eingebracht hat?" — B.: „Ich werde meine Anna hei« rathen!"--Unmodern. '„- . . Und weßhalb bezweifelst
Du, daß Frau Schwarz gebildet und au» feiner Familie?" — „Ich bitte Dich — eine Frau, die jahraus, jahrein gesund ist!"--Immer im Beruf. Gerichtsrath (zu seiner
Tochter): „Wenn Du Dein Benehmen gegen die Herrenwelt nicht änderst, so wirst Du in erster, zweiter und dritter Instanz sitzen bleiben!"
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Neueste Methode zur Anfertigung moderner Damen- kleidet. Man nehme den Stoff zu zwei Röcken und mache daraus die Aermel; dann nehme man den Stoff zu einem Aermel und mache daraus den Rock.
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Trübe Ahnung Junge Frau: „Heute habe ich Dir eine selbst erfundene Speise eigenhändig bereitet! . . . Aber, warum blickst Du so ernst?" — Mann: „Ich erwarte „dar jüngste Gericht!""
Literarisches
Die ältesten Handarbeiten der Welt sind die ägyptischen Mützen, die man in den Pyramidengräbern fand. Sie sind in einer Flechttechnik hergestellt, die sich noch in der ruthenischen Hausindustrie und in zwei kroatischen Dörfern erhalten hat.. Im eben erschienenen Heft 13 der „Wiener Mode" beginnt ein Cursus über diese hoch' interessanteste Handarbeit, bei deren Anwendung durch Herstellen eines Stückes ganz von selbst ein zweites entsteht. Dasselbe Heft enthält außerdem weit über 100 practische Garderobestücke für die Frühjahrs- Saison und stilvolle Handarbeiten. Mit diesem Hefte, das in allen Buchhandlungen zur Ansicht ausliegt, beginnt ein neues Abonnement. Preis per Quartal 2 Mk- 50 Pfg.
Die musikalische Erziehung bildet heutzutage einen so wichtigen Factor in der modernen Bildung unserer Jugend, daß alle Eltern und Erzieher ihr Augenmerk darauf richten sollten, auch in dieser Hinsicht die rationellsten pädagogischen Hilfsmittel in Anwendung zu bringen. Als ein solches erweist sich als ganz besonders zweckdienlich und fördernd die von uns schon, öfters empfohlene „Musikalische JugeNdpost’ (Verlag von Carl Grüninger in Stuttgart), ein Organ, das es vortrefflich versteht, den Kindern in erster Linie Lust und Liebe und das richtige Berständniß für die zu erlernende Kunst beizubringen. Selbst Erwachsene müssen dem frischen, gesunden Inhalt der „Musikalischen Jugendpost" Geschmack abgewinnen. Gewiß aber hat die musikalische Jugend ihre helle Freude an den hübsch illustrirten Gedichten, Erzaip lungen, belehrenden und unterhaltenden Artikeln und den vielen mi Geschick gewählten Clavierstücken und Liedern. Jedes Vierteljahr bringt 24 Seiten solcher Musikbeilagen. Der Preis beträgt nur Mk. 1,50. — Probenummern versendet der Verlag auf Verlangen kostenfrei.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Steindriickerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.


