242
Teufel- .
„Zwei Schinken, einen großen Schwartenmagen und neun Würste verschiedener Art. Eine Wurst, welche bereits an dar Teilchen gebunden war, ist mit Euch den Rauchfang hinabgestürzt. Wie kam es, daß Ihr hinunterfielet?
„Die Stange, auf welcher ich stand, zerbrach, antwortete Kaminfeger Eckert, denn dieser war der vermeintliche Teufel, „und ich stürzte mit fürchterlichem Getöse hinab auf den Feuer-
„Aber wie brachtet Ihr es fertig, daß Euch Quassel und sein Weib mit größter Ehrerbietung Thür und Thor öffneten und Euch, ohne Lärm zu machen, hinwegziehen ließen? srag- ten Büchsenmacher Breitenbach und Bauer Burkard, welche mit Eckert die Commission für Abstrafung des ausschneide' rischen, filzigen Postschreibers bildeten-
„Ruhig, Ihr Männer," antwortete Eckert; „morgen_ fottt I Ihr Alles erfahren, jetzt gilt es, unbeirrt nach Haufe zu tomra$rei sp^er, auf einen Samstagabend, war der gemeinschaftliche Imbiß im „Darmstädter Hofe" ange agt worden Der erste Gast, welcher erschien, war Postschreiber QuaM. Seine Augen glänzten, als er die saftigen Scherben Schinken, die Räder aus den dicken Würsten und Schwartenmagen g - I schnitten sah und er konnte sich nicht enthalten, eine Schmm von jeder Schüffel zu versuchen, ehe sich die Ge ellscha t zu I Tische setzte. Als der Wirth aber noch einige Schüsseln treff I lichen Sauerkrautes nebst Erbsenbrei hinzustellte, da konnte srch Quaffel nicht länger halten; er drängte, daß gegessen wurde, noch ehe die Gesellschaft vollzählig roar. Nun laute er aut I zwei Backen, gab seinen Nachbarn zur Rechten und Mr Ernten nur durch unartikulirtes Brummen Antwort, wenn sie eine Frage an ihn richteten und ließ nicht eher nach, al» bis sämnn- liche Schüffeln, die für ihn erreichbar waren, keine Spur von I Speisen mehr auswiesen. _ h
I „Ein treffliches Mahl!" sagte er, nachdem er Meffer-und Gabel weggelegt, einen starken Zug aus dem Humpen gethan I und darnach einen scharfen Schnaufer von sitz gestoßen ha
, I „Schinken und Würste sind genau rote die meinigen hergenchm I und auch im Gewürze so gehalten."
| „Dar stimmt!" antwortete Bauer Burkhard trocken.
„Dann laus' an's Fenster und rufe Feuer! Mordio! Hexenjagd I Tod und Teufel!"
-S„Jch gehe nicht von der Stelle, Mann, es wurde ntetn Tod sein!" rief die geängstete Ehehälfte. ,
„Eurer Qual soll ein Ende gemacht werden," ertönte eine hohle Stimme aus der Küche. „Ich sehe, daß Du Postschreiber ein gewaltiger Banner bist. Ich war gekommen, Dein Buch, die Teufels Geissel, zu holen, kann Dir es aber nicht entreißen. D'rum werde ich weggehen und Dir nichts zu leide thun, das verspreche ich Dir auf Teufelswort und in Teufelsnamen. Oeffne die Küchen-, Haus- und Hosthure, halte Dich ruhig, Du und Dein Weib. Geschieht dies, so wird Euch kein Härchen gekrümmt. Erhebt Ihr Geschrei oder muß ich zum Schornsteine hinausfahren, dann fliegt das Haus und Ihr Beide mitsammen in die Luft. Nun wählet!'
Quassel schlich an die Hausthüre und riegelte sie auf, dann das Hofthor; darnach kam er zur Küchenthüre. „Deine Kraft werde zu Nichte: Tohuwabohu! Tohuwabohu. murmelte er unaufhörlich. Die Küchenthüre öffnete sich, eine Schornsteinfegergestalt, mit einem schwarzen Federbusche aus i dem Kopse, die Augen rollend, die Zähne fletschend, trat her- vor und schritt stolz zur Thüre hinaus. „Tohuwabohu! declamirte Quassel, und sein zitterndes Weib, das sich hinter dem Teufelsbanner verkrochen, rief mit zitternder, ängstlicher Stimme fortwährend: „Tohuwabohu!"
Als der Teufel auch das Hofthor pafsirt Hatte, warf Quassel die Hausthüre in's Schloß, riegelte ab und eilte in s Schlafzimmer. Auch dieses wurde sorgfältig geschlossen und nicht versäumt, überall drei Kreuze anzubringen. — —
Die schwarze Gestalt schritt einige Häuser weiter; hier I sprangen zwei sonderbare Gesellen aus einem Winkel heraus.
„Wieviele Schinken und Würste haben wir?" fragte der
$ „Wenn Ihr Euch so benehmet, dann sind wir zufrieden, versetzte Meister Eckhart. „Ihr sollet dann auch zu einem I gemeinschaftlichen Abendimbisse eingeladen werden, wachen wir demnächst hier im Brauhause veranstalten. Die Festsetzung dieses Abends bleibt noch vorbehalten."
Quassel schmunzelte; er hatte sich gut aus der Verlegenheit gezogen und ein billiger Abendimbiß stand in Aussicht- I Das begeisterte ihn so, daß er zwei Humpen mehr als gewöhnlich zu sich nahm und ein klein wenig beim Nachhausegehen mQnE(Sine Stunde nach Mitternacht that es in der Küche plötzlich einen fürchterlichen Schlag. Quassel machte Licht und I schritt vorsichtig nach der Küche. Hier bot sich ihm em ent» | etzlicher Anblick dar. Auf dem Feuerherde stand eine große, chwarze Gestalt, mit einem Federbusche auf dem Kopfe und einer schwarzen Keule in der Faust. Blitzschnell schlug Quaffel I die Küchenthüre zu und drehte den Schluss^ um. Darauf eilte er in's Zimmer zurück, holte das Büchlein „Die Teufels Geissel und fing an, Beschwörungssormeln vorzulesen. Alsbald fing die schreckliche Gestalt aut dem Feuerheerde an zu grunzen, brummen und johlen. Quassels Frau erschien, zitternd an Arm und Bein. , m ,<
„Was ist geschehen?" fragte das geängstigte Weib. ।
„Beruhige Dich," versetzte Quassel, „erlist ein Unhold einqedrungen,er kann aber nicht von dannen, weil ich ihn mit der „Teufels Geissel" festgebannt habe. Höre, wie er grunzt, wenn ich die Beschwörungsformel ausspreche:
Feuergeist: spiritus igmsl Wassergeist: spiritus aquae! Erdgeist: spiritus terrae! Wer Du auch seist: spiritus nemims! Deine Kraft werde zu Nichte: Tohuwabolm.
Es grunzte und brummte unheimlich in der Küche nach
Ahe Dich rasch an, Frau!" ries Quassel triumphirend, „eile zum Hosprediger und zum Hexenrichter, sie möchten hierher kommen mit Häschern und Wächtern."
„Nicht um die ganze Welt!" ries das zitternde Weib.
,Nehmet nicht ungtttig, daß ich meiner Pflicht noch nicht nach- kam, Eure Einladungen zu erwidern. Doch aufgeschoben ist I nicht aufgehoben. Wisset, daß ich in den letzten Wochen schwer zu arbeiten hatte. Fürst Thurn und Taxis, der Reichsgeneralpostmeister, plant eine ganz vollständige Umgestaltung des | RetchrMwesens. mQ^e§ Wort," flüsterte Präeeptor Fischer; „das lügt der Mann in einer Geschwindigkeit zu- sammAiese großartige Umgestaltung fordert alle Kräfte des Postwesens in die Schranken; wir müssen Gutachten und Berichte vorlegen, wir müssen schreiben und denken, daß man nicht zu sich selber kommt." , ,
„Mit Verlaub, Herr Posteommissarius!' fiel Kaminfeger Eckert dazwischen, „Eure Aussage stimmt ganz und gar nicht mit derjenigen des Steckenreuters und Postläusers Hemz Raben- holt; er sagte noch gestern Abend: im Winter hättet Ihr Beide nichts zu thun. Selten kämen einige Poststücke, darum würde er stets weggeschickt und Ihr läget den ganzen Tag auf dem Schrägen und pflegtet Eures Leibes." ,
„Meister Eckert," antwortete Quassel, ohne in Verlegenheit zu kommen, „ich sage Euch: Wenn der Heinz Rabenhott so groß wäre, als er dumm ist, müßte er sich Dicken, sobald er durch Euer Scheuerthor, das doch gewiß hoch ist, m die Tenne eintreten wollte. Ich schicke den HeiM blos um deswillen fort, weil ich sein dummes Gerede nicht hören kann und er so heftig nach Tabakjauche riecht, daß mir Übel wird und ich am tiefen, anhaltenden Denken gehindert bin- — In etwa acht bis zehn Tagen ist die Hauptsache gemacht, fuhr Quassel fort; „bis dorthin weiß ich auch, was aus den gro^rttgen P.änen werden wird und ich werde nicht ermangeln, Euch in mein gastlich Haus einzuladen und Euch mitzutheilen, was ich darf Also verzeiht, Ihr Männer, es gilt jetzt Eure Gesund-


