Ausgabe 
3.12.1896
 
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jo ganz in den Bann ihrer Reize, daß er sie direct von dem Aünstlerfest hinweg nach Italien begleitete, obwohl er mit einem anmuthigen und liebenswürdigen Mädchen, der Tochter eine« inzwischen verstorbenen hiesigen Maler« verlobt war. All' zu lange hat er sich also, wie e« scheint, an der Gurrst der Diva nicht berauschen dürfen.""

Mit verhaltenem Athem lauschte Hermann Eggestorf auf da« erste Wort Margarethens, das ihm die Wirkung dieser Neuigkeit kund thun würde. Sie brauchte erst eine kleine Weile, bis sie es gefunden, dann aber hatte ihre Stimme wieder ganz den früheren ruhigen und herzlichen Klang.

Ich danke Ihnen, jHerr Eggestorf, und ich bitte Sie, die Zeitung wieder mitzunehmen. Es thut mir leid, daß Ihr Bruder da» Glück nicht gefunden zu haben scheint, auf da« er gehofft."

Der Bildhauer machte eine unwillige Bewegung.

Ah, der Erbärmliche er verdient nicht, daß wir von ihm reden. Und dieser Zeitungsschreiber ich hätte ihn erwürgen können, al« ich die Notiz gelesen. Ich fühle ja mit Ihnen, wie alle kaum vernarbten Wunden Ihres Herzens von Neuem bluten müffen ich"

Aber sie fiel ihm mit einem energischen Kopfschütteln in die Rede.

Nein da» ist vorüber. Der große Schmerz, den meines Vaters Tod mir bereitet hat, hat mich alle jene kleinen Kümmerniffe vergeffen lasten, und es wäre schlimm AM mich bestellt, wenn der erste äußere Anlaß sie wieder wachrufen könnte. Mir ist, als wären schon viele, viele Jahre seitdem vergangen. Die Ereignisse jener Zeit liegen hinter mir wie ein halb verwischter Traum."

Hermann Eggestorf sah sie zweifelnd an, als fiele es ihm schwer, an die Wahrhaftigkeit ihrer Worte zu glauben. Er mochte irgend eine bedeutsame, inhaltsschwere Erwiderung auf den Lippen haben, denn seine Brust hob und senkte stch in rascheren Athemzügen und seine Finger zerknüllten nervös die Krämpe!des Hute«. Wohl eine Minute lang verharrte er schweigend, dann aber mußte er fich entschlossen haben, das bedeutsame Wort nicht auszuspreche», denn er legte seine Hand auf den Thürdrücker und sagte mit unficher klingender Stimme:

Möchte denn bald auch die letzte Erinnerung daran aus Ihrem Herzen schwinden. Und nun leben Sie wohl für heute, Fräulein Margarethe I Aus den wenigen Minuten ist unversehens mehr als eine halbe Stunde geworden."

Er ging und sie lauschte auf seinen verhallenden Schritt, bi« unten die Hausthür hinter ihm zugefallen war. Dann wollte sie ihre Arbeit wieder aufnehmen, aber sie ging ihr nicht mehr so leicht und fink von der Hand wie vorhin, und traumverloren blickte da» junge Mädchen vor fich hinaus ins Leere, während die schlanken Finger müßig in ihrem Echooße ruhten.

IV.

In der Frühe des folgenden Tages empfing Margaretbe einen Brief von der Berliner Stellenvermittlerin, an die sie fich unter Einsendung Ihrer Photographie gewandt hatte, und al» sie sich nach langem Zaudern entschlossen, ihn zu öffnen, fand sie darin ein Anerbieten, wie sie es gleich vor- theilhaft und verlockend nach ihren bisherigen tiüben Er­fahrungen kaum hatte erwarten jdürfen. Eine vornehme Familie, die im Begriff war, nach dem Süden abzureisen, suchte passenden Ersatz für die p'ötzltch erkrankte Gesellschafterin der halb erwachsenen Tochter, und das Btldniß Margarethens hatte den Eltern der jungen Dame so ausnehmend gefallen, daß sie sich durch den Mangel an Zeugnissen über ihre Be­fähigung nicht abhalten lassen wollten, sie unter verhältniß- mäßig sehr günstigen Bedingungen zu engagiren. Aber es bedurfte einer schnellen Entscheidung und die Vermittlerin schrieb, daß die Antwort keinesfalls länger als ochtundvterzig Stunden auf sich warten lassen dürfe- Auch wurde es zur Bedingung gemacht, daß die neue Gesellschafterin stch ab­gesehen von einer vierwöchentlichen Probezeit auf minde­

stens zwei Jahre verpflichte, und gerade dieser stark betonte Umstand war es, der Margarethe in Versuchung brachte, ab­zulehnen.

Sie hatte ja nichts Anderes erwarten dürfen, al» daß sie ihre Vaterstadt auf lange Zeit, wenn nicht auf immer, würde verlassen müssen, und noch gestern hatte sie Hermann Eggestorff gegenüber vollkommen ruhig davon gesprochen. Aber es war doch etwas ganz Anderes, mit diesem Gedanken als mit einer bloßen Möglichkeit zu rechnen oder ihn als un­mittelbar bevorstehende unabänderliche Thatfache in'» Auge zu fassen- Bei der einsiedlerischen Lebensweise ihre» Vater» hatte sie hier nur wenige Bekanntschaften gemacht und auch diese wenigen hatten sich nach der Aushebung ihres Verlöb­nisse» wie vollends nach dem Tode des alten Malers ganz von ihr zurückgezogen. Sie hatte kaum eine Freundin, und wenn sie die Gestalten aller Derer, zu denen sie in mehr oder minder oberflächlichen Beziehungen stand, an ihrem Geiste vorübergleiten ließ, so war es immer nur ein Einziger, von dem auf lange Zeit zu scheiden ihr wie etwas Unmögliche» erschien Einer, den sie bis zur letzten Erkrankung ihre» Vaters kaum beachtet und der seit jenem Zeitpunkt eine so bedeutsame Rolle in ihrem Leben gespielt halte.

So lange sie Werner Eggcstorss Braut gewesen war und sie war e» nach sehr kurzer Bekanntschaft geworden hatte sie überhaupt kaum Gelegenheit gehabt, seinem Bruder näher zu treten. Er hatte stch mit streng correcter, aber äußerst zurückhaltender Höflichkeit gegen sie benommen und in seiner wortkargen Verschlossenheit war für ihr heiteres, jugendfrisches Temperament sehr wenig Anziehendes gewesen. Als sie dann auf dem verhängnißvollen Frühlingsfest die tödt- lichste Beleidigung erfahren, die einem arglos vertrauenden Mädchen zugefügt werden kann, und als Werner Eggestorf, statt sie um Verzeihung zu bitten, in einem phrasenhaften Briefe seine Freiheit zurückgefordert hatte, war für ihren in tiefster Seele gekränkten Vater an irgend welche weiteren Be­ziehungen zu einem Menschen, der den verhaßten Namen ihre« Beleidiger« trug, selbstverständlich nicht mehr zu denken ge­wesen. (Fortsetzung folgt.)

Weihnachtsbäckerei.

Weihnachts-Stollen. Man nimmt 15 Liter (12 Kilo> Weizenmehl. Dar Mehl wird in einen Backtrog gethan und ein Damm von diesem Mehl gedrückt. 350 Gramm Stück­hefe werden genommen und ein trockenes Hefestück mit 1 V2 bi» 2 Liter lauer Milch angesetzt. Diese» läßt man gehörig reif werden; ist e» int Fallen begriffen, so werden 1 Sveise- löffel voll Salz, I V, Kilo Butter, ebensoviel klarer Zucker, 250 Gramm süße, 150 Gramm bittere Mandeln, die man vorher abzog und wiegte, auch 6 Eier, das Abgeriebene von 2 Cltronen, etwas Muskatdlüche und Vs Liter Jamaika- Rum in das Hefestück gethan und sein zergr-ffen, das Mehl und die nöthige Menge Mrlch unter die Masse gemischt, zu- fitzt 250 Gramm Citronat hinzugethan. Das Ganze giebt einen Mandelstollenleig und es kann dieser ganze Teig oder ein Thetl desselben zu Mandelstollen verwendet werden. Dem Teig, den man nicht zu Mandelstollen verwendet, setzt man viel­leicht 750 Gramm große und ebensoviele kleine Rönnen hinzu- Werden die Rosinen sogleich unter die Masse gemischt, so fär­ben sie den Teig grau. Der Teig muß, nachdem er fertig ist, Vs Stunde oder etwas länger gehen, dann wird da« Gebäck jederzeit fehlerlos werden. Obige Masse giebt 8 dis S Stollen. Diese« ist ein gutes, mittelfeines Gebäck. Feinere Gebäcke, in welche viel mehr Zucker, Butter, Rosinen und andere Gewürze gethan werden, bedürfen dann entsprechend auch viel mehr Hefe und eines größeren Hefestückes. Zu bemerken ist noch weiter, daß Stollenteige im Allgemeine« fest gemacht werden müffen, weil sonst die Butter und der Zucker die Tsigmaffe im Backofen flüssig machen und dann das Gebäck flegfchtg und breit werden würde. Die Eier