. . Was die kleine Frau in der Tiefe des Gemaches ent* gegnete, verstand ich nicht.

Sr aber brauste auf:Mein Gott ja! Was ist da weiter? Ich habe eben nichts mehr! Wollte mir vom Ober* kellner hundert Mark leihen, damit wir morgen fort können, da macht der Kerl ein Geschrei, als ob ich ein Betrüger wäre. Ich muß nun Deiner Mutter telegraphiren, daß sie per Draht Geld sendet. Es ist ja eine reine Bagatelle. Nun sei ge* scheibt, Liebchen, nimm die Affaire nicht gleich tragisch. Komm' her, setze Dich auf meine Kniee, ich muß diese kindischen Thränen von Deinen zarten Wangen küssen."

Sein Ton war tändelnd, schmeichelnd geworden.

Wieder eine Pause. Schluchzende Laute trafen mein Ohr. Ich wollte mich zurückziehen. Er war indiscret, hier zu stehen und doch hielt mich ein seltsames Gefühl, halb Mit­leid, halb unbestimmte Bangigkeit, geban-1.

So? Deine Mutter schickt nicht«?" Scharf, höhnend klang seine Frage.Nun, das wäre einfach infam, uns hier in der Patsche sitzen zu lassen! Sie ist ja reich. Solche Lum­perei ist ihr eine Kleinigkeit!"

Wieder unverständliche, thränenerstickte Laute.

Gut. Wenn Mama es über'» Herz bringt, nicht« für uns zu thun, so wäre da» Einfachste, ich machte ein schnelles Ende. Denn daß Du es weißt, ich brauche mehr, ich brauche Tausende für unser Geschäft," sagte er heiser.Es ist ja eine Kleinigkeit ein Druck und Alle» ist vorbei!"

Ein Schrei, herzzerreißend, tönte herauf. Dann sie mußten nahe am Balkon stehen schluchzte sie:Ich be­schwöre Dich, Ernst, gehe nicht von mir! Ich ertrüge da« Leben nicht ohne Dich. Fort, wirf e» fort, jene» häßliche Ding! Du willst mich nur schrecken! Mama soll Alle» geben, ich ich werde ihr schreiben und sprich nie wieder solche grausame Worte, nie wieder."

So halte ich Dich denn, mein süße» Weib! Halte Dich fest an meinem Herzen und könnte diese bebenden Lippen zu Tode küssen. Verzeih', was ich in Verzweiflung habe thun wollen. Wie thöricht, diese köstlichen Tage reinen Glückes durch elende Geldsorgen zu verbittern."

Bebende, unoersiändliche Laute antworteten auf diese Worte des Leichtsinns, die mich schaudern machten. Warum war er nicht Schauspieler geworden? Und es war empörend er konnte schon wieder lachen.

Du meinst, Schatz, daheim solle es noch schöner werden? O, Närrchen, Flitterwochen halten keine Ewigkeit vor- Eben darum wär's Wahnsinn, Sünde, sie zu kürzen. Morgen tele« graphirst Du an Mama und übermorgen wiegen uns die Wellen des Bodensees. Ist das nicht ein kleines Opfer werth, wenn wir so Herz an Herz, im Gefühl unserer Liebe selig, über die klaren Fluthen getragen werden?"

Warum treten mir brennende Thränen in« Auge? War's Mitleid mit dem leichtgläubigen, jungen Weibe? Wars Zorn über diesen kecken, redegewandten Mann?

Ich habe Beide nicht wiedergesehen. Rheinische Zei­tungen brachten nach wenigen Monden die Concursanzeige über da« Vermögen Ernst Weigel«.

Arme, junge Frau! Ob sie ihn noch nicht durchschaut hat? Ob sie ihn noch immer anbetet? Wohin ist er geflogen, der gleißende Flitter dieser Flitterwochen?

Eine wahre Gespenstergeschichte. In einem alten Schlosse geht ein Geist um- Mr. Fox beschließt, um dessen Bekanntschaft zu machen, in dem Schlosse zu über­nachten. Um Mitternacht erscheint das Gespensi, klirrt mit den Ketten, geht auf da« Lager de« Mr. Fox zu und nimmt ihm die Börse weg.Ui kann brauchen ein Geist Geld?" fragt der Engländer.Her'n Se, mei Gutester,"

antwortet da» Gespenst,ich bin Se äben keeü gewehnlichek Geist!" Spricht» und verschwindet-

Literarisches.

Das lustige München, das sich in seinem Nymphenburger Volksgarten erholt und amüsirt, finden wir in dem soeben ausgegebenen Heft 8 der illustrirten Familienzeitschriststzür all« SSelt* (Deutsches Verlagshaus Bong & iSo., Berlin W. Preis des Vierzehntagsheftes 40 Pfg.) in einer großen Anzahl vielfarbig gedruckter Illustrationen von Richard Mahn und einer ungemein fesselnden Skizze aus der Feder des Freiherrn R. v. Seydlitz-München auf das lebendigste dar­gestellt. Licht- und Schattenseiten aus den Schweizer Bergen bringt dasselbe Heft in der Darstellung einer sehr erfreulichen und einer tief­traurigen Begebenheit. Die erstere ist die Enthüllung und Einweihung des neuen Telldenkmals in Altdorf, die letztere der Absturz des Altels- gletschers im Canton Bern. Die Historie ist durch die Wiedergabe des G. Bleibtreu'schen GemäldesDie Siegesnacht bei Belle-Alliance", die Marine durch eine Zeichnung von Willy StöwerZum Untergang des Torpedobootes S 41" vertreten. An Portraits enthält das Heft den auf der Jagd verunglückten Erzherzog Ladislaus und den Generaloberst Graf Waldersee. Bilder aus den Stettiner Kaisertagen, Genrebilder, Humoristika, technische Zeichnungen re. rc. vervollständigen den reichen Jllustrationsschmuck dieses Heftes, dem der Text in keiner Weise nach­steht. Der RomanDie tolle Gräfin" von Paul Oskar Höcker, der bisher in jeder Fortsetzung dramatische Momente von packendster Wir­kung brachte, steigt in diesem Hefte zu höchster Spannung; der Roman Frauenherzen" von Hans Richter geht in ganz überraschender, aber durchaus künstlerischer und feinsinniger Weise zu Ende, und dafür be­ginnt eine Novelle von F. Frhr. von DincklageNach fünfundzwanzig Jahren", welche den Leser direkt in das Kriegsgetümmel des 1870er Feldzuges führt. Eine ganze Reihe Artikel überSoldatenaber­glauben".Falsches Geld",Die Ursachen der Eiszeit",Rettung aus Feuersgefahr", rc. re. beweisen die innere Berechtigung des Titels Für Alle Welt". Niemand, weß Ranges oder Standes er auch sei, wird ein Heft dieses besten aller Familienjournale unbefriedigt aus der Hand legen.

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Ein ganz prächtiges Weihnachtsgeschenk sind:

Die kleinen Reisende« oder Fröhlich« Wanderungen durch Deutschlaad in Briesen «nd Grzlihlunge«. Ein Buch für zwölf- bis fünfzehnjährige Kinder, von Dr. Carl Pilz. Verlag von Felix Simon in Leipzig. Preis eleg. brosch. 1,50 Mk. eleg. geb- 2 Mk. Der bekannte Pädagoge und beliebte Jugendschriften-Ver- fasser Dr. Carl Pilz überrascht uns mit einer neuen, ebenso originellen wie interessanten Gabe, die, für das reifere Jugendalter bestimmt, überall in deutschen Landen nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen herzliche, aufrichtige Freude erwecken wird Die Aufgabe, welche sich der Autor stellte, war eine schwierige. Es galt bei der Niederschrift der Reiseschilderungen, den richtigen Plauderton für die kleinen Leser zu treffen, der von dem noch "gering entwickelten An- schauungs- und Begriffsvermögen der Kinder dictiert wird, ferner sich innerhalb dieser Grenzen ebenso sehr vor einer zu treuen Diction wie vor einer zu überschwenglichen hyperromantischen Darstellungsweise zu hüten. Dor gewandte Autor hat diese Klippen geschickt zu vermeiden gewußt. Was er uns in diesen Schüler-Retsebriesen aus den schönsten Gegenden unseres Vaterlandes bietet, ist einfach, anschaulich und poetisch, wozu die eingestreuten Mittheilungen aus Geschichte, Sage, Brauch und Sitte, Industrie, Handel und Verkehr der einzelnen geschilderten Ge­genden nicht wenig beitragen. Das 121 Seiten starke, mit zahlreichen Illustrationen geschmückte Buch enthält folgende Abschnitte: Im Riesen­gebirge. Auf dem Oybin. Reise in die sächsische Sweiz. Der Fichtel­berg. Perlmfischerei im Voigtlande. Die Hohburger Schweiz. Er­zählungen und Briefe von Harzreisen. Bei den Bergleuten. Thüringen. Im Rhöngebirge. Eine Rheinreise zweier Schüler. Der Schwarzwald. Drei Briefe von der Ostsee. Schilderungen in so ansprechender Form, wie die vorliegenden, dargeboten, sind ganz besonders geeignet, in dem kindlichen Herzen Liebe zu Heimath und Vaterland zu erwecken und zu befestigen und den Vorsatz zu reifen, später an der Erhaltung des Schönen und Segenbringenden mitzuarbeiten. Schon um dieses nationalen Gedankens willen, der dies prächtige Buch von der ersten bis zur letzten Seite durchzieht, verdient die neue Gabe des fleißigen Autors unsere wärmste Empfehlung.

' El«» aller Zeil. Eine Schulmeistergeschichte von Rudolf Eckart. 64 S. kl. 8°. Eleg. geheftet. Verlag von Felix Simon, Leipzig. Pr. 80 Pfg. Eine echte deutsche Volksgeschichte, eigenartig m der Wahl des Stoffes, eigenartig in der Form der Erzählung, eigenartig auch in ihrem äußeren Gewände I Diese kleine, gemüthvolle, spannende und von kernigem Humor durchwehte Erzählung wird den Leser anfeuern und rühren und in jeder Beziehung befriedigen. Wir haben hier einVolksbuch" vor uns, feffelnd von der ersten bis zur letzten Seite, das mit gutem Gewissen für weiteste Berbreitung em­pfohlen werden kann. Solche Bücher thun unserm Volke gut und sollten m keiner Volksbibliothek fehlen! Vermöge feiner prächtigen Ausstattung lr bas Büchlein zu Geschenken besonders geeignet.

Redaction: A. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversiKtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Gcheyda) in Gießen,