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Nur die nöthigsten Worte sprach dann noch mein Herr mit mir, bestieg darauf wieder seinen Wagen und wie der Wind war das Gefährt verschwunden.

Niemand aber war froher als ich, denn nun konnte ich arbeiten, wonach ich mich schon lange gesehnt. Und ich habe gethan, was in meinen Kräften stand. Arbeit gab es dort in Hülle und Fülle; es waren 80 Arbeiter bei den Mühlen und auf den Plätzen. Nach acht Tagen ritt ich mit meinem ersten Bericht nach Sandowtown, so hieß der Ort, wo mein Herr wohnte, denn seitlich von der Farm war ein Dorf an­gebaut, in dem die Familien unserer Leute wohnten und das die Gründung meines Herrn war. Er empfing meinen Be» richt, gab seine Anweisungen und sprach sonst kein Wort mehr als nöthig war. Schon nach drei Stunden saß ich wieder im Sattel und jagte zurück das war eine Lust.

So verging ein rundes Jahr; ich war zufrieden und sehnte mich vorläufig nach nichts Anderem. Dann mußte ich öfter längere Zeit in Sandowtown bleiben und oft die ge­jammte Correspondenz erledigen, und die war nicht klein. Wir arbeiteten mit großen Handelsplätzen, am meisten mit Chicago, St. Louis und New-Orleans. Mein Herr blieb sich immer gleich, er war nie unfreundlich, aber ich habe diesen Mann auch nie lachen sehen; er sprach nur die nöthigsten Worte, dann ging er. Aber er war ein edler Mann-

Wenn er durch Sandowtown ging, dann mochte man ihn auf den Händen tragen und diese Ehrerbietung, die bei dem kühlen Amerikaner des Nordens nur eine Ausnahme ist, kam von Herzen. Im zweiten Jahre verlegten wir unsere Arbeits­stätte 20 englische Meilen tiefer in den Wald und ich saß ost tagelang im Sattel, um alle Anordnungen richtig aus­zuführen.

Nach zwei Monaten ich war gerade in der größten Arbeit erschien ein reitender Bote meines Herrn mit der verftegelten Ordre, daß ich schnell meine Arbeiten dort über­tragen und nach Sandowtown kommen möchte. Nach einer Stunde saß ich auf meinem Braunen und erreichte die Farm um 11 Uhr Nachts. Im Bureau war noch Licht, denn mein Chef schien mich zu erwarten. Nach der üblichen kurzen Be­grüßung sagte er: Herr Heyd, es sind wichtige Geschäfte, die mich veranlaßten, Sie holen zu lasten. Es ist eine schwierige Mission eine Reise nach San Franzisko, wo ich Waldungen besitze, von denen ich gerade jetzt einen Theil verkaufen möchte. Er führte mich nach seinem Platz, wo die Situationspläne ausgebreitet waren- Wir sprachen wohl noch über eine Stunde von dieser Angelegenheit und der Lage der Dinge in den Schneidemühlen. Dann erhielt ich die nöthigen Mittel und seine Vollmacht.

Morgen früh wird der Wagen fertig sein, alsdann können Sie noch den Expreßzug benutzen. Reisen Sie glück­lich," sagte er, dann gab er mir seine Hand und weg war er.

So reiste ich ab, doch bald wurde ich gewahr, daß mein Herr sehr recht hatte, es war eine schwierige, ja sogar sehr schwierige Mission. Drei Monate blieb ich dort, verkaufte die bestimmten Waldungen von Bau- und Farbhölzern und als endlich die Geschäfte abgewickelt waren, kehrte ich zurück.

Master Sandow begrüßte mich, als hätte ich sein Bureau nie verlaffen, aber ich merkte bald, daß die Verkaufsverhand­lungen ganz in seinem Sinne erledigt waren, ich fand, daß er zufrieden war und fühlte mich hochbeglückt, umsomehr, da er mich Tags darauf zu seinem Disponenten machte.

Jetzt trat eine Wendung in mein Geschick, eine Wendung, die mir namenlose Freude, inniges Glück und tiefes, tiefes Herzeleid brachte. Damals blieb ich längere Zeit im Bureau und nach vollbrachtem Tagewerk mußte ich dann fein Gast sein- Er war freundlicher und sprach auch dann vertrauter mit mir. Seinen Worten zu lauschen war mir ein Genuß, denn sie zeugten von tiefem Misten auf allen Gebieten, sie waren wie das lautere Gold rein und abgewogen. Seine Tochter, die das edle Wesen ihres Vaters hatte, spielte dann Klavier und begleitete sich oft mit ihrer herrlichen Stimme. Wiewohl Amerikanerin, so spielte sie doch mit Vorliebe deutsche Lieder, auch beherrschte sie die Sprache unseres Landes

» so gut wie wir, denn ihr Vater war ein Deutscher, der seine | Heimath liebte. Als ich dann wieder einmal nach unseren Mühlen reiten mußte es war an einem herrlichen Maien­tage und gerade an meinem Geburtstage, da begegnete ich in einiger Entfernung vom Haufe, Waldblumen pflückend, meines Herrn Tochter. Ehrerbietigst grüßte ich und wollte weiter reiten; sie winkte mir und bat, für einige Augenblicke abzusteigen. Gern folgte ich dieser Bitte und band mein Pferd an den ersten Baum.

Ernst und ruhig reichte sie mir ihre Hand, die ich viel­leicht länger als nöthig in der meinen hielt.

Herr Heyd," sagte sie,möchten Sie diese Hand wohl durch das Leben führen?" Und ihre Blicke senkten sich.

Ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, denn obschon ich sie herzlich liebte, machte ich mir als armer Mann doch nur wenig Hoffnung auf die Hand der Tochter dieses Wald- fürsten. Freudig zog ich ihre Hand an meine Lippen und reicher war die Welt um ein glückliches Paar."

Der Baumeister sah zur Erde und in seinem Innern arbeitete es mächtig.

Als ich dann zur Farm zurückkehrte, empfing mich mein Chef in gewohnter Weise, er hörte meine Berichte mit der gleichen Ruhe, die ihm eigen war, und als ich mich entfernen wollte, sagte er:Verweilen Sie, bitte, noch ein wenig." Dann trat er dicht vor mich hin, sah mich freundlich an und reichte mir seine Rechte-

Bleiben Sie, wie Sie sind, Herr Heyd und betrachten Sie sich als meinen Sohn," sagte er ruhig, dann rief er seine Tochter und segnend legte er seine Hände auf uns.

O, Fräulein Steuer, wenn Sie jemals fühlen könnten die Freude eines glücklichen Menschen, was es heißt, lieben und geliebt zu werden; jedoch sind Sie ja selbst Braut," sagte Heyd mitleidig lächelnd und sah Hertha an-

Diese seufzte schwer.

Wieder ging ein Jahr dahin," fuhr der Baumeister fort,ein Jahr in Liebe und Sonnenschein und dann dann kam der Schmerz, der mir beinahe das Leben raubte, und wenn er es nur gethan hätte, mir wäre es lieb gewesen.

Wir hatten unsere Arbeitsstätten wieder tiefer in den Wald gelegt und Verträge abgeschloffen, die uns verpflichteten, viel verarbeitete Hölzer zur bestimmten Zeit zu liefern. Mit meinen Berichten kam ich, wenn ich es für nöthig fand und es meine Zeit erlaubte, dennoch kam ich alle zehn bis vier­zehn Tage. Eines Abends wir hatten gerade die letzte Lieferung verladen empfand ich eine Unruhe gleich einer Ahnung von einem großen Unglück. Eiligst ließ ich mein Pferd satteln und jagte davon. Durch die finstere Nacht ging es wie die wilde Jagd. Plötzlich hörte ich das Traben eines Pferdes, das mir entgegenkam, dann hörte ich ein Wiehern und bald hielt vor mir ein Reiter mit schaumbedecktem Pferde. 4,.

Um's Himmels willen, Gertoon, was gibt's?" rief ich, als ich ihn erkannte.

O Herr, ein Unglück, ein großes Unglück, fasten Sie sich, Fräulein Sandow ist sterbenskrank."

Die letzten Worte hatte ich nur halb gehört, dann stürmte ich vorwärts durch Dick und Dünn durch den strömenden Regen. Vollständig durchnäßt traf ich am anderen Tage es mochte gegen 8 Uhr fein in Sandowtown ein. Mik trauernder Miene empfing nsich ihr Vater. Nur wenige Worte wechselten wir.Es wird nun bald vorbei fein," sagte er dann und zeigte mit der Hand nach dem Zimmer.

In größter Aufregung, aber ruhigen Schritte» trat ich bei ihr ein.

Still lag sie in ihrem Bett und über ihr Gesicht flog ein Lächeln der Ergebung wie Ruhe und Friede im milden Sonnenschein.

Ich stürzte an ihr Lager und Thränen bedeckten ihre Hand. Sie sah mich an, aber es war, als trug ein Engel schon die Siegespalme. Wie segnend legte sie die Hand auf mein Haupt und sprach mit matter Stimme:O, Arthur,

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