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,UnterhaU«ngsblaU zum Gießener Anzeiger (General-Anzeiger).

Meine Rechnung, die ich bezahlen wollte, war längst beglichen und bald saßen wir aus der Eisenbahn.

Mein Begleiter, der anfang« noch nach Diesem und Jenem fragte, wurde immer schweigsamer, je weiter wir kamen; so suhren wir wohl an zweihundert Meilen. Auf einer kleinen Station, wo wir ausstiegen, empfing uns ein alter Kutscher, der mich mit kalten Blicken von oben bis unten musterte. Mit zwei feurigen Pferden ging es nun im schnellsten Trabe vorwärts. Mit wenigen Unterbrechungen jagten wir immer weiter. Wir sahen die Sonne aufgehen und wieder untergehen. Wir kamen durch hundertjährige Waldungen, wo Bäume standen von einer Höhe und Stärke, wie sie hier weit und breit nicht zu finden sind. Endlich kamen wir spät de» Abends an eine herrlich gelegene Farm unser Ziel. Nach einem stärkenden Male bekam ich ein Zimmer angewiesen und müde, wie ich war, lag ich bald im tiefsten Schlaf. Am anderen Morgen stellte mich mein Herr beim Frühstück seiner Tochter vor, die mit einer älteren Frau die Wirthschaft führte, denn die Frau meines Herrn lebte längst nicht mehr. Dann führte er mich in ein seitlich stehendes Häuschen, sein Bureau. Wie schon im Wohnzimmer, so gewahrte ich auch hier die größte Ordnung und ich empfing bald den Eindruck, daß dieser Mann ein großes Geschäft haben mußte und er ein sehr tüch­tiger Mann sei. Er hieß mich Platz nehmen und sagte: Die Waldungen, die wir durchfuhren und die noch viele Meilen nordwestlich liegen, gehören mir. Meine Leute sind jahraus jahrein damit beschäftigt, Bäume zu fällen und da» Holz an Ort und Stelle zu verarbeiten- Es wird nun Ihr Bestreben sein, Alle», was Sie draußen in den Schneidemühlen und auf den Zimmerplätzen sehen und hören, zu erlernen. Ich werde bald mit Ihnen hinausfahren und die nöthigen Anweisungen geben. Sie werden dort Bücher finden und genau Rechnung führen; mein ältester Geschäftsführer soll Sie unterrichten. Sie erhalten ein Pferd und wöchentlich einmal kommen Sie hierher, um mir Bericht zu erstatten und neue Anweisungen zu empfangen.

Dann stand er auf und wir gingen hinaus. Inzwischen hatte der alte John das Fuhrwerk wieder fertig gemacht und fort ging es durch die Wälder. Wir fuhren wohl sechs Stunden, dann hörten wir das Arbeiten der Maschinen wir waren am Ziel.

Ihr Vermächtniß.

Koma» von Maximilian Moogeli«.

(Fortsetzung.)

Wehmüthig sah Heyd in Herthas ernstes Gesicht.

Fräulein Steuer," begann er nach einer Weile,mein Leben liegt klar und deutlich vor mir wie ein Buch, in dem Jeder lesen kann. Für Ihr Vertrauen zu mir, das ich dank­bar anerkenne, werde ich Ihnen nun dieses Buch vorlesen. Ich lese die Einleitung und dann die Geschichte bis zu der Stelle, wo ich Sie zum erstenmal erblickte. Von der Stelle aber, die Sie gerade wisien möchten, habe ich noch^Riemand vorgelesen, selbst meinem besten Freunde nicht. So hören Sie denn: ,

Einsam auf weiter Flur stand ich seit meinen züngsten Jahren. Meine Eltern starben, als ich zwei Jahre zählte und Geschwister hatte ich nicht. Meine Verwandten, die sich sonst herzlich wenig um mich kümmerten, ließen mir eine gute Er­ziehung angedeihen. Rach vollendetem Studium entpfand ich die Kraft in mir, tüchtig arbeiten zu können, und dennoch war es mir zur Zeit unmöglich, in unserem Lande eine mir passende Stellung zu finden. Ich nahm das kleine Erbtheil meiner Eltern und das Geld, das ich durch Veröffentlichung einer Werkes erworben und ging nach dem fernen Westen nach Amerika. Denn ich sagte mir mit dem Lateiner: Ubi bene ibi patria.

Aber auch drüben wurde es mir nicht so leicht gemacht. Ich bereiste das Land nach allen Himmelsgegenden und fand nirgends das Gesuchte. Entmuthigt saß ich eines Abends im Continental-Hotel in Chicago einem Gasthos mittleren Ranges tief in Gedanken. Da klopfte mir freundlich ein Mann auf die Schulter. Ich sprang auf, aber ich hatte nicht nöthig zu erschrecken, denn mein Jnstinct sagte mir, daß ein guter Mann vor mir stand. Er sprach mich deutsch an und sragte, woher ich käme und wohin ich wollte.Kommen Sie mit mir, mein Lieber," sagte der Fremde,vielleicht haben Sie gefunden, war Ihnen noth thut, war Sie brauchen und wünschen."

Ohne zu überlegen und zu fragen, sagte ich gern zu.