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Samstage dm 29. September.

es Herrn Gebote zu erfüllen, Sei, Christ, Dir eine heil'ge Pflicht, Es wird Dir jeden Kummer stillen, Ein besi'res Mittel gibt es nicht. D'rum halte stets des Herrn Gebot Dein Leben lang bis in den Tod.

Den Höchsten über Alles lieben, Ist jedes Christen erste Pflicht; Ihn nie durch eine That betrüben, Die seinem Willen widerspricht; D'rum, Christ, folg' seinem Willen gern, Lieb' über Alles Gott den Herrn.

Wir sind ja Alle seine Kinder, Er ist es, der uns Alle schuf; An Fromme, sowie an die Sünder, An Alle geht derselbe Ruf;

D'rum lerne, Christ, ihn recht versteh'» Und so auf Gottes Wegen geh'n.

Die Eltern lebenslänglich lieben, Ist eines jeden Kindes Pflicht, D'rum suche sie auch stets zu üben, Folg' einem and'ren Willen nicht. Denn nur der Segen Gottes ruht Auf dem, der seinen Willen thut.

Auch Deinen Nächsten sollst Du lieben, Ihm helfen, wenn er ist in Noth, Ihn nie durch eine That betrüben, Die widerspricht des Herrn Gebot; Denn das wird auch von dem belohnt, Der über allen Sternen wohnt.

D'rum suche, Christ, treu zu erfüllen, Was Gott Dir vorgeschrieben hat; Folg' unermüdlich seinem Willen Dein Leben lang in Wort und That. Wer so gelebt, empfängt am Thron Des Höchsten den verdienten Lohn. B. J.

Im Strome des Lebens.

Roman von Jenny Piorkowska.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Ich war ein junges Mädchen von sechzehn Jahren. Seit meinem elften Jahre vater- und mutterlos, weilte ich im Pen­sionat von Mademoiselle Lebrun. Wie oft hatte ich während dieser fünf Jahre nach Freiheit, nach einer Veränderung ge­seufzt; ich kam mir vor wie ein gefangener Vogel, dem es nach einem freien Fluge gelüstet, der aber vergebens mit der Brust gegen die Eisengitter schlägt und als mir nun endlich Freiheit werden sollte, da wich ich scheu vor dem Unbekannten, das meiner draußen in der großen Welt harrte, zurück. Bang und traurig klopfte mein Herz, als die Stunde des Abschieds schlug, des Abschieds, vielleicht auf Nimmerwiedersehen, von meinen jugendlichen Freundinnen. Aber was half's? Die Koffer waren gepackt und drinnen im Salon wartete der Fremde, unterdessen Obhut, wie Tante Aurelie bestimmt hatte, ich die fast dreitägige Reise zu ihr unternehmen sollte.

Herr von Rodegg, mein Begleiter, war ein Mann in den besten Jahren, von vornehmer Haltung und feinen Manieren; seine schlanke Gestalt und seine ernsten und regelmäßigen Züge flößten mir auf den ersten Blick volles Vertrauen ein, gleich­zeitig aber auch den größten Respect. Sein dunkles Haar war von einzelnen Silberfäden untermischt, die tiefen Falten auf seiner Stirn verriethen, daß seine Vergangenheit nicht immer glatt und sonnig dahingeglitten war, doch um seine Lippen spielte bisweilen ein seltenes Lächeln, das den tiefen Ernst in einen unsagbar freundlich gewinnenden Zug umwan­delte, der mich von der ersten Stunde unserer Bekanntschaft für ihn einnahm.

Ein letztes Adieu meinen Freundinnen, ein letzter Ab­schiedsgruß dem Hause, das Jahre hindurch mein einziges Heim gewesen war und fort rollte der Wagen mit mir an der Seite des Herrn von Rodegg.

Als wir im Eisenbahnzug unsere Plätze eingenommen hatten, versuchte er, sich mit mir zu unterhalten, da er aber auf all' seine Fragen nur ein schüchternesJa" oderNein" zur Antwort erhielt, gab er fein Bemühen bald auf, lehnte sich in die Polster zurück und überließ sich seinen eigenen Ge­danken, die, nach seiner finster zusammengezogenen Stirn und den fest aufeinandergepreßten Lippen zu urtheilen, wenig an­genehmer Natur sein konnten.

Der erste Tag schlich langsam und unintereffrnt dahin. Am zweiten Tage fühlte ich mich, des Reisens gänzlich un-