244
Ich bin sehr niedergeschlagen. Ich sagte heute mindesten« zehnmal zu Marie: „Bemerkst Du nichts, mein Kind? — Bemerkst Du gar nichts?"
Sie schaute mich verwundert an und schüttelte den Kopf.
Nach den Untersuchungen Roncoronis aber hätte sie als normales Weib unbedingt etwas bemerken muffen. Ich trug nämlich in einem kleinen Fläschchen eine Vs-tooofad) verdünnte Nelkenöl-Lösung bei mir.
*
Gott sei Dank, es hat sich Alles aufgeklärt. Marie war neulich ein bischen verschnupft. Ich hatte heute das Fläschchen wieder bei mir. Marie aber sagte, kaum daß ich fünf Minuten int Zimmer war: „Was stinkt denn so fürchterlich?"
Ich prüfte heute ihre Geschmacksempfindung. Ich mischte eine ^/siEfach verdünnte Strychninsuphatlösung in ihren Kaffee. Sie erbrach fürchterlich, sie bekam Bauchkrämpfe und mußte sich in's Bett legen. Das übertrifft die von Francis Galton angestellten Beobachtungen. O, wie liebe ich meine süße, kleine Brauti
♦
Ich überraschte heute Marie, wie sie sich den Strumpf anzog. Sie hatte einen Greiffuß. Ich machte mir aber nichts daraus, nachdem die neuesten Forstungen von Ottolenghi und Carrara dargethan haben, daß das seitliche Abstehen der großen Zehe bei normalen Frauen fast dreimal so häufig vorhanden ist, als bei normalen Männern.
*
Marie fragte mich heute, ob ich sie auch wirklich liebe. Ich verwies sie auf die von Bourget verfaßte Tabelle der Liebhaber. Nach der kommen:
Beamte (Richter, Advocate», Notare rc.) 5 Liebhaber auf 100
Mediciner
10
II
Schulmänne
i Lehrer
r | Professoren
25
5
II
11
II
II
II
II
1 AUA
bis zum Hauptmanns
90
11
II
n
Mutete j
vom Hauptmanns an
5
ii
II
u
Maler
80
n
II
n
Bildhauer
50
ii
II
ii
Musiker
10
n
II
ii
Architecten
50
ii
II
ii
I tragische
20
ii
II
ii
Schauspieler
Tenöre
60
ii
II
ii
f Komiker
99
ii
II
i Commis
90
ii
II
Handelsbeflissene Reisende
20
ii
II
n
f Geschäftseigenthümer 5
ii
II
ii
Journalisten
50
ii
II
n
Literaten
Dramatiker
10
Romanschriftsteller
15
ii
II
n
Dichter
30
n
n
ii
Gelehrte
1
ii
ii
ii
Warum soll nun gerade rch nicht
der
Eine
unter
den
Hundert sein!
Sie sah das auch nach *
langem Zureden
ein.
Heute war ich wieder zum Speisen geladen. Marie hatte ein neues Kleid an. Sie sah entzückend aus. Nach Tisch kosten wir heimlich, während Mama ihr Nachmittagsschläfchen hielt und Papa die Zeitung las. Wir standen beim Fenster. Marie lehnte ihren Kopf an meine Schulter und blickte mich zärtlich an. Ich bat sie leise, den Kopf ein wenig weiter zurückzubiegen und ein „A" zu sagen. Sie lachte, aber dann sagte sie doch „A"! Ich schaute ihr in den Schlund. Ihre Stimmbänder sind normal. Die Breite der Schtldknorpelflügel aber und die Weite des Schildknorpelwinkels sind bemerkenswerth.
♦
Marie hat sich schon wieder ein neues Kleid machen laffen! Ich warf ihr Eitelkeit vor. Sie weinte. Ich sagte, die Eitelkeit sei die instinctive Neigung, alle Eigenschaften, die
I bei der Zuchtwahl nützlich sind, in's hellste Licht zu rücken: eine Neigung, die durch da« soziale Leben entwickelt und —
I weil vortheilhaft für das Individuum — erblich übertragen worden ist! Marie weinte noch heftiger.
♦
Meine Braut ist gestern mit ihren Eltern auf drei Wochen nach Meran gefahren. Ich schrieb ihr heute einen zärtlichen, zehn Seiten langen Brief und bat sie, mir umgehend folgende Daten anzugeben:
1) Die Klafterweite ihrer Arme,
2) die Scheitelhöhe über der Sitzfläche,
3) den Brustumfang,
4) die Schulterbreite zwischen den Akromien und
5) die Differenz zwischen der dorsalen Länge ihres Mittelfingers und der Hohlhandlänge.
*
Seit acht Tagen keine Antwort! ♦
Seit vierzehn Tagen keine Antwort! *
Ich bat heute neuerdings um die betreffenden Daten.
*
Ich erhielt heute vom Vater eine ungemein beleidigende Correspondenzkarte mit dem Poststempel Wien. Was ist denn vorgefallen? Ich muß den Papa noch heute in seinem Bureau aufsuchen.
*
Und das nennt sich ein gebildeter Mensch!
Die Partie ist zurückgegangen. Ich bin sehr unglücklich.
Für die richtige Abschrift:
Ernst L. M. Berger.
Vermischtes.
Doppelsinnig. „Na, ich gratulire, Herr Affeffor, endlich 'mal nach sauren Mühen einen Hasen! Ob man's Ihnen aber auch glauben wird?" — „Leider, Herr Förster, hab' ich nur Sie zum Zeugen!"
♦ *
Boshaft. Gigerl: „Wie lange, Herr Profeffor, kann eigentlich der Mensch ohne Gehirn leben?" — Profeffor: „Das kommt darauf an! Wie alt sind Sie denn?"
♦ * ♦
Aus einem Examen. Profeffor: „Herr Candidat, welche Pflanze hat den größten Eiweißgehalt?" — Candidat: „Spinat mit Spiegeleiern." ♦ ♦
♦
Im Gegentheil. Braut: „Mamameint, Du heirathest mich nur, weil ich später noch Vermögen zu bekommen habe." — Bräutigam: „Ganz im Gegentheil, Schatz; wär' mir sogar lieber, wenn Du's jetzt gleich hättest!"
* * *
Verschnappt. Baron: „Die Cigarren, die Du gestern geholt hast, sind nicht so gut als die vorigen." — Diener: „Ja, sie beißen etwas auf der Zunge."
G e m ü t h l i ch. Schneider (auf der Bude des Studenten): „Ich gehe jetzt nicht eher, als bis ich mein Geld habe!" — Student: „Ja, mein Bester, da müssen Sie mit meiner Wirthin sprechen. Ich ziehe in acht Tagen aus."
• * ♦
Aus der Jnstructionsstunde. -Unteroffhier: „Nur der Höchstcommandirende hat im Felde ein vollstänviges Bett zu verlangen — da kannst Du Dir 'mal ausrechnen, Schulze, was auf Dich kommt!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


