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gefunden. Dann kam ein Tag, der mich das höchste Erden« glück erkennen ließ, und an dem mir klar wurde, daß das, was ich für mein todtes Weib empfunden hatte, nichts gewesen war als Freundschaft und Hochachtung für ihre aufopfernde Liebe und Hingabe, mit der sie die Gebote Gottes fast buchstäblich erfüllt hatte. Ein Blick in ein paar Frauenaugen ließ mich erkennen, daß es in meinem Herzen ein Gefühl gab, das ihm mein ganzes früheres Leben hindurch fremd gewesen war, es aber jetzt mit um so größerer Gewalt ergriffen hatte und vollständig beherrschte. Genug, Madame," er trat einen Schritt näher an mich heran und streckte die Hände bittend nach mir aus: «ich, ich liebe" —
„Sprechen Sie nicht weiter, mein Herr," rief ich mit fast vor Angst erstickter Stimme,--„Dora kann nie,
niemals die Ihre werden."
Er sah mich an, erschreckt, verständnißlos, dann trat er einen Schritt zurück, sein blondes Haupt sank tief auf die breite Brust.
„Dora?" sagte er tonlos, „Dora? nicht sie meinte ich."
Meine Pulse stockten, und dennoch stand ich aufrecht. Sekundenlang senkten sich meine Augen in die seinen. Dunkel, nachtschwarz erschienen mir diese sonst so hellen, sonnenklaren Augensterne. Und mir, mir galt dieser verdunkelte Blick, den nur die Liebe hervorzuzaubern vermochte.
Ich griff an meine Stirn. Vor meinen Augen flimmerte er, ein Sonnenstrahl von überirdischer Helle. Ich wollte ihn haschen, den Sonnenstrahl meines Glücks, aber ein Schatten fiel zwischen ihn und mich, daß ich ihn nicht greifen konnte, der Schatten meines rosigen, blonden Kindes, das ich mehr liebte, als mein Leben. Ein Wort von mir und er befaß beides, Mutter und Kind.
Ich mußte ihm alles versagen um des Frieden» dieses Kindes willen.
„Welch unseliger Jrrthum," sagte er endlich mit klangloser Stimme. „Und ich thörichter Egoist glaubte in Ihren Augen gelesen zu haben, daß es auch für mich noch ein Lebensglück geben könnte. Ich täuschte mich bitter."
„Sei es denn," fuhr er, sich gewaltsam zu einem bitter» und schmerzlich trüben Humor zwingend, lebhafter fort. „Lassen Sie mich feilschen um mein künftiges Erdenglück. Ich biete Ihnen ein Herz voll unentweihter, heißer Liebe für das Glück, an Ihrer Seite leben zu dürfen. Lassen Sie mich mit Ihrem Kinde den tobten Vater ersetzen, Ihnen ein Halt für das künftige Leben sein. Vielleicht kommt dann doch einmal eine Zett, in der sich Ihr Herz mir zu- wenden würde in einer anderen Liebe. Noch erfüllt vielleicht die Liebe zu Ihrem tobten Gatten Ihr Herz, aber" —
„Sie täuschen sich, ich — ich besaß nie einen Gatten." Verzweiflungsvoll stieß ich diese Worte hervor, ohne zu ahnen, was ich gesagt hatte.
Mit wettgeöffneten Augen blickte er mich an, ungläubig, verständnißlos. Mit einer leidenschaftlichen Geberde ergriff er meine Hand.
„Ist das der Grund?" rang es sich fast heiser von feinen Lippen. „Bei Gott, Emmy, was ein Bube an Ihnen verbrach, mir soll es kein Hinderniß sein, Sie an mein Herz zu nehmen, Sie sind rein trotz Ihres Kindes."
Ich entriß ihm meine Hand und klammerte mich mit der letzten Aufbietung aller meiner Kräfte an die Lehne des Sessels.
„Dora ist nicht mein Kind," stammelte ich mühsam.
Er richtete das Antlitz empor. Er war bleich und von Thränen gefeuchtet.
„Können Sie mir verzeihen?" fragte er noch einmal, meins beiden Hände ergreifend. Ich entzog sie ihm nicht.
„Nun, noch die Antwort auf meine Frage von vorhin. Wollen Sie mein Weib werden, Emmy?"
„Erlassen Sie mir die Antwort, nur jetzt nicht!" flehte ich in höchster Qual.
Gr ließ meine Hände los und trat einige Schritte zurück.
„Leben Sie wohl für immer," klang es tonlos von feinen Lippen. Seine Hand tastete nach der Thür.
„Karl!" — Im grenzenlosen Schmerze war mir sein Name entschlüpft. Im nämlichen Augenbicke fühlte ich meine Schulter umfaßt, ein tief erblaßtes Männerantlitz bog sich zu dem meinen herab.
„Wir sehen uns wieder, Emmy?" flüsterte er mit bebender Stimme.
«Ich rufe Sie, Karl," war meine zitternde Antwort.
Dann fühlte ich seine Lippen auf Stirn und Wangen. „Lebe wohl," flüsterte er mit vor Jubel unterdrückter Stimme.
Ich war allein. - (Schluß folgt )
Madame Sans Gtzne.
Roman nach Bietorton Sardou und F. Morroa«.
Deutsch von Adel« Berget.
(Fortsetzung.)
Nachdem Beaurepaire tobt war, konnte Herminie, der Vernunft beraubt und ohne sociale Stellung, kein Hinderniß mehr sein. Lowendaal war von ihren Vorwürfen, Klagen und Drohungen befreit, der lebende Beweis dieser unglücklichen Liebe, die kleine Alice, war verschwunden, der Baron war also vollkommen frei und bald am Ziele seiner Wünsche. Noch wenige Stunden und Blanche war sein. Trotz der Bemerkung des Marquis von Lavaline, welcher den Moment und den Ort zur Feier einer Hochzeit schlecht gewählt fand, da der Feind — für den Marquis von Lavaline und feinen zukünftigen Schwiegersohn war der Feind die französischen Soldaten — von einem Tage zum andern erscheinen konnte, hatte der Baron von dem Marquis die Einhaltung seines Versprechens gefordert.
Er erinnerte ihn sogar ziemlich brutal daran, daß militärische Operationen die Regelung von Schulden nicht hindern | und daß es dem Marquis, da seine Güter im Elsaß lagen, das heißt also unter den Kanonen der königlichen Armeen, schwer werden würde, sich seinen Verpflichtungen zu entziehen.
Er fügte noch einen Commentar hinzu, dessen Sinn der Marquis sehr deutlich zu verstehen schien, denn er hörte mit seinen Einwendungen auf und antwortete: „Dann brauchen wir nur mehr meine Tochter dazu zu bestimmen suchen — ich kann sie doch nicht mit Gewalt zum Altar schleppen."
„Das geht Sie an," brummte der Baron. „Trachten Sie, diese junge Rebellin zur Vernunft zu bringen."
Er schickte sofort zum Notar von Jemappes und befahl dem Schloßcaplan, Alle» für die Trauung vorzuberetten.
Um Mitternacht sollte die Hochzeit gefeiert werden und gleich unter dem Schutze der Nacht sollten die Gatten mit dem Marquis nach Brüssel abreisen. Dort konnte man in Sicherheit hinter der kaiserlichen Armee da» Resultat der Feindseligkeiten abwarten.
Blanche hatte sich gleich nach ihrer Ankunft im Schlosse eingeschloflen und wollte Niemand empfangen.
Der Baron hatte einige Male eine Zusammenkunft erzwingen wollen, aber sie weigerte sich, ihn in da» Zimmer zu lassen, das ihr reservirt worden war.
Aengstlich spähte sie hinter einem Fenster auf das Kommen einer Person, die sie erwartete. Ihre Augen schweiften vergeblich über das verlassene Land.
Es war Catherine Lefebvre, deren Erscheinen sie erwartete
Mit gepreßter Brust und klopfendem Herzen, die Hände von einem nervösen Zittern bewegt, erinnerte sich Blanche von Lavaline an da» Versprechen der tapferen Frau. Sie hatte volles Vertrauen zu ihr und sagte sich, daß, wenn Catherine nicht zur bestimmten Zusammenkunft eintreffe, wenn sie ihr nicht, so wie es abgemacht war, das Kind brachte, ein unvorhergesehenes Hinderniß eingetreten sein müsse.
Worin konnte das Hinderniß bestehen, welches Catherine Lefebvre fernhielt? Die unglückliche Blanche errieth es nicht, sie ahnte nicht dis Anwesenheit Catherinens in der Nordarmee,
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