Ausgabe 
1.9.1896
 
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stoßen, sind dazu nöthig. Die Quitten werden geschält und mit gutem Wein verkocht, daß fie sich durch ein Sieb zu Mus reiben lassen. Dann rührt man den Senf und den kochenden Weinmost darunter und schließlich die Gewürze und verwahrt Alles in wohlverschlossenrn Gesäßen an einem kühlen Ort, was überhaupt bei jedem Senf beobachtet werden muß.

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Apfelkrautsenf. Man wasch? 75 Gramm Sardellen, hacke sie ganz fein, gieße % Liter Weinessig darüber, gebe Vi Liter Apfelkraut (Apfelmus), eine fein geschnittene Zwiebel, die Schale einer Citrone, 6 Nelken, 6 Lorbeerblätter, 40 Gramm Zucker dazu und koche dies alles zusammen in einem glasierten Topf eine Halbs Stunde lang. Dann lasse man es über Nacht stehen, rühre es durch ein feines Sieb, vermische es mit ca. 3/4 Liter gutem Senf und bewahre fsstverschloffen in Porzellanbüchsen auf.

Eier frisch zu erhalten. Ein Aufbewahrungs­mittel, das die Uebelstände der anderen nicht hat, die Eier prächtig erhält und den späteren Geschmack derselben in keiner Weise beeinträchtigt, ist frisches Hühneretweiß. Man quirlt es zu Schnee, läßt es durch 24 Stunden sich klären und gießt die geklärte Flüssigkeit von den Schaumresten ab. Mit dieser Flüssigkeit streicht man die Eier an, die sodann mit der Spitze nach unten auf einen Eierkorb gestellt in gut trockenen Mumen aufbewahrt werden. Wer selbst viel Hühner hält, thut am Besten, das Anstreichen sofort oder wenigstens in den ersten Tagen nach der Legung vorzunehmen, er wird dann im Winter die Eier noch vollkommen so frisch finden, als seien fie eben gelegt.

Frühgemüse zu einer Zeit, wo Gemüse überhaupt selten ist, kann man sich verschaffen, wenn man im Herbst die geschloffenen Kraut- und Wirsingköpfe möglichst hoch abschneidet, den Strunk mit einigen Blättern stehen läßt und ihn dann, um ihn gegen Kälte zu schützen, im Spätjahr ganz zuhäufelt. Die Strünke überwintern sehr gut und treiben im kommenden Jahre sehr frühzeitig aus, ein angenehm schmeckendes Gemüse liefernd.

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Gurken aufbewahren. Sie halten sich drei bis vier Wochen recht gut, wenn man sie mit dem Stielende 6 bis 8 Centimeter tief in frisches Brunnenwasser steckt und dieses oft wechselt. Für den Winter bewahrt man sie in großen, mit Sand gefüllten und einem Deckel verschlossenen irdenen Gefäßen auf, welche man circa 50 bis 60 Centimeter tief in die Erde eingräbt.

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Zur Gewinnung von Gurkensamen läßt man die schönsten Gurken vom zweiten Absätze an den Stöcken, legt sie auf Ziegelstücke und nimmt sie ab, wenn sie gelb werden. Dann läßt man sie an einem trockenen, luftigen Orte Nachreifen, nimmt hierauf Mark sammt Kernen heraus, thut dasselbe in eine Schüssel, und reinigt die Kerne nach 4 bis 6 Tagen durch Waschen in einem Siebe. Die guten Kerne fallen im Wasser zu Boden; diese trocknet man schnell an der Sonne üb, reibt die aneinander klebenden auseinander und bewahrt fie an einem trockenen Orte auf.

Um eingemachte Früchte haltbarer zu machen, setze man denselben eine Kleinigkeit Franzbranntwein, Rum oder Weingeist zu, und wiederhole solche einige Mal. Ferner stelle man die Emmachegläser, Büchsen oder dergleichen eine Zeit lang auf den Kopf, damit der im Gefäße sich befindliche Fruchtsaft den Kork oder den Verschluß befeuchte. Der den Verschlußstellen anhaftende Saft verdichtet und verkittet die be­treffenden Stellen, macht sie luftdichter, den Inhalt mithin haltbarer.

Heidelbeerttqueur. Nachdem man die Beeren fast zerdrückt hat, stellt man fie 4 bis 5 Tage in den Keller und preßt sie dann recht gut aus. Der erhaltene Saft wird mit Zucker, Zimmet und Nelken aufgekocht, durchgeseiht und nach dem Erkalten mit 90°/o Spiritus vermischt. Auf 1 Liter Saft rechnet man 120 Gramm Zucker, 8 Gramm Zimmet 2 Gramm Nelken und 1/2 Liter Spiritus.

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Aepfelfaft aus Falläpfeln. Man nimmt einen Korb mit recht verschiedenen Falläpfeln und reinigt sie von etwa anhaftendem Schmutz. Dann schneidet man jeden Apfel in mehrere Stücke, wobei die Wurmstellen und in der Haupt­sache auch die Kernhäuser ausgestochen werden und wirft die Stücke ungeschält in einen Kessel ober glastrten Topf. Nach­dem sie mit soviel Wasser übergossen sind, daß dasselbe die Früchte gerade bedeckt, kocht man sie gar, läßt die Masse etwas abkühlen und gießt sie noch warm in einen leinenen Beutel und läßt, ohne zu rührea ober zu drücken, den Saft langsam durchlaufen. Der Saft wird hierauf wieder aufs Feuer gesetzt, pro Liter mit 125 Gramm Zucker gesüßt, 71 Stunde gekocht und dabei geschäumt. Hierauf füllt man ihn noch heiß in angewärmte Flaschen, verkorkt und verlackt dieselben. An kühlem Orte aufbewahrt, hält sich der Saft jahrelang.

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Wie erkennt man giftige Schwämme? Folgende sind die bemerkenswerthesten Grundsätze nach denen man sich, wenn man keine Fachkenntnisse besitzt, am besten, wenn auch nicht immer, richten kann. 1. Alte, madige und morsche Pilze nehme man nie. 2. Einen milchenden Pilz halte man immer für verdächtig. 3. Die giftigen Pilze haben einen widerlichen Geruch, zumal, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. 4. Wenn man einen gesundheitsschädlichen Pilz zerbricht oder, was noch besser ist, mit einem Messer zerschneidet, so wird gewöhnlich, aber nicht immer, bald darnach die Schnittstäche blau. 5 Wenn man ein Stückchen von einem giftigen Pilze in den Mund nimmt und etwas zerkaut das kann man getrost thun, denn von einem giftigen Pilze stirbt einer noch lange nicht und von einem kleinen Stückchen bekommt einer nicht die geringsten Magenschmerzen so wirkt es auf der Zunge stechend oder brennend. Am gewöhnlichen ; Fliegen­schwamme, den Jederman kennt, läßt fich dieser Versuch leicht machen. ____________

Humoristisches.

Hinreichender Grund. Prinzipal:Wir haben doch zum ersten Mal Austern zum Verkauf?" Kommis: Jawohl!" Prinzipal:Annonciren Sie Prima Austern."

Anknüpfung. Ein junger Mann sitzt beim Ball lange neben seiner Dame und weiß nicht, wie er das Gespräch beginnen soll. Endlich stottert er erröthend:Gnädiges Fräulein, was ich sagen wollte, lebt denn Ihr seliger Onkel noch?"

Ehrenrettung. Lehrer:Fritz, nenne mir mal einen recht guten Herrscher." Fritz:Der Kaiser Nero." Lehrer:Kaiser Nero? Aber wieso denn?" Fritz: «Weil er Rom ansteckte und damit der römischen Geschichte ein Ende machen wollte." * *

Vorsorglich. Wo reffen Sie hin?"Ins See­bad."In welches Seebad?"Nach Helgoland.,, Warum nicht lieber nach Sylt?"Eigentlich wollte ich nach Sylt reisen; da habe ich mir aber gedacht, Sie würden mich fragen:warum nicht lieber nach Helgoland?" und da fahre ich lieber gleich nach Helgoland/'

Redaction I. V.: Hermann Elle. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in ließen.