Ausgabe 
5.4.1896
 
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denn? Erst überlegen Sie's, und dann machen Sie mit'« nach: Abendsitzung auf Stubenkammer, Fußmarsch nach Saß' nitz, Strandbummelei, keine Nachtruhe, wieder Strand ge­treten und nochmals keine Nachtruhe meinen Sie, ich wär'n Perpetuum mobile? Also ich aufgefahren, weil na, natürlich kam sie daher. Dieser Blick I Nur gestreift hatte sie den Winkel, in dem ich hockte, aber gestreift mit dreifach potenziertem Eis in den braunen Augen. Das im Kübel vor mir war bademäßig warm gegen so was. Ich wagte nicht 'mal zu grüßen. Die Ditto's hinter ihr, augenscheinlich zu 'ner Frühpromenade gerüstet. Er sah mich und machte so'ne verlor'ne Bewegung nach mir hin, aber Frau Cölestine zupft ihn leis' am Aermel. Ich verstand.Ein Mensch, der die Nächte bei Rothspohn und Scct durchkneipt, ist keine Parthie mehr sür unsere Sonny," wollte das bedeuten. Als ob mir so was Wurscht gewesen wäre, jetzt! Aber schämen that ich mich doch.

Als ich damit fertig war, stand ich auf und kroch auf mein Zimmer. Konnte ja nun noch ein paar Züge Schlaf mitnehmen.

Wie ich gegen Mittag mein Frühstück einnehme, fällt mir ein, daß heute ja mein Freund Apel kommen wollte. Das hatte ich über der verflixten Liebelei und Schnarchaffaire total vergesien. Also nach dem Landungsplätze gerannt- War auch just ein Dampfer von Greifswald angekommsn, aber natürlich ohne Apel. Schlängle mich deshalb bis gegen Abend herum, mächtig verschnupft. Daß Apel mir auch Routs und Ankunftszeit nicht genauer angegeben hatte. Das Infamste war, daß ich liebend gern gleich möglichst viele Kilometer zwischen mich und dies ganze Rügen gelegt hätte, und nun konnte ich nicht, der Abrede mit Apel wegen.

Eip einziges war mein Trost: mein Zimmer hatte der Oberkellner in eine andere Ecke von seinem Quisisana ver­legt. So hoffte ich diesmal auf 'ne leidliche Nacht, saß gegen Abend auf der Veranda draußen und genoß ein bischen.

Nun, was meinen Sie, wer da ankommt?"

Pitsch sah mit großen Augen in der pfeffersäcklichen Runde umher.

Bürgermeister Greifer grunzte:

Natürlich die Dittos. Konnten ja nicht ewig draußen bleiben!"

Hm!" Sie müssen'« wissen," versetzte der Major ver­drießlich.

Greifer hatte ihm zu rasch gerathen.

Recht aber haben Sie: die Dittos. Aber wem Sonny am Arm hing hing mit so'ner sich anschmiegenden Ent­schiedenheit, als wollte sie sagen: Hier gehöre ich ganz genau hin und nirgends sonst wo strahlend in Glück und Zärt- lichkeitsgethue? Das war Apel meine Herren! Haupt­mann Apel vom xten Garderegiment."

Na, ich petrefiziert!

Der alte Kerl nimmt mich beiseite.

Nich bös fein, Pitsch! Nacht durchgefahren, früh von Stettin Fahrgelegenheit gehabt, alte Bekannte wiedergefunden, und na, Du kennst sie ja schon, wie ich hörte- Sonny" dabei wirft er so'ne halbe Handschwenkung undnen ganzen Augenaufschlag nach ihr hinmeine Braut."

Was sollte ich machen? Seine Braut! Und das sagt der Mann mit einer Miene, als hätte er die halbe Million in der Preußischen gewonnen! Können sich vorstellen, was ich fühlte so um Herz und Magen 'rum. Gestern noch um sie geworben heute in der allerersten Herrgottsfrühe Entsagen auf ewig und am Abend sie die Braut von meinem bravsten Freunde und mir die Hand gereicht, als hätte sie Alles vergessen, was es zu behalten gab: Buchenwald und Kieler Bachblumen, Strandpromenade und Geschnarche, meine Nachtkneiperei und ihren Eisblick als Quittung drauf! Und ihr--dieser Schnarchkönigin sollte ich meinen besten

Freund opfern? Müssen nämlich wissen, daß Apel die Schnacherei fast ebenso haßte wie ich. Und da« war eigent­

lich der Anfang unserer Freundschaft gewesen. Schon al« wir als Fähnriche bei demselben Regiment standen"

Muß das miterzählt werden?" fragte Heller.

Na, meinetwegen nicht. Jedenfalls stand bei mir fest: Aus dieser Parthie durfte nicht» werden, ä tout prix nicht! Wenn ich je in meinem Leben 'ne dämliche und gnädige Visage aufgesetzt habe, dann an diesem Abend. Und die Andern dabei so in Stimmung, so--natürlich, 's war

ja 'ne Verlobungsfeier! Ebenso natürlich hatten die Ditto'r ihm erzählt, in welcher Verfassung sie mich in aller Frühe gefunden hätten. Aber meinen Sie, ich wäre auf seine An» zapfungen eingegangen? Ging's denn die Ditto» 'was an, wie viel Nächte ich durchkneipte? Sagte dsßhalb kurz ab, s wäre mir auf dem Zimmer zu warm gewesen, und so 'war machte ich öfter." (Schluß folgt )

VermEchtes.

Aus den FliegendenBlättern. Vor Gericht Richter (zum Angeklagten):Sie sind wegen einer, Ihrem College» gegebenen Ohrfeige zur Zahlung von zehn Marl Strafe verurtheilt I" Angeklagter:Darf ich, Herr, die zehn Mark nicht ratenweis zahlen?" Richter:Nein! Sie haben ihm die Ohrfeige auch nicht ratenweis gegeben I"--

Theorie und Praxis- A.:Was wirst Du nun mit dem vielen Gelbe anfangen, das Dir Dein Buch gegen die Ehe eingebracht hat?" B.:Ich werde meine Anna hei« rathen!"--Unmodern. '- . . Und weßhalb bezweifelst

Du, daß Frau Schwarz gebildet und au» feiner Familie?" Ich bitte Dich eine Frau, die jahraus, jahrein gesund ist!"--Immer im Beruf. Gerichtsrath (zu seiner

Tochter):Wenn Du Dein Benehmen gegen die Herrenwelt nicht änderst, so wirst Du in erster, zweiter und dritter Instanz sitzen bleiben!"

Neueste Methode zur Anfertigung moderner Damen- kleidet. Man nehme den Stoff zu zwei Röcken und mache daraus die Aermel; dann nehme man den Stoff zu einem Aermel und mache daraus den Rock.

*

Trübe Ahnung Junge Frau:Heute habe ich Dir eine selbst erfundene Speise eigenhändig bereitet! . . . Aber, warum blickst Du so ernst?" Mann:Ich erwartedar jüngste Gericht!""

Literarisches

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Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und Steindriickerei (Pietsch & Schehda) in Gießen.