— 400 —
Die republikanische Armee war in zwei, durch den Berg Pharon getrennte Corps getheilt. Enthusiasmus, Unerfahrenheit, Tapferkeit und Indirciplin begegneten sich in der lärmenden Mischung dieser improvisierten Bataillone, welche den Kern der künstigen italienischen Armee bildeten.
Das Commando war etwas zufällig gewählt — einfache Soldaten wurden binnen einer Woche zu Generalen. Der General en chef war ein schlechter Maler und ein noch schlechterer Soldat; Carteaux, der Arzt Doppel und der einstige Marquis Lapoype waren seine Untergebenen. Dieses bunte Gemisch erklärte sich durch die Desertionen und Emigrationen fast aller alten, dem Adel angehörigen Offiziere.
Die Commifiäre des Convents: Salicetti, Freron, Al- bitte, Barras und Gesparin, verdoppelten sich, entflammten den Eifer der Generale, haranguierten die Soldaten und befahlen, den Sieg erwartend, den Widerstand.
Die Belagerung nahm ihren Fortgang. Die Schlünde von Ollioules, die Defilees neben Toulon waren genommen worden; aber der Platz, von mächtigen Festungswerken ver- theidigt, hielt sich noch immer. Die Belagerung erforderte militärische Erfahrung, Wissenschaft und Kaltblütigkeit, welche den Chefs wie den Soldaten dieser soeben gebildeten Armee mangelten. Carteaux, der General en chef, kannte nicht einmal die Schußweite einer Kanone.
Der Zufall führte ihm Bonaparte zu. Dieser, von Avignon nach Nizza reisend, hielt sich in Toulon auf, um seinem Landsmann, dem Repräsentanten Salicetti, einen Besuch abzustatten. Dieser stellte ihn Carteaux vor, der mit wirklicher Befriedigung und ein Compliment erwartend, sich beeiferte, dem Artillerie-Offizier seine Batterien zu zeigen. Bonaparte konnte nur die Achseln zucken; die Geschütze waren so schlecht placirt, daß die Kanonen, welche für die englische Flotte bestimmt waren, nicht einmal bis an's Ufer reichten.
Carteaux verschanzte stch hinter die schlechte Eigenschaft des Pulver», aber Bonaparte kostete es keine Mühe, die Unrichtigkeit dieser Erklärung zu beweisen.
Die Repräsentanten, von seinen Gründen beeinflußt, vertrauten ihm sofort die Leitung der Belagerungsoperationen an.
In wenigen Tagen, mit wunderbarer Thatkraft, ließ er von Lyon, Grenoble und Marseille Material, Geschütze und Offiziere kommen. Er fühlte, daß es nutzlos war, eine regelrechte Belagerung zu unternehmen. Wenn es gelang, die englische Escadre zum Verlassen Toulons zu bringen, würde die blockirte Stadt sich ergeben. Man mußte sich also eines Punktes bemächtigen, wo man den doppelten Radius schlagen konnte, nämlich des Vorgebirges Equillette. — „Dort ist Toulon," sagte Bonaparte mit der Vision eines Genies. Er bemächtigte sich in der That des Häsens von Equillette; die englische Flotte ging unter Segel und Toulon ergab sich.
(Fortsetzung folgt.)
Die UeM-tion der Wohnsimmer im Sommer.
Von Dr. Otto Gotthilf.
(Nachdruck verboten.)
Die Ab- und Zuleitung der Luft in Räumen, welche zum Aufenthalte für Menschen bestimmt sind, wird immer noch vielfach falsch verstanden und noch falscher ausgeführt. Als Pettenkofer und sein hygienischer Generalstab zahlenmäßig darlegte, in wie hohem Maße die Luft der Schulzimmer, Fabrikräume, Versammlungssäle u. s. w. namentlich durch Kohlensäure verpestet und vergiftet sei, da hätte jeder Gesundheitsschwärmer sich am liebsten gleich einen Kohlensäuremesser angeschafft, um jede Viertelstunde nachzusehen, wieviel Millimeter er noch von der minimalsten Vergiftungsgrenze entfernt sei. Man glaubte, die Athmungsluft muffe vorschriftsmäßig zubereitet sein mit so und so viel Sauerstoff und Kohlensäure, wie z. B. ein Bad von 28 Grad Wärme mit 2 Kilogramm Salz. Aber diese Ansicht ist ebenso falsch, als wenn man sagt, das Fieber ist bei 41 Grad tödtlich, während doch viele Patienten schon bei 38 Grad sterben und andere wiederum Temperaturen von 42 Grad und darüber glücklich überstehen. Ein gesunder, kräftiger, blutstrotzender Mensch, der sich sonst viel in frischer Luft bewegt, kann auch einmal ohne besondere Schädigung eine Zeitlang etwas schlechtere Lust einathmen, was wir ja tagtäglich in den dumpfen Bauernstuben beobachten können. Für einen schwächlichen,
blutträgen und blutleeren Organismus hingegen ist nur die beste Luft gerade noch gut genug.
Im Winter bereitet die Zufuhr frischer Luft in unsere Wohnzimmer naturgemäß weit größere Schwierigkeiten als jetzt im Sommer, wo wir die Fenster nach Belieben öffnen können. Dagegen beginnen wir stets unzufriedenen Menschenkinder wieder über „die unerträgliche Hitze" zu klagen Wir entfliehen der von der Hitze beängstigend vibrirenden Straßenluft und ziehen uns in unsere kühleren Gemächer zurück. Jedoch der Temperaturunterschied außen und innen ist so gering, daß er uns nur zuerst erfrischend erscheint, bald jedoch ermattend und ermüdend wirkt. Wieder verlangen wir nach frischer Luft; freilich nicht wie im Winter im Sinne der Reinheit, sondern im Sinne der Kühle. Oeffnen wir aber die Fenster, so strömt selbst auf der Schattenseite noch mehr Hitze ein, denn Alles strahlt Wärme aus: die sonnenbeschienenen Häuser gegenüber, das gluthschwangere Trottoir der Straße, die heißen Mauern von Hof und Hintergebäuden. Da ist denn die Rathlosigkeit des fürsorglichen Familienvaters ost noch größer als hn Winter. Wie muß man jetzt die Ventilation regeln, um eine einigermaßen erträgliche Temperatur zu erzielen?
Ein regelloses, gelegentliches Oeffnen der Fenster hat gar keinen Zweck, sondern man muß ein bestimmtes Prinzip verfolgen. Im higie- nischen Institut zu Budapest sind darüber genauere Untersuchungen angestellt worden. Man hielt im Sommer hindurch die Fenster zuerst am Tage offen und Nachts geschlossen, dann umgekehrt, und verglich dabei stets die Temperaturen der freien Luft mit denjenigen im Zimmer. Dabei ergab sich, daß bei am Tage geöffneten Fenstern die Temperatur im Zimmer beinahe ebenso hoch stieg, wie im Freien, und bisweilen sogar die bedeutende Höhe von 25 Grad C. erreichte. Waren dagegen die Fenster am Tage geschloffen und des Nachts offen, so blieb die Luft im Zimmer viel gleichmäßiger und kühler, mindestens 7 Grad C. niedriger als im Freien. An Tagen mit hoher Außentemperatur war der Unterschied besonders groß. Dieser Vortheil läßt sich also einfach durch eine zweckmäßige Handhabung der Fenster erreichen, indem als Regel befolgt wird, daß dieselben am Tag geschlossen und möglichst verdunkelt, des Nachts aber offen gehalten werden. Dabei kann ungehindert die frische Nachtluft in unsere Stuben eindringen und Wände und Möbel abkühlen, welche dann ihrerseits! wieder am Tage die Jnnenluft kühl erhalten. Unterstützen können wir diese wohlthuende Ventilation noch durch Oeffnen der Thüren. Nehmen wir an, wir hätten drei Wohnräume: Schlaf-, Wohnzimmer und Küche. Oeffnen wir nun Abends Fenster und Thüre der Küche, ebenso Fenster und Thüre des Wohnzimmers, und im Schlafzimmer die oberen Fensterflügel und die Thüre zur Wohnstube, so wird bald überall eine angenehme, wohlige Kühle von Außen einströmen, wir werden in frischer, zugfreier Luft schlafen und den ganzen andern Tag werden unsere Zimmer bei geschlossenen Fenstern von einer angenehmen, wohlthuenden Temperatur erfüllt sein. Und auch dies trägt bei zur Freude und Zufriedenheit im Leben!
Literarisches
Neueste K oschat-Composition. Thomas Koschat, der Meister des kärntnerischen Lieds, der sich schon längst die Herzen des sangesfrohen Deutschlands erobert, feiert im gegenwärtigen Monat sein fünfzigjähriges Geburtstagsfest und zugleich sein sünfundzwanzigjähdiges Com- ponisten-Jubiläum. Wurde ihm anläßlich dieses Doppelfestes bereits vor mehreren Wochen von Seiten der vereinigten Wiener Gesangvereine eine großartige Ovation bereitet, so mehren sich jetzt die Kundgebungen zu seinen Gunsten von Tag zu Tag. Eine der schönsten bringt uns unstreitig die illustrirte Zeitschrift „Hebet Land und Meer" in ihrer jüngsten, besonders reich ausgestatteten Nummer dar, ein Kunstblatt, das uns das Bildniß des gefeierten Meisters in einer Umrahmung von Landschaftsbildern seines schönen Heimathlandes zeigt. Noch willkommener dürfte den zahllosen Verehrern des jugendfrischen Jubilars eine hieran sich anschließende weitere Gabe des genannten Blattes sein, eine der neuesten Compositionen Koschats, das einstweilen noch nicht veröffentlichte allerliebste Lied „D'Liab in Himmel," das bei diesem Anlasse zum ersten Male mit Text, Singstimme und Klavierbegleitung im Druck erscheint. Wir glauben uns den Dank der gesammten großen Koschak-Gemeinde zu erwerben, wenn wir sie auf diese Publikation Hinweisen, die sich wie kaum eine andere zu einem dauernden Erinnerungszeichen an den Meister und sein Doppelfest eignen dürfte.
Allgemeiner deutscher Muster-Briefsteller und Universal- Haus-Secretär für alle in den verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen, sowie im Geschäfts-, Gewerbs- und Privatleben vorkommenden Fälle. Unentbehrliches Handbuch für Jedermann von Georg v on Gaal. Zwölfte, gänzlich umgearbeitete und den Zeitverhältnissen vollkommen angepaßte Auflage. In 13 Lieferungen zu 4 Bogen. Preis jeder Lieferung 40 Pfg.-Ausgabe in zehntägigen Zwischenräumen. Auch complet geh. 5 M. oder geb. 6 Mk (A. Hartlebens Verlag, Wien.) Auch auf diese neue zwölfte Auflage des weltbekannten Werkes wurde dieselbe Sorgfalt verwendet, welche der Bearbeitung seiner früheren Auflagen gewidmet wurde. Alle Theile in dem ganzen Buche sind mit steter Berücksichtigung der neuesten Zeitverhältnisse verändert und zum größten Theile umgearbeitet worden.
$Rebaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen.


