19

Wie sollte ich nicht, hat'« mir doch so oft al« Knabe zum Scherz und später auch in schwerer Stunde, als mich, wie heute, die Häscher suchten, im bittersten Ernste als stcheres Versteck gedient."

Gut," versetzt sie zufrieden,wollen also erst mal Deinen Ueberzieher, der allerdings bedenklich trieft, und auch den durchweichten Hut dort in Sicherheit bringen. Die naflen Spuren muß ich rasch verwischen, meine alte Mine schläft schon, wir haben also keine überflüsstgen Augen und Ohren Willibald"' ^ne $ampe und leuchte mir,

Sie schritt mit den nassen Kleidungsstücken voran und er folgte ihr mit der Lampe nach einem neben ihrer Schlaf, kammer befindlichen Garderoberaum, wo fich hinter einer durch einen ganz besonderen Mechanismus zu öffnenden Tapetenwand ein Versteck befand, der den Vortheil besaß, auch von innen in gleicher Weise geöffnet werden zu können.

Tante Dorothea legte Hut und Rock auf ein Brett, unter welches ste eine wollene Decke zum Auffangen des Wassers uud schob dann ein viereckige« Brettchen bei Sette, um frische Luft hereinzulaffen.

** ">ir im Zimmer gemüthlich plaudern, «eun e« klingeln sollte, weißt Du ja Bescheid."

Tante Dorothea deutete auf den Mauervorsprung und - Bald saßen sie nebeneinander in dem alten, glatt« eilte rasch ins Zimmer zurück, um ihrem Bruder in den I Haartuch-Sopha, wo das Kätzchen behaglich schnurrte. Ueberzieher zu helfen. Daß Willibald diese günstige Minute IDoch nicht die damalige Miez noch?" fragte er, da» benutzte, um Elisabeth, welche fich durchaus nicht sträubte, I schwarze, glänzende Fell desselben streichelnd.

stürmisch an sein Herz zu ziehen und ihren Mund mit Küssen INein, sie ist tobt, dies ist ein Töchterchen von ihr, da, zu bedecken, war ganz natürlich. Als der Hauptmann heran- i ebenso klug und anhänglich ist. Erzähle mir nun, wie e« stampfte und mit grollender Stimme zur Eile mahnte, da I Dir drüben ergangen, lieber Willibald."

hatte Elisabeth den schwarzen Schleier dicht vor'« Antlitz ge- IAch, Tantchen, es ist die gewöhnliche Geschichte eine» zogen, um die verrätherische Gluth zu verhüllen., I jungen Menschen, der ohne Lebenserfahrungen und Weltklug.

Nun sitzt der Eandidat wieder böse in der Tinte," I hell, mit bescheidenen Mitteln, die ich ja vor Allem Deiner lamentirte der alte Herr weiter die Treppe hinab, wobei seine I unerschöpflichen Güte verdankte, in eine ganz andere Welt Schwester leuchtete.Und die arme Sude, die sollen sie nur I hinauskam, als in welcher er geboren und aufgewachsen war. gleich in den Erker hinauf bringen; denn wenn's Wasser hoch I 34 mußte bitteres Lehrgeld bezahlen und war oft nahe daran, geht, steigt's über den oberen Stock hinauf, das Haus liegt I das jammervolle Leben von mir zu werfen. Du glaubst gar zu niedrig." I nicht, Tante, wie viele derartige Existenzen in solcher Weise

So schlimm wird's wohl nicht werden," meinte die I drüben zu Grunde gehen. Wer in dem großen Strome de«

Tante zuversichtlich,ein solches Wasser haben wir ja seit I Erwerbs nicht mitschwimmen kann, geht unter, ohne daß sich

fünfzehn Jahren oder noch länger nicht gehabt. Na, gute I ihm ein Finger zur Rettung darbietet Ich hatte da» Glück,

Nacht, kommt gut nach Hause." I einen Freund zu finden, der mich stützte und emporhob"

Sie blieb noch eine Weile auf dem ersten Treppenabsatz IDen jungen Mann, den Du zu mir schicktest?" unter­stehen und stieg dann rasch wie ein junges Mädchen wieder I brach Tante Dorothea ihn überrascht.

hinauf, um Willibald durch leisen Anruf mit in ihre Wohnung I «3a, meinen lieben Richard Hamson, dessen Bekanntschaft zu nehmen, welche ste sorgfältig verschloß und verriegelte | ich einem kleinen Dienste, den ich ihm leistete, verdankte und

Drinnen blickte der junge Mann in tiefer Erregung rings ber mein Schicksal dadurch mit einem Schlage umwandelte." umher, Alles war wie früher, nichts hatte stch verändert in I »Worin bestand dieser Dienst?" dem einfachen Zimmer, jedes Bild an den Wänden, der lange |"3 der einfachen Warnung, eine Brücke, welche dem

Spiegel, Alle grüßten wie alte Bekannte und auch an der I Umstürze nahe war, mit seinem Pferde nicht zu beschreiten. Bewohnerin schienen die Jahre spurlos vorüberaeaanaen I , 3»genieur hatte ich mit einem Blick die Gefahr erkannt zu sein. 0 u B I und mahnte ihn, lieber einen Umweg von einigen Meilen zu

Du findest Alles wieder, wie Du es verlassen hast, | ma4en- da ich als Fußgänger mich nicht hinüber getraue. Willibald," begann ste,ich bin conservativ, mein Jungel" I ®in Dankes, welcher daneben stand, verlachte mich höhnisch

Und auch Dein goldenes Herz habe ich wiedergefunden, ^°^nden Steg. Doch bevor er die Mute

Tante," erwiderte er bewegt.Man wollte mir weismachen, erreichte, krach e Alles zusammen und begrub ihn n den Strom, daß Du kein Willkommenrwort für mich hättest" I dem wir ihn nicht erretten konnten. Hamson stieg vom

Nun, aufrichtig, lieber Junge, ich habe mich ansanas Iem, das er am Zügel führte. Er dankte mir mit einem

auch nicht über Deinen Brief gefreut," fiel die alte Dame 5° ^nb,ebru£ fttr bie ^^"ung und so gingen wir im

ruhig ein,ich wittere etwas von dem alten Leichtsinn und I ^sprach mit ernander weiter, brs er schließlich genug au» mir

da« betrübt mich zu tief. Du siehst ja nun auch, wohinDdne ^wusgeholt hatte, um mir einen tatsächlich rettenden Vor-

Tollkühnheit Dich geführt hat" 9 I schlag zu machen, nämlich die sichere Anwartschaft auf einen

«Nun freust Du Dich aber doch über Deinen schlimmen Z^?osten bei einem großartigen Effenbahn-Unternehmen. Jungen, nicht wahr, Tantchen? Die Sehnsucht lieb mir I % ich durch einen Augenblick der Glück« in mein keine Ruhe, ich wär' daran gestorben." B I rechtes Fahrwasser und habe, wie ich mir sagen darf, der

Die Sehnsucht nach mir?" fragte sie lächelnd. Empfehlung meine« hochherzigen Freunde« keine Schande Nach Dir und Elisabeth." I gemacht.

»Nun ja, ich will'« ja glauben, lieber Willibald, Vor mich mehr, als ich sagen kann, lieber Willi-

allen Dingen aber müssen wir jetzt erst für Deine Sicherheit I £?;bJ ~ 3)11 baf* also drüben eine feste und geachtete

sorgen, da er sehr wahrscheinlich ist, daß man Dich auch bei I ® errungen?

mir suchen wird. Du kennst doch Dein altes Versteck noch?" I «. , °"4 Erwögen genug, um an einen eigenen Herd

' w denken zu können."

Sieh', sieh'," meinte bie alte Dame, ihn nachdenklich anblickend,willst also heirathen?"

Es ist mein sehnlichster Wunsch, Tante Dorothea," er­widerte er lächelnd.

Dann verstehe ich aber durchaus nicht, weshalb Du Dein Glück durch diese tollkühne Heimkehr so leichtsinnig auf« Spiel setzen konntest," rief ste kopfschüttelnd.

Aber Herzens-Tantchen, das höchste Glück, die Aus« erwählte meines Herzens, mußte ich mir doch erst au» der Heimath holen Glaubst Du etwa, ich könnte drüben ein Mädchen finden wie Elisabeth Hellbach, genannt Ehrhard? Und wenn Kerker ober gar der Tod meiner hier harrten, ich mußte zurück über'« Weltmeer, fei« auch nur, um sie noch einmal zu sehen."

Darum also," sagte Tante Dorothea, sorgenvoll vor fich hinnickend,aber diese Treue gefällt mir. Armer Junge, wenn Elisabeth nun schon verheirathet gewesen wäre?"

Dann hätte ich ihr die Hand gedrückt, sie wie eine Schwester begrüßt und mir den Staub von den Füßen ge­schüttelt, um für immer von Lieb' und Hoffnung Abschied zu nehmen. Aber es ist anders gekommen, Tante Dorothea!" setzte er mit leuchtendem Blick hinzu.Sie, die schöner er- blüht ist, al» ich ste in meinen stillen Träumen jemals gesehen,