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Dienstag, den 29. Mai.

Nr. 61.

1894.

Kändedruck.

Den Händedruck im Weltenall Millionen Herzen theilen, Sein guter Geist lebt überall, Wo edle Menschen weilen. Dich preise ich als hohes Gut, Du Quell der reinsten Triebe, In Deinen heil'gen Tiefen ruht Versöhnung, Freundschaft, Liebe!

Der Händedruck, ein froher Gruß Vom Freunde, treu und bieder, Kehrt er nach der Geschicke Schluß Zur lieben Heimath wieder;

Vom Drang der Zeit das Haar gebleicht, In Falten Stirn und Wangen, Er uns die Hand, die treue, reicht, Im Auge Zähren hangen!

Der Händedruck, ein süßer Lohn Für edle Frauenherzen, Die wohl durch Menschenliebe schon Gelindert manche Schmerzen!

O Frauenherz, im schönsten Schmuck Strahlst du, wo Thränen fließen, Dir sei der wärmste Händedruck, Sei laut, sei hoch gepriesen!

Der Händedruck, ein schöner Drang, Will Herz an Herz sich pressen, Und so bei frohem Liederklang Vergeben und vergessen!

Erhab'ne» Bild, wenn sich vereint, Was Groll und Haß geschieden, Das Auge eine Thräne weint, Im Bunde Eintracht, Frieden.

Der Händedruck, ein stummer Schwur, Der Liebe heil'ger Siegel, Läßt sie uns schau'n auf trauter Flur In ihrer Seele Spiegel! O, welch' ein überselig Glück, Welch' seltsam Wonnebeben, Läßt solch ein hoher Augenblick Das Menschenherz durchschweben!

Der Händedruck, der treu und wahr, Ein Born der Hochgefühle, Dringt in die Herzen wunderbar, Führt zum erwünschten Ziele!

O, könnte er die ganze Welt Beglücken und versöhnen, Daß jeder Haß in sich zerfällt, Was alle Menschen sehnen!

Ja, Händedruck im großen All Kann wohl am schönsten lohnen, Sein Genius herrscht überall, In allen Erdenzonen! Ist er doch stets ein Ehren-Pfand, Kommt er au» gutem Herzen;

Knüpft oft so manches süße Band, Heilt Kummer oft und Schmerzen!

Th. Loos.

Die Hexe von Bingenheim.

Von Gg. Schäfer.

(Fortsetzung.)

Jetzt streckt er seine Hand aus," meinte Schulpräceptor Fischer,greift in die leere Luft und sofort faßt er zehn Lügen, womit er die Gesellschaft unterhalten kann."

Er kann stärker lügen, als zwei Pferde laufen," bemerkte halblaut ein Dritter.

So schwirrte es hin und her, bis Quaffel einen Schluck aus dem dargereichten Humpen gethan und sich niedergelassen hatte.

Ihr Männer und verehrten Freunde!" begann Quaffel.