Ausgabe 
4.1.1896
 
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UnterhMmgsblilttjiint Gießener Adriger (General-Merger)

Sawslag den 4. Januar g\__ - - -------'*

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Liffa begleitete die Freundin eine kleine Strecke, dann kehrte sie, ein munteres Liedchen vor sich hinträllernd, wieder heim.

Alle» war still ringsum. Nur das dumpfe melancholische Brausen des weiten Ocean« drang an ihr Ohr und hin und wieder vernahm man den Klageruf eines Seevogel» oder aus weiter Ferne den hohlen Schall von Signalfchiiffen.

Mit dem hereinbrechenden Dunkel zeigten sich die ersten Vorboten des nahenden Sturme»

Immer dichter thürmten sich dunkle Walkcnmaffen auf, die Sonne, welche dieselben nur noch mühsam da und dort zu durchdringen vermochte, tauchte den ganzen westlichen Himmel in ein eigenthümlich unheilverkündende» Gelb, die Wellen gingen höher und höher.

Wieder trugen die aufgeregten Wasser den hohlen, dumpfen Klang der Signalschüffe zum Lande herüber.

Mit trübem, mitleidigem Blick ruhte de« alten Seemanns Auge auf der unruhigen See.

Das giebt diese Nacht ein böse» Wetter," meinte er, Guilda hätte daheim bleiben sollen, aber sie hat ja ihren Kopf für sich und ließ sich nicht halten."

Ich sagte ihr, sie solle bi» morgen früh bei der Frau Postmeister bleiben, wenn sich da» Wetter nicht bessere," ver. setzte Liffa.

Wie die Beiden so miteinander sprachen, trat Mötzlich ein Mann hinter den kahlen Mauern de» Leuchtthurme» her­vor ein Mann von hoher;' schlanker Gestalt und einer ge­wissen Vornehmheit in seinem ganzen Auftreten, die zu seinen groben Kleidern nicht recht passen wollte. Seine dunklen, halbverschleierten Augen machten unwillkürlich den Eindruck, al» könnten sie ebenso sanft lächeln, wie wuthentbrannt teuf* lich blitzen. Trotz feiner dunklen Gesichtsfarbe, und den schwarzen Augen spielten Haar und Bart in's Röthliche, einem scharfen Beobachter hätte all' da» Mißtrauen eingeflößt. Und daß er irgend eine verzweifelte Absicht hegte, konnte man an seinen unheimlich funkelnden Augen und dem nervösen Nagen seiner Zähne an seiner Unterlippe erkennen.

Kann ich mir da» Innere de» Leuchtthurme« einmal ansehen V fragte er leise und hastig.Ich wüßte Ihnen für die Erlaubniß sehr Dank."

Capitän Velten mußte ihn abschlägig bescheiden die

I.

Onkel Martin I Eine große Neuigkeit! Valerie hat mich für übermorgen zu einem Gartenfest geladen ist da» nicht herrlich? Wie ich mich darauf freue!"

Capitän Velten wandte den Kopf nach seiner Nichte Liffa. Wie er neben derselben da» schlanke junge Mädchen bemerkte, richtete er sich mit der trotz feines Stelzbeine« von dem alten Seemanns unzertrennlichen militärischen Stramm­heit auf und verneigte sich ehrerbietig vor der hübschen, vor­nehmen Valerie Dönhoff.

Sehr freundlich von Fräulein Valerie, sagte er mit seiner rauhen Stimme, die ein wenig an da« wilde Brausen seiner alten Freunde, der Meere« wellen, erinnerte.

Die beiden jungen Mädchen schlenderten dem Hafen zu, während der alte, graubärtige Mann in der niedrigen Thür de» Leuchtthurmes stehen blieb und den Zweien sinnend nach­schaute.

Nach wenigen Minuten tauchte eine ältere Frau neben ihm auf, der man auf den ersten Blick ansah, daß ihr Ge­burtsort ferne war von dem Städtchen, dem sie sich jetzt schnellen Schritte« zuwandte.

Bis vor Kurzem war Martin Velten Capitän eines Kauffahrteischiffes gewesen und al» solcher durch die halbe Welt gekommen. , ,

Dereinst, als sein Schiff in einem Hafen Afrikas vor Anker lag, rettete er diese Frau Namen» Guilda au» den Händen eine» Sclavenhändler« und erwarb sich dadurch deren ewige Dankbarkeit. Er nahm sie mit auf sein Schiff und be­traute sie mit der Pflege seiner kleinen Liffa. Seitdem pflegte er sie Beide auf all' seinen Reisen mitzunehmen, nur zur Zeit der rauhen Winterstürme ließ er sie daheim.

Aber sein zunehmende» Alter und der Verlust eine» Beine» zwangen Martin Velten schließlich, der See Valet zu

Durch Verwendung seiner Freunde erhielt er die Stellung al» Wärter de» Leuchtthurmes nahe dieser kleinen Hafenstadt.

Ein Dämon.

Novelle von I. Pia.

(Nachdruck verboten.)